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Abschied vom Kuschel-Blockhaus: Warum das für Reitmehringer Kinder eine gute Nachricht ist

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Von: Heike Duczek

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Sie freuten sich vor einem Jahr über die Eröffnung der Holzhütte: (von links) Bürgermeister Michael Kölbl, Kita-Leiterin Anja Zeller und Hochbautechniker Roy Tinter aus der Bauabteilung der Stadt.
Sie freuten sich vor einem Jahr über die Eröffnung der Holzhütte: (von links) Bürgermeister Michael Kölbl, Kita-Leiterin Anja Zeller und Hochbautechniker Roy Tinter aus der Bauabteilung der Stadt.  © Leitner

Spielen in der Blockhütte: Den Reitmehringer Krippenkindern gefällt`s. Denn in ihrem Holzhäuschen ist es richtig kuschelig. Trotzdem ist dies ein Provisorium, dessen Ende naht.

Wasserburg - Es war als Provisorium gedacht und wird als solches jetzt einer Dauerlösung weichen: Die Holzhütte für die Krippenkinder in Reitmehring wird nach Ablauf des Mietvertrags durch einen Umbau der ehemaligen Hausmeisterwohnung mit Erweiterungsgebäude ersetzt. Zwölf Kinder im Alter von einem bis drei Jahren finden hier zum Start des Kindergartenjahrs 2023/2024 einen Betreuungsplatz.

Im März 2021 war die Aufregung groß in der Wasserburger Elternschaft. Bei den Anmeldungen stellte sich heraus, dass 25 Krippenplätze fehlen. Als Übergangslösung wurde unter anderem eine Blockhütte auf dem Gelände des kommunalen Kindergartens in Reitmehring errichtet. Fast auf den Tag genau vor einem Jahr feierten Stadt und Kitaleitung hier Eröffnung.

Investition von 600.000 Euro notwendig

Doch das „Gartenhäuschen“ für das „Spatzennest“ war von vornherein nur als Interimslösung gedacht, der Mietvertrag endet 2023. Deshalb besteht jetzt wieder Handlungsbedarf. Im Stadtrat stellten Robert Mayerhofer, Chef des Liegenschaftsamtes im Rathaus, Bürgermeister Michael Kölbl (SPD), Roy Tinter vom Hochbauamt und das Architekturbüro Schindler die Pläne für eine Erweiterung der Kita vor. Dafür wird die frühere Hausmeisterwohnung genutzt. Sie reicht räumlich nicht aus, deshalb ist auch noch ein Anbau geplant. Die Kosten: etwa 600.000 Euro.

Schwierige Voraussetzungen

Einstimmig befürwortete der Stadtrat die Planungen. Sie waren laut Mayerhofer technisch herausfordernd. Denn bei Kitabauten sind die gesetzlichen Bestimmungen zur Raumhöhe und zum Arbeitsschutz verpflichtend zu beachten, berichtete er. Trotzdem galt es den Spagat zu schaffen, eine pragmatische und kostengünstige Lösung zu finden, unterstrich Mayerhofer die schwierige Aufgabenstellung.

Bis ins kleinste Detail hat der Gesetzgeber festgelegt, wie eine Krippe auszusehen und welche Anforderungen sie zu erfüllen hat. Dazu gehört unter anderem die Forderung, eine Raumhöhe von mindestens 2,40 Metern zu erreichen, für einen ausreichenden Arbeitsschutz sogar 2,50 Meter. Dies kann laut Planer nicht erreicht werden, die realistisch umsetzbare Raumhöhe liege bei einem Umbau etwa bei 2,25 bis 2,30 Metern. Diese Abweichung sei jedoch grundsätzlich noch als tolerierbar bewertet worden. Jedes Kind muss laut bayerischem Finanzministerium eine Fläche von mindestens 5,9 Quadratmetern zur Verfügung haben. Das „Summenraumprogramm“ ist in der jetzigen Krippe, also in der Blockhütte, erfüllt, wäre bei einer Umnutzung der Hausmeisterwohnung knapp nicht erreicht worden, auch deshalb der Anbau. Mit ihm stehen jedem Kind 6,67 Quadratmeter Nutzfläche zur Verfügung, berichtete Architekt Schindler.

