Forderung von jungen Wasserburgern 

Wird die Sperrstunde für einen Tag in der Woche ausgesetzt? 

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Gehen die Lichter in punkto Wasserburger Nachtleben wieder an? Eine Gruppe junger Bürger fordert die Aussetzung der Sperrstunde an einem Tag in der Woche. 
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Wasserburg - Erneut kam in einer Bürgerfragestunde im Stadtrat das heikle Thema Sperrstunde auf den Tisch. Etliche Wasserburger hatten am frühen Donnerstagabend eine ganz konkrete Forderung an den Bürgermeister: 

So voll war der Sitzungssaal im Rathaus lange nicht mehr bei einer Bürgerfragestunde: Zahlreiche junge Wasserburger und auch einige Vertreter der hiesigen Gastronomie waren gekommen. Seit die Sperrstunde vor rund zwei Jahren eingeführt wurde, gibt es wiederkehrende Diskussionen um Pro und Contra

Eine seit Jahren geschlossene Disco "Universum", keine "Nacht der blauen Wunder" mehr, die jüngste Hiobsbotschaft vom Aus der Bar im Stechl Keller - die jungen Bürger prangern in erster Linie an, dass Wasserburg aussterbe und zur "Rentnerstadt" verkomme

Bürgermeister: "Mir liegt daran, dass unsere Stadt lebendig bleibt" 

"Viele Gastätten schließen, das Nachtleben leidet - was sind dafür die Gründe und was gedenkt die Stadt dagegen zu tun?", lautete die Frage an den Rat um Bürgermeister Michael Kölbl. "Ich möchte vorweg betonen, dass mir viel daran liegt, dass unsere Stadt lebendig bleibt", erwiderte dieser. 

"Auch deshalb setze ich mich beispielsweise persönlich dafür ein, dass das Weinfest, das derzeit auf der Kippe steht in punkto Organisation, erhalten bleibt. Dass aktuell einige gastronomische Betriebe geschlossen haben, liegt an der unterschiedlichen Motivation der Wirte." 

Der Bürgermeister plane in Bälde das Gespräch mit den Gastronomen zu suchen und die Thematik anschließend in einer nichtöffentlichen Sitzung vorzuberaten. Eine Entscheidung könne er zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht vorweg nehmen. 

Wunsch nach mehr Verständnis von Seiten der Anwohner

Aller Argumente zutrotz richteten die jungen Wasserburger eine klare Forderung an das Stadtoberhaupt: Die Sperrstunde für einen Tag in der Woche, am besten die Nacht von Samstag auf Sonntag, auszusetzen - damit es immerhin einmal möglich ist bis 5 Uhr morgens feiern zu können.

Mery Zielke, die erst kürzlich die neue Cocktailbar "Mery Lou" in der Hofstatt eröffnet hat, betonte vor den Räten, dass es die Anwohner in der Altstadt mit ihren Beschwerden "wahnsinnig schwierig machen für Wirte und Gäste" und beschrieb folgende Situation: Vergangenen Samstag sei es ein bisserl lauter geworden vor ihrer Bar, fünf Besucher hätten sich beim Rauchen unterhalten. Da habe eine Dame, die in der Hofstatt wohnt, sofort die Polizei verständigt und sich wegen Ruhestörung beschwert. Ihr Argument sei laut Mery gewesen, sie wollen in Ruhe bei offenem Fenster schlafen

"Die Anwohner regen sich aber nicht nur um ein Uhr morgens über zu laute Besucher auf, sondern auch um drei und vier Uhr in der Früh - das hat nichts mit der Sperrstunde zu tun", mahnte die junge Wasserburgerin. 

Dabei seien ihre Gäste zunehmend empfindsamer geworden, würden sich gegenseitig daran erinnern, vor der Tür nicht zu laut zu sein. Mery wünscht sich mehr gegenseitiges Verständnis. "Man sollte schon bisserl abwägen, wann es wirklich realistisch ist, die Polizei wegen Ruhestörung einzuschalten", lautete der Appel der Bar-Besitzerin. 

