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Durcheinander an den Schulen

Brandbrief zur Corona-Schulpolitik: Wasserburger Elternbündnis geht „auf dem Zahnfleisch“

Mit einem Corona-Test beginnt derzeit für viele Schüler der Unterricht. u
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Mit einem Corona-Test beginnt derzeit für viele Schüler der Unterricht.

Distanz-, Präsenz- und Wechselunterricht: Mal so, mal so – je nach Inzidenz, jetzt noch die Testpflicht: Das Elternbündnis Wasserburg hat mit einem Brandbrief auf das „furchtbare Durcheinander“ in den Schulen während der Pandemie reagiert und weitere Schutzmaßnahmen gefordert.

Wasserburg – Bürgermeister Michael Kölbl, der Stadtrat, die Kollegien der Schulen und der Kultusminister haben das Schreiben erhalten. Verfasst wurde es von Bündnissprecherin Anita Arz im Namen von 85 Mitgliedern, die der Vereinigung angehören würden.

Forderung: Kein „Weiter so“

Ein „Weiter so“ darf es nach Ansicht der Vereinigung von Eltern nicht mehr geben. Denn die Annahme, dass Kinder keine Relevanz beim Infektionsgeschehen hätten, habe sich als falsch erwiesen. „Schulen sind ein wichtiger und sensibler Faktor, um die Menschenrechte auf Gesundheit und Bildung zu gewährleisten“, so das Bündnis.

Kritik: Schutzmaßnahmen nicht ausreichend

Seit einem Jahr würden jedoch Vorschläge zu Schutzmaßnahmen in den Bildungseinrichtungen vom Kultusministerium und den zuständigen Stellen ignoriert, finden die Eltern.

Der Freistaat habe zwar Mittel zur Beschaffung von Luftfiltern, die die Belastung mit Aerosolen im Raum reduzieren, bereitgestellt, aber nur für dringend benötigte Klassenräume, die zum Beispiel keine Durchzugsmöglichkeit hätten. „Dies ist zu wenig“, betont die Sprecherin des Bündnisses.

Das regelmäßige Lüften durchs geöffnete Fenster sei langfristig gesehen schließlich nur eine von mehreren Möglichkeiten, das Infektionsrisiko zu verringern und kaum eine Lösung im Winter, stellt das Schreiben fest.

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Das Bündnis wirft nicht nur dem Kultusministerium vor, zu wenig zu tun, sondern auch der Stadt Wasserburg, als Schulaufwandsträgerin zu wenig Engagement bei der Beantragung von Luftfiltergeräten zu zeigen. Auch der versprochene Verstärkerbus funktioniere in Wasserburg nur bedingt: Das zugesagte Angebot sei nicht ausreichend, erreiche nicht die notwendigen Siedlungsbereiche in der Stadt. Das Interesse an der Bereitstellung von mehr Buskapazitäten, damit das Infektionsrisiko auf dem Weg in die Schule verringert würde, sei zu gering, findet das Elternbündnis.

Bürgermeister weist Kritik zurück

Bürgermeister Michael Kölbl weist die Kritik zurück: Noch vor Weihnachten sei ein Verstärkerbus für die Grundschule Am Gries eingesetzt, für die Mittelschule kein Bedarf festgestellt worden. Derzeit fahre ein Verstärkerbus nicht so weit wie gewünscht, die Kinder hätten jedoch nur 300 Meter zu Fuß zurückzulegen. Nächste Woche habe die Stadt ein weiteres Gespräch mit dem RVO als Anbieter, um die Situation noch weiter zu verbessern.

Hochmoderne Filteranlage in Mittelschule

Luftfilteranlagen seien für die Grund- und Mittelschule, für die die Stadt als Sachaufwandsträger zuständig sei, nicht bestellt worden, weil hier in allen Räumen eine Stoß- oder Querlüftung möglich sei. Trotzdem werde die Stadt nächste Woche noch einmal an die Schulleitungen herantreten und nachfragen, ob doch Bedarf bestehe. In der Mittelschule sei außerdem eine hochmoderne Filteranlage installiert worden – mit Um- und Abluftsystem, das in der Pandemie noch einmal höhergestellt worden sei.

Zusätzliche CO2-Melder gefordert

Das Wasserburger Elternbündnis fordert außerdem, dass die Klassenräume mit zusätzlichen CO2-Meldern und Plexiglas-Trennwänden ausgestattet werden. CO2-Melder sind nach Angaben von Kölbl flächendeckend an den Grundschulen und der Mittelschule angeschafft worden. Mit dem Wunsch nach Glasscheiben seien die Leitungen noch nicht an die Stadt herangetreten. In der kommenden Woche werde die Verwaltung diesbezüglich jedoch auch noch einmal in den Schulen nachfragen, ob Bedarf dazu bestehe, so Kölbl weiter.

Debatte um Tests an Schulen

Das Elternbündnis ist der Meinung, dass Corona-Tests bei Schülern nur von medizinischem Personal durchgeführt werden dürften. Medizinisches Personal bereitzustellen, sei nicht Aufgabe einer Kommune, sagt der Rathauschef – nur Bestellung, Abholung und Auslieferung der Tests. Die Lehrkräfte seien von der Stadt jedoch mit Schutzausrüstung ausgestattet worden.

Als Beispiel für eine vorbildliche Vorgehensweise zum Testen von Schülern und Lehrern, nennt Bündnissprecherin Arz die Gemeinde Eiselfing. Hier hat, wie berichtet, die Schulfamilie gemeinsam mit vielen Ehrenamtlichen aus dem Dorf ein Testzentrum in der Schulturnhalle auf die Beine gestellt.

