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Trotz Lockdown positiv

Anne Donath kämpft um „Pfeiffer am Rathaus“ in Wasserburg: „Ich will weitermachen“

Anne Donath Besitzerin von „Pfeiffer am Rathaus“ in Wasserburg
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Anne Donath führt seit Januar 2018 den kleinen Laden „Pfeiffer am Rathaus“ in der Wasserburger Altstadt.

Sie hat sich den außergewöhnlichen Dingen verschrieben. Solchen, die man nicht an jedem Eck und End findet, sondern vielmehr durch Stöbern entdeckt und sich verliebt: Anne Donath betreibt mit viel Herzblut ihren kleinen Laden „Pfeiffer am Rathaus“. Der Lockdown zwingt auch sie zum Stillstand - doch aufhalten lässt sie sich nicht.

Wasserburg am Inn - Anne hat sich mit ihrem kleinen Geschäft im Herzen der Wasserburger Altstadt einen Lebenstraum erfüllt. Im Januar 2018 hat sie das historische Geschäft „Pfeiffer am Rathaus“ vom Vorbesitzer übernommen und damit den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt. „Es heißt, selbständige Gewerbetreibende schaffen in den ersten drei Jahren die Rücklagen zum Leben. Mein drittes Jahr war das Corona-Jahr“, erzählt Anne mit gesenktem Kopf.

Gespräche mit ihren Nachbarn unter den Arkaden wie dem Inhaber des Schuhgeschäfts oder Manuela Rechenauer vom Bohnenröster lassen erkennen: Die Handelstreibenden sitzen alle in einem Boot. „Es ist schwierig zu planen, wenn keine Perspektive vorhanden ist, auf die man hinarbeiten kann. Wir überlegen natürlich in Richtung Osterfest: Was dekorieren wir oder welche Angebote gibt es für die Kundschaft? Lohnt sich das überhaupt? Dürfen wir dann auch wirklich öffnen?“, wirft Anne in den Raum. Gerade im Handel gebe es so viele Möglichkeiten, die Vorgaben für Hygiene und Abstand einzuhalten. „Keiner versteht, warum wir Einzelhändler am Ende der Öffnungsstrategie stehen.“

Die Doppelbelastung Ladenführen und Home Schooling sei für die dreifache Mama auf Dauer kräfteraubend: „Ich kann den Kindern nur beiseite stehen, weil wir uns gerade im Lockdown befinden und ich nicht den ganzen Tag im Laden verbringe. Die Eigeninitiative, die die Kinder beim Stoff lernen aufbringen müssen, ist enorm - viele können das vom Kultusministerium gesetzte Pensum unter den Bedingungen im digitalen Unterricht nur schwer erreichen.“

Ihre Kinder sind 19, 16 und 10. Gerade der Kleine sei „oft erschöpft“, und „überfordert“. Er besucht die 5. Klasse des Gymnasiums. Seine Mitschüler und Lehrer kennt er bis auf sechs Wochen Präsenzunterricht nur über den Bildschirm zuhause. Auch die Technik funktioniere nicht gescheit - das bemängelten bereits die Abschlussschüler der FOS/BOS Wasserburg, die mit einem digitalen Schülerstreik versuchten, auf ihre Situation aufmerksam zu machen. „Die reine Kommunikation über Video, Telefon oder per Chat stellt für die Schüler eine Herausforderung dar“, weiß Anne auch in Bezug auf ihre Tochter Ronja, die sich in der Abschlussklasse der Realschule befindet.

Doppelbelastung „Pfeiffer am Rathaus“ und Home Schooling

Vormittags ist sie unterstützend bei den Kindern im Home Schooling, danach bis zum Abend im Laden am Marienplatz. Denn auch Anne ist nach der Zwangsschließung am 16. Dezember auf den Zug des „Click & Collect“ aufgesprungen - hat es kurzum in „Call & Collect“ umgewandelt, weil sie keinen Online-Shop hat. Der Plan geht auf, regelmäßig klingelt das Telefon und Anne nimmt Bestellungen entgegen, die sie entweder ausliefert oder die Leute an der Ladentüre abholen können. So wie in diesem Moment, als eine Kundin klingelt und gleich besorgt fragt, wie es Anne im nicht enden wollenden Lockdown geht. Gleichzeitig verspricht sie, ihr unbedingt treu zu bleiben.

Das sind die Momente, die Anne ein Lächeln ins Gesicht zaubern. Sie weiß das Vertrauen ihrer Kunden sehr zu schätzen, erhält viel Zuspruch in den Zeiten der Krise. Trotz allem bleibt sie fröhlich: „Es ist schön zu sehen, dass wir im Gedächtnis bleiben. Das tut gut. Ich bin ein optimistischer Mensch, doch mir fällt es zunehmend schwer, positiv zu bleiben.“ Mit „Call & Collect“ kann sie zwar am Ball bleiben, allerdings sei das finanziell gesehen „nur ein Tropfen auf dem heißen Stein und der Aufwand steht in keinem Verhältnis“.

Bunt, nostalgisch und voller Raritäten, die es zu erkundigen gibt. Das zeichnet das Geschäft „Pfeiffer am Rathaus“ in Wasserburg aus.

Über Wasser halten kann sie sich aktuell nur dank finanzieller Unterstützung von Familie und Freunden. Reserven? Aufgebraucht. Staatliche Überbrückungshilfen lassen auf sich warten oder gar nicht erst beantragen, worüber sich Anne besonders ärgert: „Deutschland ist überbürokratisiert - für alles braucht‘s 25.000 Anträge.“

Anne bleibt optimistisch: „Der Zusammenhalt wird mehr - trotz Abstand“

Die 40-Jährige ist dennoch überzeugt: Die Leute wollen wieder herkommen, wünschen sich eine Beratung und wollen durchstöbern, sich inspirieren lassen. Darauf sei ihr Laden ausgerichtet - dass sich die Kunden hier finden können. „Pfeiffer am Rathaus“ sei kein klassisches Spielwarengeschäft, es gleiche eher einem „kleinen Abenteuer aus nostalgischen Raritäten“ für Jung und Alt. Deshalb auch der Slogan „Spielen, Schreiben, Erleben“.

„Ich will unbedingt weitermachen - für mich gibt es nichts anderes als dieses Geschäft. Ich möchte den Ort so erhalten, wie ich ihn erschaffen habe“, zeigt sich Anne kämpferisch. Durch Jammern ändere sich ja schließlich auch nichts an der Situation. So schlimm er für den Einzelhandel auch ist, für sie hat der Corona-Lockdown auch positive Seiten: „Ich habe mehr Zeit für meine Familie, Lagerfeuer-Abende mit Marshmallow grillen bekommen eine ganz neue Bedeutung. Ich habe das Gefühl, der Zusammenhalt wird mehr - trotz Abstand. Auch wenn ich natürlich auf den Moment hin fiebere, an dem wir wieder normal miteinander umgehen dürfen und uns umarmen können.“

mb

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