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Fahrplan aus dem Lockdown

„Click & Meet“ ist die neue Hoffnung für den Wasserburger Einzelhandel

Im Innkaufhaus läuft die Registrierung auch über eine Kundenkarte, so das Konzept von Sibylle und Tobias Schuhmacher.
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Im Innkaufhaus läuft die Registrierung auch über eine Kundenkarte, so das Konzept von Sibylle und Tobias Schuhmacher.

Bayerns „Fahrplan“ aus dem Lockdown ist gar nicht so leicht zu interpretieren. Beispiel Einzelhandel: Nach „Click & Collect“ gilt ab Montag, 8. März, „Click & Meet“. Doch was heißt das? Drei Wasserburger Geschäfte und ihre Konzepte.

Wasserburg– „Wir freuen uns so sehr“, sagt Sibylle Schuhmacher, die gemeinsam mit ihrem Mann Tobias den Stufenplan zur Lockerung des Lockdowns so interpretiert: Das Innkaufhaus, das im Shutdown nur die Abteilungen mit Feinkost und Schreibwaren betreiben durfte, öffnet am Montag auch alle anderen Bereiche. Wer rein will, muss sich vorher anmelden – das soll unkompliziert gehen, auch für Passanten, die sich spontan entscheiden.

Checkpoint zur Kundenerfassung

Dafür bauen die Schuhmachers einen „Checkpoint“ auf. Hier lassen sich die Kunden registrieren. Eine Zählmaschine erfasst die Anzahl der Besucher, schließlich darf nur ein Kunde pro 40 Quadratmeter rein, das sind gleichzeitig 30 Gäste. Von „VIP-Shopping“ spricht Schuhmacher deshalb schmunzelnd. Außerdem gebe es beim ersten Registrieren eine Kundenkarte – über sie könne beim nächsten Einkauf die Anmeldung schneller vonstatten gehen, so Schuhmacher.

Doch ob der Plan des Innkaufhauses aufgeht, hängt davon ab, wie sich die Inzidenzzahl entwickelt. Gestern, Freitag, lag sie im Landkreis Rosenheim knapp unter 100. Klettert sie über diese Schranke, müssen die Ladentüren – mit Ausnahme im Bereich Feinkost und Schreibwaren – wohl wieder schließen.

Schuhmacher findet trotz aller Freude über die neuen Möglichkeiten, wieder stationär zu verkaufen: Nach wie vor habe es der Fachhandel schwer.

Discounter beispielsweise hätten gar nicht schließen müssen, also zu hundert Prozent Planungssicherheit gehabt – und während des Lockdowns viele Produkte angeboten, die es im Fachgeschäft gebe: Spielsachen beispielsweise. Dieses Geschäft konnte das Innkaufhaus in den vergangenen Wochen stationär nicht mitnehmen. „Das ist eine Chancenungleichheit“.

Was Schuhmacher ebenfalls ärgert: „Am Mittwoch erfahre ich das neue Konzept, bis Montag muss ich es hinkriegen.“ Sie findet, dem Einzelhandel in der Innenstadt werde eine hohe Flexibilität zugemutet. Das gelte auch für die Warenbestellung. „Kann ich die georderten Osterprodukte verkaufen – darf ich?“

Auch die Personalplanung bereite Sorgen: „Es ist schwer, abzuschätzen, wie viele Kunden kommen – ein Betrieb mit einer „ständig angezogenen Handbremse“, findet sie.

Terminvergabe wie in einer Arztpraxis

Schuh Sax ist in puncto Wiedereröffnung gespalten: Das Geschäft in Wasserburg darf Kunden empfangen, der Laden in Haag (Landkreis Mühldorf: Inzidenz knapp über 100) nicht. Gabi Sax und ihr Mann fühlen sich wie eine Arztpraxis, die Termine vergibt:

Über ein Online-Portal, per Anruf oder Whatsapp reservieren die Kunden für Wasserburg Shoppingtermine. Wie in den Gaststätten vor dem Lockdown müssen die Daten der Bürger erfasst werden. Drei Kunden gleichzeitig dürfen rein bei Schuh Sax in Wasserburg.

„Click & Meet“ sei jedoch „ein sehr guter Schritt in die richtige Richtung“, sagt Gabi Sax, „aber am liebsten hätten wir natürlich ganz aufgemacht, denn die passenden Hygienekonzepte haben wir ja schon längst.“ Trotzdem freue sich das Team auf den Neustart – „wir lechzen geradezu nach der Arbeit direkt am Kunden“.

In den nächsten Wochen wird vor allem der Blick auf die Inzidenzzahlen den Geschäftsalltag im Einzelhandel prägen. Hohe Flexibilität ist angesagt – auch beim Personal. Die Eisatzpläne für die nächsten Wochen sind bei Schuh Sax geschrieben, kann jedoch gut sein, dass die Mitarbeiter wieder heimgeschickt werden müssen, bedauert Gabi Sax. Geduld sei das Gebot der Stunde. Doch sie findet auch: „Wir kommen durch. Die Menschheit hat schon Schlimmeres erlebt.“

Empfangsdame zählt die Besucher

Riesenvorfreude auch im Gewandhaus Gruber: „Wir sind total aufgeregt“, sagt Geschäftsführerin Sonja Schacherl, „endlich geht es wieder los“. Seit 7 Uhr am frühen Morgen haben sie und ihr Team gestern alles vorbereitet für den Neustart nach drei Monaten.

Das Konzept steht: An der Tür gibt es eine „Empfangsdame“, die mitzählt, dass sich beispielsweise im Haupthaus nicht mehr als 50 Leute gleichzeitig aufhalten sowie die Termin- beziehungsweise Anmeldungsliste prüft und führt. Geöffnet wird nur ein Eingang, um den Überblick zu behalten.

Die Gewandhaus-Chefin rechnet mit gutem Besuch: „Die Leute möchten so gerne wieder kommen, einfach mal was Neues für den Frühling kaufen.“ Außerdem garantiere die Begrenzung der Kundenzahl, dass das Einkaufen sicher sei – „sicherer als bei manchen Discountern vermutlich“.

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