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„Das Publikum will uns“

Die Wasserburger Schauspielerin Susan Hecker und ihre Vision vom postpandemischen Theater

„Ein Monat zum Durchatmen“: Im Oktober 2020 spielte Susan Hecker in „Hoffmans Erzählungen“ im Theater Wasserburg.
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„Ein Monat zum Durchatmen“: Im Oktober 2020 spielte Susan Hecker in „Hoffmans Erzählungen“ im Theater Wasserburg.

Was ist ein Schauspieler ohne Bühne, ohne Zuschauer, ohne Rolle, ohne Text? Ihm fehlt sein Sprachrohr, seine Ausdrucksmöglichkeit, der Austausch mit dem Publikum. Seine Passion verpufft, wird stumm gemacht. Die Wasserburger Schauspielerin Susan Hecker erzählt im Interview, worauf es ankommt: Zuversichtlich bleiben.

Wasserburg – Die Bühne fehlt ihr: Susan Hecker. Im Interview spricht die Wasserburger Schauspielerin über fast ein Jahr Berufsverbot wegen Corona, Mut, den es jetzt braucht. Und wie sie es schafft, sich nicht unterkriegen zu lassen.

Haben Sie eine Vision von einem postpandemischen Theater?

Susan Hecker: Ich hoffe, dass wir da anschließen können, wo wir aufgehört haben. Im Oktober 2020 konnten wir zwischen den Lockdowns ja nochmal spielen. Das war ein schöner Monat, ein Durchatmen für uns alle vom Theater Wasserburg. Ich spielte in „Hoffmanns Erzählungen“ und meine Inszenierung „Krankheit der Jugend“ wurde gespielt. Auch wenn wir wegen der Beschränkungen nur begrenzte Möglichkeiten hatten, die Zuschauer haben das voll ausgeschöpft – trotz Maskenpflicht. Das Publikum will uns, selbst mit solchen Einschränkungen. Ein tolles Gefühl.

Was fehlt Ihnen?

Hecker: Meine Ausdrucksmöglichkeit, mein Sprachrohr, mich in Rollen reinzudenken, zu proben, zu sprechen, sich zu bewegen, zu fühlen ....., spielen halt. Stücke zu erarbeiten – das alles ist ein großer Teil meiner Persönlichkeit, meine Berufung, meine Leidenschaft. Und mir fehlt das Fest: die Aufführung, die man mit den Kollegen zusammen erlebt, hinterher etwas zu trinken, zu reden, sich zu umarmen – und der Austausch mit den Zuschauern.

Was fehlt den Schauenden?

Hecker: Alles, was die Menschen ins Theater treibt: politische, psychologische, gesellschaftliche Zusammenhänge. Oder die mögliche Läuterung, die sie durchs Theater erfahren. Das persönliche Gespräch mit anderen Besuchern oder auch Schauspielern. Der Austausch. Und, Teil dieses Festes zu sein. Theater erleben ist einfach was ganz anderes, als sich vor die Glotze zu setzen.

Wie verändert Corona das Theater?

Hecker: Wenn Corona den Menschen verändert, dann wird sich das mit Sicherheit im Theater widerspiegeln. Wir Künstler stecken in einer Art Starre, einer Warteschleife, aus der wir nicht rauskommen – im Moment. Das ist mein Empfinden. Doch ich verstehe die Corona-Maßnahmen, ich empfinde es auch nicht so, dass ich in meinen Grundrechten beschnitten bin. Das Lamentieren wegen der Verbote bringt nichts. Wichtig ist, dass wir im Theater – unsere Kraft und unseren Elan behalten, damit wir dort wieder anknüpfen können, wo wir aufgehört haben. Das ist die große Herausforderung.

„Bühne, Bühne, Bühne“ – die vielen Stempelabdrücke im Gesicht von Susan Hecker verraten, wofür sie brennt. Die Aufmachung gehört zu ihrem Kostüm in „Hoffmanns Erzählungen“.

Wie überleben Sie die Pandemie finanziell?

Hecker: Ich bin Soloselbständige. Normalerweise spiele ich an verschiedenen Theatern, habe auch Drehtage oder Engagements für Hörspiele. Da ist vieles weggebrochen. Ich habe Corona Künstlerhilfe vom Staat und vom Theater bekommen. Es ist weniger, aber immerhin.

Hecker: Ich hoffe , dass diese Betriebe ihre ursprüngliche Arbeit bald wieder aufnehmen können. Theater muss einfach sein! Theater hat einen Bildungsauftrag. Theater ist systemrelevant. Es ist wichtig für die Gesundheit der Seele und auch die Herzensbildung. Theater kann beim Durchstehen von Krisen helfen – wie es das immer getan hat.

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Worauf hoffen Sie?

Hecker: Auf die Zukunft, dass Theater, vielleicht wenigstens draußen oder in anderem luftigen Ambiente wieder möglich ist. Mit klugen Konzepten und ausgeklügelter Test-Strategie. Wenn das geht, dann machen wir das.

Jetzt gerade rückt das leider wieder in die Ferne – angesichts der steigenden Inzidenzen.

Hecker: Wegen der Mutanten. Wir müssen wohl noch eine Weile durchhalten.

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Wie schaffen Sie es, ihre Zuversicht nicht zu verlieren?

Hecker: Ich bin, dank wem auch immer, eher optimistisch veranlagt. Unterkriegen lasse ich mich nicht und versuche auch meinen Kindern da den richtigen psychischen Input zu geben. Das Auf-zu-auf-zu im Theater, wie auch im öffentlichen Leben, ist natürlich belastend, aber das Virus lässt uns keine andere Wahl .

Fürchten Sie, dass die Menschen sich nach Corona selbst einen Sparkurs auferlegen?

Hecker: Ich denke nicht. Hoffentlich begreifen die Menschen das Theater weiterhin als Bereicherung für ihr Leben. Für mich wird es das jedenfalls immer sein.

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Wären Livestreams für Sie als Schauspielerin eine Alternative zu Auftritten?

Hecker: Ich persönlich bin nicht unbedingt ein Freund „des Streamens von Theater“. Ich warte lieber, bis das „live Erlebnis Theater“, die Interaktion mit den Zuschauern, wieder möglich ist.

Hecker: Ich habe großes Unverständnis für Leute, die auf diese Demos gehen und sich der Gefahr aussetzen, sich anzustecken. Ich habe Respekt vor dem Virus und würde derzeit auch nicht in einen Flieger steigen. In ein Theater mit einem guten Hygienekonzept würde ich aber gehen. Bleiben wir zuversichtlich.

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