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„Katastrophen-Tourismus“ in Wasserburg - Keine Störungen der Helfer im BGL

Donnernder Inn ein Spektakel: „Leute kletterten über oder unter den Absperrgittern hindurch“

„Hochwasser-Touristen“ in Wasserburg am Inn bei Hochwasserlage
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Zwei Feuerwehrler, die über die Neugierde der „Hochwasser-Touristen“ nur den Kopf schütteln können: Der hohe Wasserstand des Inns lockte am vergangenen Sonntag zahlreiche Schaulustige auf die Wasserburger Innbrücke sowie auf wegen Überschwemmungsgefahr gesperrte Wege.

Während das Berchtesgadener Land vom Hochwasser stark gebeutelt ist und die Aufräumarbeiten in vollem Gange sind kam Wasserburg am Inn im Kreis Rosenheim glimpflich davon. Dafür nahm hier allerdings der „Katastrophen-Tourismus“ Fahrt auf. Die reißenden Fluten des Inns stellten ein Spektakel dar, das sich viele nicht entgehen lassen wollten. Für Einsatzkräfte und Feuerwehrler ein enormes Ärgernis.

Wasserburg am Inn/Kreis Berchtesgadener Land - Der Hochwasserpegel an der Innschleife rund um die Altstadt blieb zwar konstant und sank am Sonntagabend bereits wieder ab - aus Sicherheitsgründen und aufgrund übergetretener Uferbereiche aber wurden dennoch die Wege am Inn gesperrt. Dies jedoch stieß bei vielen Bürgern auf Engstirnigkeit.

Uneinsichtige Hundebesitzerin: Polizei muss Platzverweis erteilen

„Wir hatten relativ viel zu tun mit Bürgern, die die Gefahr nicht erkannt haben“, erläutert Niko Baumgartner, Kommandant der Feuerwehr Wasserburg, im Gespräch mit wasserburg24.de.

Kinder spielten am Ufer am Stauwehr auf Höhe der Kapuzinerinsel, die Menschen missachteten Absperrungen, machten Selfies und Fotos am Inndamm - neben dem Donnern der Fluten am Stauwehr. „Eine Frau bestand vehement darauf, mit ihrem Hund wie gewohnt den Weg direkt am Inn spazieren zu gehen. Mit ihr führten wir eine längere Diskussion, die die Polizei mit einem Platzverweise beendete“, schildert Baumgartner.

Debatten, die für Ratlosigkeit sorgen: „Wieso die Leute trotz Lebensgefahr da trotzdem hin gehen, ist uns schleierhaft. Wir mussten sensibilisieren und viele auffordern, gesperrte Bereiche zu verlassen. Gerade mit Kindern ist das nicht ungefährlich: So schnell wie da etwas passiert ist, kann im Ernstfall kaum reagiert werden.“

Kopf an Kopf sammelten sich die Menschen auf der Roten Brücke, um die reißenden Fluten des Inns zu begutachten.

Uneinsichtige Schaulustige und ein „Katastrophen-Tourismus“, der die Einsatzkräfte behindert - Eindrücke, die auch im Wasserburger Rathaus für Ärger und für Verwunderung über die Unvernunft einiger Passanten sorgen.

„Sperrhinweise am Inndamm wurden auffällig oft ignoriert, die Leute kletterten über oder unter den Absperrgittern hindurch. Das entspricht einer Missachtung einer behördlichen Anweisung und ist vergleichbar mit dem Überfahren einer roten Ampel“, prangert Geschäftsleiter Thomas Rothmaier an. Und auch Bürgermeister Michael Kölbl verweist auf die starke Fließgeschwindigkeit des Inns: „Wer zu nah herankommt, kann weggerissen werden. Das ist extrem gefährlich.“

Hochwasser in Wasserburg: Ein Highlight für viele Bürger - und zugleich ein Ärgernis für Einsatzkräfte.

Worte, die Alexander Fendt vom DLRG Mühldorf nur bestätigen kann. Er ärgert sich über die Häufung sogenannter “Hochwasser-Touristen“, die in den überschwemmten Ufergebieten umherwandern, Selfies und Fotos schießen. „Wir treffen auf Eltern, die ihre Kinder dort spielen lassen. Uferbereiche, die versandet sind, können wegbrechen und plötzlich befindet man sich im Wasser - bestimmte Bereiche sind nicht grundlos gesperrt“, mahnt Fendt.

Die DLRG musste am vergangenen Sonntag sogar wegen der Sichtung eines Schlauchboots auf dem Inn bei Jettenbach ausrücken.

Keine Gaffer in tatsächlichen Katastrophen-Gebieten im BGL

Währenddessen gab es in den wirklich überschwemmten Gebieten keine Probleme mit Gaffern oder uneinsichtigen Bürgern. Wie ein Beamter der Polizeiinspektion Grassau auf Nachfrage erklärt, sei es im Raum Traunstein offenbar ruhig geblieben: „Wir sind ohnehin im Vergleich zum Nachbarlandkreis mit einem blauen Auge davon gekommen. Die Bevölkerung verhielt sich den Umständen entsprechend angemessen - es lief alles seinen gewohnten Gang.“ Es sei lediglich zu kleineren Stauungen wegen einer überschwemmten Umleitungsstrecke im Bereich Marquartstein gekommen.

Ins selbe Horn bläst Alexandra Rothenbuchner vom Landratsamt Berchtesgadener Land: Nach Rücksprache mit der Polizei sei es im Rahmen der fortschreitenden Aufräumarbeiten nach dem Hochwasser am Sonntag zu keinen Störungen oder Beeinträchtigungen gekommen. „Die Polizei und das Landratsamt haben über ihre Informationskanäle dazu aufgerufen, sich von gefährdeten Bereichen fernzuhalten und die Einsatzkräfte nicht zu behindern - woran sich viele hielten.“

mb

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