Bis 22 Uhr dürfen die Gäste draußen sitzen 

Auch Leo Scheibitz, die schon in einigen Bars und Kneipen gearbeitet hat, unterstrich Mery Ausführungen und erklärte: "Gerade weil Wasserburg als Schulstandort gilt und viele Schüler und Studenten aus der Umgebung kommen, ist es sehr schade, dass es für die jungen Leute hier keine Möglichkeiten zum Feiern gibt. Es spricht sich schnell herum, dass sich das Weggehen wegen der Sperrstunde hier nicht rentiert, wershalb werden andere Städte vorgezogen werden. Es wäre schön, wenn wir den Neuankömmlingen vermitteln könnten, dass sie wenigstens an einem Tag in der Woche lange ausgehen können." 

Die anwesenden Wirte, darunter einer der Brüder Bajric, Besitzer des Restaurants "El Paso", und Alessandra Fussaro von der Trattoria "La Famiglia" in der Ledererzeile, sprachen sich zudem für eine Lockerung aus, was das Draußensitzen im Sommer in Innenhöfen der Altstadt anbelangt. Um 22 Uhr sei Schluss, dabei würden viele doch erst um 21 Uhr essen gehen. Besonders im Greinbräu sei es ein Problem, wenn die Leute abends noch nach 22 Uhr sich unterhalten würden, betonte Alessandra bezugnehmend auf das Restaurant ihres Bruders "Taverana Italiana". 

Reaktionen der Stadträte: 

Zweiter Bürgermeister Werner Gartner (SPD) könnte sich auf einen Kompromiss einigen und in die Richtung gehen, die Sperrstunde wie in Rosenheim auf eine Stunde nach hinten zu verlegen, damit die jungen Leute bis vier Uhr morgens feiern könnten. 

Sophia Jokisch von den Linken traf den Tenor der Mehrheit: "Ich glaube, dass der erzieherische Effekt durch die Sperrzeit angekommen ist. Nur leider hat darunter das Nachtleben gelitten. Für die Jungen ist es schwierig, Möglichkeiten zum furtgehen zu finden, da andere Städte attraktiver geworden sind."

Irene Langer (SPD) in ihrer Funktion als Jugendreferentin, gab zu bedenken, dass die Situation vor der Sperrstunde "katastrophal" gewesen sei. "Fäkalien und Glasscherben vor den Häusern, Ruhestörungen, Lärm und Vandalismus - solche Szenarien gehörten seit der Neuregelung der Vergangenheit an. Ich sehe selbst, dass Wasserburg nicht mehr attraktiv ist zum weggehen, aber wenn es wieder ausarten sollte, dann ist die Sperrstunde sofort wieder präsent." 

Zustimmung bekam Langer von Edith Stürmlinger (Bürgerforum), die jedoch gleichzeitig mahnte, man solle nicht päpstlicher sein als der Papst: "Ich glaube nicht, dass es viel ändert, ob der Wirt um drei oder um vier Uhr zusperrt. Die jungen Leute stehen so oder so gesammelt auf der Straße, wenn Schluss ist." Da sei eben ein wenig lauter vor den Bars und Kneipen. 

Wolfgang Janeczka (SPD) war der Meinung, es sei wohl kein Aufwand, zurückzurudern: "Ich glaube, alle Seiten haben ein bisserl Recht - was ich aber eher problematisch sehe, ist Wirte zu finden, die überhaupt bis vier Uhr morgens in Wasserburg noch aufmachen." 

Markus Bauer (CSU) sah eine gewisse Gesprächsbereitschaft, die in seinen Augen wichtig sei: "Das Miteinander ist ausschlaggebend. Wenn wir daran arbeiten, die Hemmschwelle etwas höher zu legen, was den Griff zum Telefonhörer von so manchem Anwohner angeht, sind wir auf einem guten Weg." 

Christian Stadler von der Grünen Stadtratsfraktion betonte, es sei auch schon vor Einführung der Sperrstunde deutlich ruhiger gewesen und die Einführung der Sperrstunde deshalb zu einem denkbar schlechten Zeitpunkt erfolgt: "Wir Grünen waren von Anfang an gegen die Sperrzeit und sind auch als erstes dafür, sie wieder abzuschaffen." 

Und was sagen die jungen Wasserburger zu der Diskussion in der Bürgerfragestunde? "Das Ganze klang zumindest nicht nur negativ. Warten wir's ab ...". 

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mb

Quelle: wasserburg24.de

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