Die frühere Hausmeisterwohnung, die umgebaut wird, fordert ebenfalls: Sie ist rein erdgeschossig - mit Hochparterre. Keller und Dachraum sind nicht nutzbar, so der Architekt. Vor 20 Jahren wurde das Gebäude bereits teilsaniert, es gebe deshalb schon einen Vollwärmeschutz und Alufenster sowie Dämmungen. Großer Vorteil: Die Kita ist über einen Fernwärmeanschluss mit einer Biogasanlage eines Reitmehringer Landwirts verbunden.

Die Entwurfsplanung, die im Stadtrat die Zustimmung fand, sieht eine Nettonutzfläche von 114 Quadratmetern vor. Die umgebaute Wohnung erhält einen Garderobenraum, WC mit Wickelplatz und Badebecken, Kinderkabinen, einen Schlafraum mit 12 Einzelbetten, ein Gruppenzimmer mit integrierter Küchenzeile sowie einen Nebenraum. Der Anbau bekommt ein Satteldach. Drei Stahltreppen und eine Rampe sind notwendig, um das Gebäude barrierefrei und sicher (Brandschutz) zu erschließen, so eine weitere Besonderheit. Herausfordernd wird auch die Gestaltung der Außenanlagen, so Schindler. Das Gelände falle bis zu zwei Meter ab, zwei alte Linden seien zu erhalten. Hier müssten Geländemodellierungen stattfinden.

Die Kostenschätzung liegt laut Stadt bei 600.000 Euro. Eine hohe Investition, die darin begründet sei, dass eine Komplettentkernung des Gebäudes stattfinden müsse, so der Planer. 14 Gewerke seien im Spiel beim Um-und Anbau, massive Erdbewegungen notwendig. Die Stadt erwartet laut Mayerhofer jedoch eine öffentliche Förderung für die energetische Sanierung. Wie hoch sie ausfallen wird, steht noch nicht fest.

Barrierefrei und nachhaltig

Bürgermeister Michael Kölbl (SPD) charakterisierte den Planentwurf mit Um- sowie Anbau als „tolle Lösung“. Sie sei vor allem nachhaltig und ressourcenschonend, denn es werde ein Bestandsbau genutzt. Es entstehe ein Gesamtkomplex für die Kinderbetreuung in Reitmehring, barrierefrei und zukunftsfähig.

Josef Baumann (Freie Wähler Reitmehring-Wasserburg) sah trotzdem die Notwendigkeit, „den Bürgermeister zu ärgern“, denn es müsse erwähnt werden, dass aus seinen Reihen der Vorstoß gekommen sei, die Hausmeisterwohnung für die Krippe zu nutzen. „Ich bin froh, dass es gelungen ist, „das wird eine super Sache“, betonte er.

Gleich größer bauen?

Heike Maas (Fraktionsvorsitzende von CSU/Wasserburger Block) wollte ebenso wie Kindergartenreferentin Bettina Knopp (Grüne) wissen, ob es möglich sei, angesichts des hohen Bedarfs an Kita-Plätzen in Reitmehring gleich größer zu bauen. „Wenn wir eh einen Anbau machen müssen, warum nicht gleich noch größer bauen für mehr Kinder mit dem Blick nach vorne?“ fragte Maas. Ihr gehe es um die Flexibilität beim Planen. Kölbl und Schindler betonten jedoch, dass das Vorhaben dann in eine andere Dimension übergehe. Die Kosten könnten sich verdoppeln. Das sei durchgespielt worden, doch die Stadt bekomme dann schon fast einen Neubau. Mayerhofer erinnerte an die Aufgabenstellung: „Den Bedarf abdecken, einfach und pragmatisch im Bestand.“ Schindler betonte außerdem, bei einem noch größeren Bau seien die beiden alten Linden gefährdet.

Sollte nicht trotzdem die Hütte als weiterer Platz alternativ bleiben, fragte Norbert Buortesch, Fraktionsvorsitzender von Bürgerforum/Freie Wähler/ÖDP, an. Grundsätzlich geht die Stadt laut Kölbl davon aus, dass das gemietete Blockhäuschen ab 2023/2024 nicht mehr notwendig sein werde. Denn es entstehe eine Großtagespflege in der Altstadt, eine neue Kita am Burgstall (Adventgemeinde).

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