2. Mai

„Wer lacht, kann sich nicht gleichzeitig ärgern“ – Die Umfrage zum Weltlachtag

Monika Barthold-Rieger, evangelische Pfarramtsassistentin aus Wasserburg am autofreien Tag mit dem Bobbycar unterwegs.
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Monika Barthold-Rieger, evangelische Pfarramtsassistentin aus Wasserburg am autofreien Tag mit dem Bobbycar unterwegs.

Corona nervt! Es beschwert unser aller Leben, die Lockdowns ziehen die Menschen runter, machen mürbe. Was hilft? Humor – vielleicht. Anlässlich des Welttags des Lachens haben wir uns in der Region umgehört und die Leute gefragt: „Worüber lachen Sie?“ Angenehmer Nebeneffekt: Schon die Recherche macht gute Laune.

Wasserburg und Altlandkreis – Humor ist wichtig, gerade in der Krise. Er schafft eine gewisse Erleichterung und auch emotionale Distanz. Lachen hilft, Ängste zu bewältigen.

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Gemeinsam lachen, ob in der Zoom-Konferenz oder am Telefon, stärkt den Zusammenhalt. Auslachen und ausgrenzende Witze sind hier explizit nicht gemeint.

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Unsere Redaktion glaubt fest daran: Es werden wieder Zeiten kommen, in denen das einzig ansteckende das Lachen ist. Halten Sie durch!

Frohnatur aus der Touristinfo

Andrea Aschauer, Wasserburger Touristinfo.

Andrea Aschauer von der Wasserburger Touristinfo ist eine Frohnatur, wie ihr Kollegen bescheinigen. Zur Zeit findet sie die Bully-Show „LOL: Last one Laughing“ auf Amazon Prime total witzig. „In Zeiten, wo der Humor wegen Corona so Flöten geht, freu ich mich einfach, wenn ich lauthals lachen kann“, so die 28-jähriger Wasserburgerin. In der Show geht es um bekannte Comediens, wie Anke Engelke oder Rick Kavanian, die in einem Haus „eingesperrt“ sind und sechs Stunden nicht lachen dürfen, sich aber gegenseitig herausfordern. Wer lacht, fliegt raus. „Barbara Schöneberger konnte sich nicht zam’reißen und war die Erste“, erzählt Aschauer begeistert. Einfach mal was anderes als Corona, sagt sie. Ihr Tipp in diesen anstrengenden Zeiten: Man sollte über Kleinigkeiten im Alltag lachen, über Dinge, die schiefgehen oder Situationskomik. „Wir im Rathaus reißen schon mal ‘nen Spruch, wenn wir uns im Gang mit Abstand begegnen. Oder am Telefon gibt es nebenbei einen Gag. Das muss einfach sein, wenn man sich schon nicht treffen darf“, so Aschauer.

Ein Pfarrer als Wetterprophet?

Bruno Bibinger, Wasserburgs Pfarrer.

Bruno Bibinger, Pfarrer Wasserburg-St. Jakob und Wasserburg-St. Konrad von Parzham:Was bringt einen Pfarrer zum Lachen? „Viele Menschen meinen, ein Pfarrer muss ja immer sehr ernst, korrekt sein und habe in seinem Dienst nicht viel zu lachen. Aber ganz im Gegenteil. Ich lache sehr gerne! Und diese Fröhlichkeit trägt mich gerade in schwierigen Zeiten. Am meisten kann ich über mich selbst lachen. Über Fehler, die mir passieren und auch zeigen, wie menschlich Priester sein können (und auch müssen!).

Ein Beispiel: Wenn man sich am Ende der Osternacht verspricht und statt „frohe Ostern“ den Gläubigen „frohe Weihnachtstage“ wünscht. Schmunzeln bei den Menschen. Zwei Minuten später hat es bei Verlassen der Kirche draußen unerwartet geschneit. Da kam natürlich ein großes Lachen auf und viel österliche Fröhlichkeit, einen so passenden Fehler gemacht zu haben. Prophetisch? Nein, nur ganz menschlich (Smiley).“

Zungenbrecher wirken immer

Dr. Richard Kirchlechner, Autor aus Rott.