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In Wasserburg gibt es drei Zentren: im Vereinsheim der Löwen, bei den Johannitern und in der Stiftung Attl. Arz empfindet diese Angebote jedoch als nicht praktisch genug – und verweist auf die Tatsache, dass auch in Wasserburg Selbsttest in den Klassen durchgeführt würden. Das funktioniere gut, sagt der Bürgermeister. Das Bündnis ist jedoch der Meinung, Lehrer könnten die ordnungsgemäße Handhabung nicht kontrollieren, Kinder seien überfordert.

Komme es zu Positivergebnisse, bestehe die Gefahr, dass Mädchen und Buben vor den Augen der Klassenkameraden bloßgestellt und stigmatisiert würden. Außerdem stellen die Eltern die Tests vor Schulbeginn grundsätzlich in Frage: Sie würden schließlich nicht hundertprozentige Sicherheit bieten, schließlich seien sie nur 48 Stunden gültig und würden nur zwei Mal pro Woche durchgeführt, so die Sprecherin.

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Arz weist auch darauf hin, dass es Kinder gibt, die trotz Testmöglichkeiten und Maskenpflicht aus gesundheitlichen Gründen vom Unterricht beurlaubt werden. Sie seien gegenüber den Kindern, die am Präsenz- oder Wechselunterricht teilnehmen würden, benachteiligt. Kinder, die daheim bleiben würden, müssten sich nach wie vor oft quasi selbst beschulen. „Das Recht der Schüler und Schülerinnen auf Bildung muss in allen Situationen des Lebens immer gewährleistet sein.“

Gleiche Chancen für alle gefordert

Gleiche Chancen für alle, fordert das Bündnis. „Es gibt immer noch Schulen, die keinen oder unzureichenden Online-Unterricht anbieten“, ärgert sich das Bündnis. Viele Schulen seien außerdem digital nicht gut ausgestattet. Der Bürgermeister verweist darauf, dass die Stadt alle Fördermöglichkeiten für zusätzliche Endgeräte ausgeschöpft habe. Dass noch nicht alle PC und Laptops vorhanden seien, liege an Lieferproblemen.

Das Elternbündnis sorgt sich auch um die Schüler, die sich schwertun mit dem Lernen: Sie würden unter der derzeitigen Situation mit Hin und Her von Präsenz- , Distanz- und Wechselunterricht besonders leiden. Das Elternbündnis fordert vom Kultusministerium deshalb die versprochenen Ersatzlehrer. Mehr Personal sei außerdem notwendig, damit Lehrer das Recht bekämen, entweder nur Distanz- oder nur Präsenzunterricht durchzuführen.

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Die Lehrer und Lehrerinnen, Schüler und Schülerinnen sowie Eltern „gehen im Moment auf dem Zahnfleisch“, findet Arz. Weitere Schutzpräventionsmaßnahmen an Schulen müssten endlich im Fokus stehen. Das Elternbündnis fordert auch die Stadt und den Stadtrat deshalb auf, „Eigeninitiative zu übernehmen“.

-Nicola Zajac

Familienmanagement in der dritten Welle: ein Erfahrungsbericht

„Ich weiß: Ich darf das eigentlich so nicht sagen: Doch ich finde Corona einfach zum Kotzen“, sagt Samuel, sieben Jahre alt und Sohn der Mitarbeiterin in der Geschäftsstelle der Wasserburger Zeitung. Seine Mama Nicola Zajac und ihr Mann haben ihm seine Wortwahl nicht übel genommen, denn sie können die Frustration des Sohnes nachvollziehen. Der Grundschüler pendelt seit einem Jahr zwischen Distanz-, Präsenz- und Wechselunterricht hin und her.

Das Testen mit der Mama geübt

Im Homeschooling hat er lesen und schreiben gelernt. Die Grundschule Schloßberg, die Samuel besucht, hat den digitalen Unterricht nach Angaben von Nicola Zajac sehr gut umgesetzt – über einen Online-Schulmanager. Per App kommen Arbeitsanweisungen, per Video erläutern Lehrer den Stoff. „Das klappt mega gut“, sagt die Mitarbeiterin der Wasserburger Zeitung.

Als am Montag die Testpflicht für die Schulen kam, hat sie mit Samuel daheim den Nasenabstrich ausprobiert. Nur ein wenig habe dieser in der Nase gekitzelt, berichtete der Sohn danach. Gestern wurde er zum ersten Mal in der Schule getestet und war durch das Üben mit der Mama gut vorbereitet, berichtet diese. „Das mit dem Testen in der Schule passt für uns“, sagt sie.

Excel-Liste, um nicht den Überblick zu verlieren

Nicola Zajac und ihr Mann sind nach eigenen Angaben positiv denkende Menschen, sie stellen sich den Herausforderungen der Corona-Pandemie ohne Murren. Trotzdem ist die dreiköpfige Familie stark gefordert bei der Organisation des Alltags – und mittlerweile auch etwas erschöpft, wenn es um die Bewältigung geht.

Beide sind berufstätig – trotz Schichtdienst und Kurzarbeit heißt es immer wieder, „umswitchen“ bei der Betreuung des Sohnes, der – je nach Inzidenzwert – mal im Wechsel- oder Distanzunterricht ist.

Mittlerweile managt das Ehepaar den Familienalltag und die Frage, wer wann frei hat, per Excel-Liste, um nicht den Überblick zu verlieren. In die Notbetreuung soll Samuel nur gehen, wenn es nicht anders zu organisieren ist, sagen die Eltern. Auch Freunde unterstützen – etwa wenn es darum geht, den Zweitklässler im Homeschooling zu betreuen.

Samuel vermisst die Klassengemeinschaft, „langsam fehlt ihm die Motivation beim Lernen daheim“, stellt die Mama fest. Sie hofft, dass bald wieder Normalität eintritt.

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