Wunsch der jungen Wasserburger und Nachtschwärmer

Samstag ohne Sperrstunde? Das sagen die Stadtrats-Fraktionen

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Die Sperrzeit für einen Tag in der Woche aussetzen? Die Fraktionen im Stadtrat haben dazu unterschiedliche Meinungen, wie ihre jeweiligen Sprecher erklären. 
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Wasserburg - Einen Tag pro Woche ohne Zeitlimit und Sperrstunde feiern dürfen - dieser Wunsch von jungen Wasserburgern zur Aufwertung des Nachtlebens könnte Wirklichkeit werden. Die Fraktionen im Stadtrat haben dazu verschiedene Meinungen. 

Emotional trugen die jungen Bürger ihre Anliegen in punkto Nachtleben und schließende Lokalitäten in der Bürgerfragestunde des Stadtrats Ende September vor: "Kann man die Sperrstunde nicht für einen Tag in der Woche - am besten samstags - aussetzen, damit es immerhin einmal möglich ist bis in die frühen Morgenstunden in Wasserburg zu feiern?" 

Prinzipiell schienen die Ratsmitglieder dieser Forderung nicht abgeneigt. Es hätten sich seit der Einführung der Sperrzeit deutliche Verbesserungen ergeben was Ruhestörungen und Vandalismus anbelange. Dies gehe allerdings zulasten des Nachtlebens - Wasserburg sei für die jungen Leute zum Furtgehen nicht mehr attraktiv. Dennoch verkomme die Innstadt nicht zu einer Rentnerstadt - wie Bürgermeister Michael Kölbl Anfang September im Gespräch mit wasserburg24.de betonte

Das Thema sei laut Kölbl bereits im Haupt- und Finanzausschuss diskutiert worden und werde, so schätzt der Bürgermeister, in der November- oder Dezember-Sitzung im Stadtrat auf der Tagesordnung stehen und behandelt werden. Die einzelnen Fraktionen im Stadtrat haben bereits jetzt unterschiedliche Ansichten zum Wunsch der Lockerung oder Aussetzung der Sperrstunde

Wolfgang Janeczka - Fraktionssprecher SPD: 

Wolfgang Janeczka ist der Meinung, dass ein "akzeptabler Kompromiss" gefunden werde. 

"Bislang wurde die teilweise Rücknahme beziehungsweise Aussetzung der Sperrzeitverlängerung noch nicht abschließend diskutiert. Es scheint aber denkbar, dass ein akzeptabler Kompromiss gefunden wird, der den Bedürfnissen der jungen Erwachsenen entgegenkommt und mit dem auch die Altstadtbewohner leben können." Ein entsprechender Beschluss hänge dann - wie bei allen Entscheidungen im Stadtrat - von der Stadtratsmehrheit ab. 

"Was dann noch fehlt sind Gastronomiebetriebe, die auch länger öffnen wollen und verantwortungsvoll mit einer Sperrzeitverkürzung umgehen und dabei die Bedürnisse der Altstadtbewohner nicht außer Acht lassen," mahnt Janeczka abschließend.  

Markus Bauer - Fraktionsvorsitzender CSU/Wasserburger Block: 

"Mehr Freizeit und Möglichkeiten für Jugendliche, aber auch keine neue Beeinträchtigung von Anwohnern." Das ist Markus Bauer bei der Diskussion um die Aussetzung der Sperrzeit wichtig. 

"Grundsätzlich stehen wir dem Ganzen positiv gegenüber. Es hat ja in den letzten Monaten weniger sogenannte 'Zwischenfälle' gegeben. Wir denken, es ist an der Zeit den Jugendlichen hier wieder etwas zurückzugeben und nach vernünftigen Lösungen zu suchen. Ob das ein langer Samstag oder eine andere Lösung ist möchten wir heute noch nicht festlegen. Wichtig ist, dass wir ein Miteinander erzielen, das heißt, mehr Freizeit und Möglichkeiten für Jugendliche, aber auch keine neue Beeinträchtigung von Anwohnern." 

Es liege aber auch an den Partygängern dafür zu sorgen, dass das "sehr berechtigte Feiern in der Jugendzeit auch in geordneten Bahnen" laufe, "daher bitten wir auch selber dafür zu sorgen Störenfriede zur Vernunft zu bringen. Dann können wir über alles reden", betont Bauer abschließend. 

Christian Stadler - Fraktionssprecher Bündnis 90/Die Grünen: 

"Die Sperrzeitregelung ist eine vorverurteilende Kollektivstrafe aller Gäste der Wasserburger Gastronomien", wettert Christian Stadler. 

"Wie schon mehrfach betont halten wir Grüne die aktuell gültige Sperrzeitenregelung für keine gute Lösung. Es gab zwar in der Vergangenheit unschöne Begleiterscheinungen des Wasserburger Nachtlebens, die in dieser Form nicht länger tolerierbar waren. Eine pauschale Sperrzeitenregelung halten wir jedoch für eine vorverurteilende Kollektivbestrafung aller Gäste der Wasserburger Gastronomie. Sie verkennt nicht nur, dass sich die Mehrheit der Gäste sehr wohl anständig und gegenüber den Anwohnern rücksichtsvoll benimmt, sondern wurde außerdem auch zu einem Zeitpunkt eingeführt, als sich die Situation nach der Schließung von zwei 'Problemgastronomien'" ohnehin sehr beruhigt hatte."