Dr. Richard Kirchlechner, Autor aus Rott,bringen skurrile Situationen zum Lachen: Sitzt man in geselliger Runde mit Bayern und Nichtbayern zusammen, so kommt unweigerlich das Thema Dialekt aufs Tapet. Bittet dann ein Bayer einen Zuagroasdn (Zugereisten), „Oachkatzlschwoaf“ zu sagen, so scheitert dieser, und die Bayern lachen. Dann bitte ich den Bayrn zu sagen: „an ogfisldn Oachkatzlschwoaf mit Vidrioiej ejejn“ (einen abgefieselten Eichkätzchenschweif mit Vitriolöl einölen). Das schafft er noch, aber bei „mej Schbezi hods Schbeck-b’steck z’schbad bschdejd“ (mein Spezi hat das Speckbesteck zu spät bestellt) scheitert er, wie ich es mehrfach erlebt habe.

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Ich muss dann herzhaft lachen, und diesmal lachen alle mit.“

Mit Kids ist es immer leicht, zu lachen

Katharina Burger, Polizistin aus Wasserburg.

Katharina Burger von der Wasserburger Polizei sagt, „wer nicht lacht, ist selber schuld“. Die 39-Jährige ist Jugendverkehrserzieherin und arbeitet mit Viertklässlern auf dem Übungsplatz.

„Mit Kindern ist das immer leicht, da gibt es dauernd was zu lachen. Ich hab auch zwei Kinder und bei uns daheim kommt das Lachen nicht zu kurz.“ Nachgefragt, ob sie es gerade in Corona-Zeiten auch mal lustig hat, sagt sie: „Galgenhumor ist auch Humor. Und mit Humor ist das Leben leichter.“

Wortverdrehungen eines „Rechtschreibpunks“

Thomas Hiemer, Autor von „KloLeckTüre“ aus Isen sagt: „Kennen Sie das? Man verwechselt einen Buchstaben, innerhalb eines Wortes und manchmal entstehen so die unterhaltsamsten Wort-Neuschöpfungen.“ Darüber schreibt der Isener in seinem Buch „Klo|leck|türe – Wörter fast wie aus dem Duden“. Mitunter der witzigste Begriff dürfte „Nahkoterfahrung“ sein, also, wenn man beinahe in einen Hundehaufen getreten ist.

Thomas Hiemer, „Rechtschreibpunk“ aus Isen.

Wer einmal „infiziert“ sei von Wortneuschöpfungen, für den gebe es kein Halten mehr, wie für ihn, den Rechtschreibpunk und Wortverdreher. „Kennen Sie den Gebäckträger, den Kapierstau oder den Liebhabär? Wenn es jetzt beginnt, in Ihnen zu arbeiten, stehen Sie bereits mit einem Bein in der Manege der Wortakrobaten“, so Hiemer. Als solide Grundausrüstung brauche man dafür, „einen gesunden Abstand zur landläufigen Orthografie, Stift und Block neben dem Bett, um nächtliche Spontan-Einfälle festzuhalten und selbstverständlich einen belastbaren Freundeskreis an dem Sie hemmungslos Ihre Wortschöpfungen ausprobieren können.“ Wenn man den Freundeskreis angesteckt habe, könne das „kollektive Neuronenfeuer so richtig beginnen“. Er schlägt wider den tierischen Ernst vor, ein Wort des Monats zu wählen oder kreative Satz-Ungetüme in seine Alltagssprache einfließen zu lassen. Sein Beispiel: „Dem Liebhabär des Gebäckträgers halfen beim Kapierstau im Tindergarten auch keine Glauboli mehr. So war die herannahende Nahkoterfahrung unausweichlich.“ Glauboli und Kapierstau erklären sich doch von selbst, oder?

Das Buch (ISBN: 978 394 599 305 7) gibt es bei rechtschreibpunk.de oder im lokalen Buchhandel.

Sonniges Lachen als Markenzeichen

Anne Donath, Einzelhändlerin.

