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Premiere für Stück von Eugène Ionesco

Theater Wasserburg spielt „Die Nashörner“: Sinnfrei und trotzdem unterhaltsam

Fantasievolle Clown-Nummer mit Vincent Bertram (links) und Mindi Frank.
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Fantasievolle Clown-Nummer mit Vincent Bertram (links) und Mindi Frank.

Zum Sommertheater begeistert das Theater Wasserburg mit Eugène Ionescos Stück „Die Nashörner“. Die Premiere der surrealen Groteske bot eine amüsante Mischung aus Kammerspiel, Musiktheater und dazu ein wenig Zirkusluft mit Akrobatik und lassischen Clowns.

Wasserburg – Eugène Ionesco gilt als einer der wichtigsten Vertreter des absurden Theaters. Der französisch-rumänische Dramatiker zeigt in „Die Nashörner“ unterhaltsam und zugleich beunruhigend, wie Menschen sich beeinflussen und manipulieren lassen. Ionesco persifliert im Stück die dynamische Hysterie von Massenbewegungen, ohne dabei auf eine bestimmte politische oder gesellschaftliche Ideologie abzuzielen. 1959 erfolgte die Uraufführung. Frankreich befand sich gerade im Algerienkrieg. Patriotismus, aber auch Rassismus breiteten sich aus im Land.

Schnaubende Rhinozerosse

Ionescos tragisch-komischer Antiheld Behringer, in der Inszenierung von Uwe Bertram und Nik Mayr der „Übriggebliebene“ genannt, muss die schrittweise Verwandlung der Menschen um ihn herum miterleben. Freunde und Bekannte werden zu schnaubenden, wütenden Rhinozerossen. Und schließlich fällt die ganze Stadt und mit ihr die Menschen aus allen Gesellschaftsschichten der „Rhinozeritis“ anheim. Sie alle werden zu Nashörnern, die einer Herde gleich durchs Leben trampeln, um alles umzurennen, was sich ihnen in den Weg stellt.

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Dem „Übriggebliebenen“ aber gelingt es, dem Verwandlungsprozess zu widerstehen, selbst als die beiden letzten Menschen seiner Umgebung, die „Übriggebliebene“ und seine Freundin Daisy, zu Nashörnern werden.

Eindringlicher Appell

Mögen „Die Nashörner“ vordergründig sinnfrei und trotzdem unterhaltsam sein, so verbirgt sich hinter Ionescos skurrilem Sprachwitz doch der eindringliche Appell, für mehr Verantwortung und individuelles Denken einzutreten. Für ihn steht die Erkenntnis, dass keine Massenbewegung ohne Verantwortungslosigkeit entstehen kann. Individualität und Anpassung werden dabei gegeneinander aufgewogen.

Serviert wurde diese durchaus ernste Botschaft mit köstlich absurden Dialogen und umrahmt von einem bildgewaltigen Spektakel. Chiara, Nina und Peter Frank aus der Zirkusfamilie Boldini zeigten beeindruckende Artistik unter der Zirkuskuppel. Mindi Frank und Vincent Bertram begeisterten mit professioneller Clownerie.

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Instrumental begleitet wurde die Aufführung durch Pit Holzapfel, Georg Karger, Anno Kesting, Wolfgang Roth und Leonhard Schilde. Die fünf Musiker fanden als mitreißende Zirkuskapelle oder mit teils expressionistischen Klanggebilden stets die passende Musik.

Surreale Tragikomödie

Bleibt nur noch festzustellen, wie sich die Akteure in dieser surrealen Tragikomödie geschlagen haben. Susan Hecker und Carsten Klemm spielten die „Übriggebliebenen“ brillant. Beide waren derart überzeugend, dass sich unweigerlich die Frage stellte, ob die Nashörner nicht schon längst auch mitten unter uns sind.

Opulente Füllean kreative Ideen

Annett Segerer, Hilmar Henjes und Regina Semmler erfüllten ihre Rollen als „Die Dünne“, „Der Blonde“ und „Die Kleine“ ebenfalls hervorragend. Sie agierten aus großen, fahrbaren Müllcontainern heraus. Bei so viel opulenter Fülle an kreativen Ideen, optischen Reizen und Sprachwitz war das Publikum in seiner Konzentration durchaus gefordert.

Weitere Termine

Weitere Spieltermine des Theaters Wasserburg im Rhinodrom auf dem Gelände der alten Essigfabrik im Holzhofweg in Wasserburg sind am Donnerstag, 22., Freitag, 23., Samstag, 24. und Sonntag, 25. Juli, jeweils um 20.30 Uhr.

Karten sind über www.theaterwasserburg.de, im Vorverkauf in der Tourist-Info und bei Versandprofi Gartner in Wasserburg, beim Kulturpunkt Isen-Taufkirchen und im Kroiss Ticket-Zentrum Rosenheim erhältlich. Die Abendkasse öffnet eine Stunde vor Vorstellungsbeginn.

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