Der befürchtete Effekt, dass sich nach der Sperrstunde viele Gäste auf der Straße treffen und dort weiterfeiern, sei weitestgehend ausgeblieben. Der besorgniserregende Grund in den Augen Stadlers: Die Leute kämen offensichtlich erst gar nicht mehr nach Wasserburg. "In den meisten Lokalen und Kneipen ist eine gewisse Tristesse spürbar. Die Gründe hierfür mögen vielschichtig und nicht ausschließlich mit der Sperrzeitregelung zu erklären sein. Unzweifelhaft stellt die strikte Sperrstunde aber bei allen Bemühungen, dem Wasserburger Nachtleben neues Leben einzuhauchen, ein Hemmnis dar. Sämtlichen Versuchen, diese Regelung zu lockern, stehen wir positiv gegenüber." 

Dabei sei es den Grünen jedoch wichtig, nicht wieder von einem Extrem ins andere zu fallen und nächtlichen Ruhestörungen und Sachbeschädigungen ihren Lauf zu lassen. "Sollte es nach einer Lockerung der Sperrstundenregelung wieder vermehrt zu Sachbeschädigungen und Ruhestörungen kommen, steht eine Rückkehr zur aktuellen oder gar noch restiktiveren Regelungen zu befürchten", mahnt der Fraktionssprecher der Grünen. 

Sollte sich eine versuchsweise Lockerung der Sperrzeit an einem Wochenendtag bewähren, wäre für die Grünen laut dem Fraktionsvorsitzenden im Stadtrat "selbstverständlich das Ziel, die Sperrzeitregelung weiter zu lockern".

Lorenz Huber - Fraktionssprecher Bürgerforum/Freie Wähler: 

"Wenn wir die jungen Leute für unsere Stadt begeistern wollen, brauchen wir eine lebendige Altstadt - am Wochenende und auch nachts", betont Lorenz Huber. 

Viele junge und junggebliebene Wasserburger würden immer wieder mit dem dringenden Wunsch auf die Fraktionen zukommen, die Sperrzeitregelung wieder zu lockern. "In Wasserburg dodlts", heißt es laut Huber. "Das Nachtleben unserer Stadt ist für junge Leute nicht mehr attraktiv - vor allem, seit eines der wenigen Lokale zugemacht hat, das bis vor kurzem noch bis drei Uhr offen war. Auch die einzige Diskothek in Wasserburg, in der außerhalb ohne jemanden zu stören, gefeiert werden könne, fehlt nach wie vor schmerzlich. Die meisten wandern jetzt notgedrungen ab und fahren in die umliegenden Städte." 

Am Wochenende wolle man eben gern auch mal bis spät in der Nacht mit Freunden unterwegs sein - Ausgehgewohnheiten hätten sich geändert, betont Huber im Namen der Fraktion. Selbst wenn der ein oder andere Stadtrat kein Verständnis für lange Ausgehzeiten habe, so solle man liberal sein und Jüngeren ihre Freizeitgestaltung nicht vorschreiben. "Wir sind dafür, dass Wasserburg wieder ein attraktives Nachtleben bekommt. Dafür sollte man unbedingt die Sperrzeitregelung wieder lockern. Wir wollen junge Leute für unsere Stadt begeistern, dafür brauchen wir eine lebendige Altstadt - am Wochenende und auch nachts."

Voraussetzung für eine Sperrzeitverkürzung sei allerdings, dass die Nachtschwärmer dann auch Rücksicht auf die Anwohner nehmen müssten. Und auch die Wirte, falls es überhaupt welche gebe, die dann wieder solange aufmachen, sehe Huber in der Pflicht, wieder für Ruhe und Sauberkeit vor ihren Lokalen sorgen. 

Dennoch: Ruhestörungen und Sachbeschädigungen seien nie ganz zu vermeiden - ob um Mitternacht oder in den frühen Morgenstunden. "Für Sachbeschädigungen haben wir absolut kein Verständnis und null Toleranz", mahnt Huber. Aber wenn Leute feiern und auf dem Heimweg durch die Stadt ein großes Mitteilungsbedürfnis haben, werde es halt manchmal etwas lauter. Huber dazu: "Wir appellieren deshalb auch an die Altstadtbewohner, Verständnis zu zeigen und bitten darum,toleranter gegenüber den Nachtschwärmern zu werden. Man muss nicht gleich die Polizei wegen Ruhestörung alarmieren, man könnte auch vorübergehend nur mal das Fenster zumachen und sich freuen, dass andere sich freuen." 

"Ein anderes Ärgernis, das 'Wildbiesln' in der Stadt, passiert wohl eher dann, wenn die Lokale mit ihren Toiletten geschlossen sind. Bürgerforum und Freie Wähler haben schon vor dem Antrag der Linken, den wir abgeändert unterstützen werden, angeregt, dass sich die Fraktionen zum Thema Sperrzeitverkürzung zusammensetzen. Wir wollen einen möglichst breiten Konsens im Stadtrat für die Lockerung der Sperrzeit erreichen und hoffen, dass alle Fraktionen mitziehen", so Huber abschließend.  

mb

Quelle: wasserburg24.de

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