Ein sonniges Lachen und immer gut drauf sein, ist das Markenzeichenvon Anne Donath, Inhaberin von ‚Pfeiffer am Rathaus‘in Wasserburg. Lebensfroh zu sein und positiv zu denken bestimmten jeher ihr Lebensmotto. Den Corona bedingten Einschränkungen gewinnt sie zurzeit auch Positives ab. Sie hat mehr Zeit für die Familie und findet, dass auch Kleinigkeiten kostbare Momente vermitteln können. Eine Pfanne ihrer Großmutter mit dem Spruch „Wenn’s zum Heulen nicht reicht, muss‘d‘lachen!“ hängt nicht ohne Grund in ihrer Küche. Denn mit Humor und Realitätssinn könne man aus jeder Situation das Beste herausholen, meint sie. Ein Schild „Ab hier bitte lächeln!“ findet sich deshalb auch an der Tür ihres Geschäftes. Und dass dieses Lächeln auch bei Maskenpflicht bemerkbar sei, dafür würden schon die Augen sorgen, erklärt sie auch schon mal auf Nachfragen ihren Kunden, denen sie sich gerne wohlwollend und individuell widmet. Und gerne gibt sie auch einen Tipp für mehr Humor und Zufriedenheit weiter: „Jede/r solle einfach das Beste aus dem machen, was ihr/ihm begegnet.“

Das Kind in sich zulassen

Jörg Herwegh, Schauspieler und Regisseur.

„Ich lache gerne.“ Das sagt Jörg Herwegh, seines Zeichens Wasserburger Schauspieler, Regisseur, Veranstalter und Theaterleiter spontan über sich. Und er fände immer einen Grund zum Lachen, denn der Alltag böte ihm stets zahlreiche humoristische Quellen und Anlässe zur Erheiterung.

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Vor allem, wenn er den Leuten so zuschaue, vor allem denen, die sich für besonders gescheit hielten, fände er überall komische Situationen. Humor sei sehr wichtig, er mache Menschen gleicher, sei zutiefst demokratisch und manchmal sogar subversiv.

Einen Tipp zu vermehrtem Lachen gibt er auch gerne weiter: Jeder solle neugierig seine Umwelt wahrnehmen, sich selbst nicht zu ernst nehmen und über den eigenen Tellerrand blicken lernen.

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Das schaffe Gelegenheiten, auch das eine oder andere unfreiwillig Komische zu sehen und sich darüber zu amüsieren. Und manchmal sei es auch schön, wenn man das Kind in sich nochmal zulasse, über sich selbst lache und auch mal albern sei. Letztlich sei Lachen zutiefst menschlich, die Mimik in der Tierwelt sei dafür nicht ausgeprägt, stellt Herwegh in den Raum, nur was seine Katze beträfe, da sei er sich diesbezüglich nicht ganz sicher (Zwinker-Smiley).

Die Frau mit dem Bobbycar

Immer gut drauf: Monika Barthold-Rieger.

Monika Rieger, evangelische Pfarramtsassistentin: „Das einzig Negative in meinem Leben ist der Coronatest, den ich jeden Montag für meinen Job mache“, sagt schmunzelnd die Frau, die schon mal mit dem Bobbycar in die Hofstatt einfährt, wenn „autofrei“ ist. Und dabei eine Eiswette gegen eine Freundin gewinnt: Monika Barthold-Rieger. Als einen von Natur aus positiven Menschen bezeichnet sie sich selbst. Ihren Spaß und ihr Vergnügen findet sie eigentlich in allen Situationen des Alltags. Am besten ablachen kann sie mit ihren Freundinnen. Wenn die beisammen sind, gibt es keine kommunikativen Schranken. Dann denkt sie auch schon mal: ‚Gut, dass uns jetzt keiner zuhört!‘

Auch in eigentlich gar nicht lustigen Situationen oder bei kleinen eigenen Missgeschicken schafft sie es, mit Humor und positivem Denken der jeweiligen Situation etwas Witziges abzugewinnen. Man solle halt nicht sofort Angst vor einer vermeintlichen Blamage haben, sich auch mal trauen, etwas auszuprobieren.

Nicht immer muss aber auch gleich gelacht werden, meint sie, ein Lächeln kann oft genauso gut einem missgestimmten Gegenüber zu besserer Laune verhelfen. Einen Tipp gibt sie jedenfalls gerne weiter: „Wenn man lacht, kann man sich nicht gleichzeitig ärgern.“

Bestatter mit Humor

Freddy Eisner, Bestatter aus Wasserburg.

Freddy Eisner, Brand Trauerberatung Wasserburg: „Ich lache über das Leben. Denn das Sterben ist eine ernste Sache. (Zwinker-Smiley). Vor allem mag ich Wortspielereien und Situationskomik. Solange niemand persönlich betroffen ist, erweist sich vieles als lustig oder komisch, wenn man den Blickwinkel oder die Bedeutung der Wörter verändert. Zwei nette Beispiele: Sagt eine Kerze zur anderen: ‚Stimmt es, dass der Wind für uns gefährlich ist?‘ Antwort: ‚Davon kannst du ausgehen.‘ 2. Beispiel: ‚Dieser Moment, wenn man im Auto sitzen bleibt, um das Lied zu Ende zu hören‘ – Anton (51) Notarzt. Wichtig finde ich halt auch, dass man sich selbst nicht so wichtig nimmt. Viele Dinge oder Ereignisse erweisen sich als gar nicht so wichtig, wie zuerst angenommen. Lebensmotto: Wie bringt man den lieben Gott zum Lachen ? – Plane dein Leben.“

Albernes Kopfkino

Andi Klemm, Redakteurin der Wasserburger Zeitung

Andi Klemm, Redakteurin der Wasserburger Zeitung: Gerhard Polt, Sigi Zimmerschied, Absurdes, Situationskomik, eigene Pannen, Wortspiele – darüber kann die Reporterin herzhaft lachen. „Ich bin leicht tollpatschig veranlagt und ziehe Missgeschicke magisch an. Wenn ich beim Radeln beispielsweise nicht aufpasse, ein Schlagloch mitnehme und dabei über den Lenker fliege, lache ich schon im Fall über mich selbst, sehe mich in Zeitlupe und denke: nicht schon wieder. Das ist eigentlich ziemlich deppert, weil ich mich anspannen und aufs Abrollen vorbereiten sollte, um das Verletzungsrisiko zu minimieren. Doch ich kann nicht aufhören zu lachen, selbst, wenn ich mit dem Kinn bremse.“ Die Endorphine mildern den Schmerz. „In meinem Hirn laufen zu absurden Situationen, die ich erlebe, häufig comicartige Filme ab, die natürlich so albern sind, dass ich losprusten muss. Das passiert bisweilen auch, wenn ich Anschiss kassiere – außer, wenn der von einem Choleriker kommt, da hört der Spaß auf. Mein Humor hat seinen eigenen Kopf.“

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Auch politisch unkorrekte Witze und vor allem Galgenhumor haben es der 41-Jährigen angetan. „Ich lach‘ auch mal unter Niveau. Selbst über Schlüpfriges, doch da gibt es einen schmalen Grat und es kommt immer drauf an, wer so einen Witz loslässt. Sonst fühlt es sich schnell nach Belästigung an.“ Paradoxerweise lache sie gern und viel, wie sie sagt, sei aber auch eine Grantlerin und habe eine grüblerische Seite, geprägt von Weltschmerz. Ein Spagat, den zu schaffen sie gelernt hat. „Lachen tut auch gut, wenn es zum Weinen nicht reicht.“

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Jeden Tag sollte am besten Weltlachtag sein. Am 2. Mai 2021 wird er weltweit begangen.

Stichwort Weltlachtag:

Der Weltlachtag wurde von dem indischen Arzt Madan Kataria initiiert. Der Begründer einer Yoga-Lehre rief 1995 den ersten Lachclub ins Leben. Der Weltlachtag wird international am ersten Sonntag im Mai gefeiert. Die Feier des Weltlachtags hat das Ziel, ein Bewusstsein der Gesundheit, des Glücks und des Friedens durch das Lachen zu erreichen.

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