Anschaffungskosten für neue Drehleiter der Feuerwehr 

Wasserburger Stadtrat einig: Menschenleben geht vor Finanzen 

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Die Feuerwehr Wasserburg am Inn bekommt eine neue Drehleiter. 
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Wasserburg - Die angespannte Haushaltslage in der Innstadt wirf ihre Schatten voraus. Die Stadt debattierte über die Finanzierung einer vorgezogenen Ersatzbeschaffung einer Drehleiter für die Feuerwehr.

In der jüngsten Sitzung des Stadtrats informierte der Rosenheimer Kreisbrandrat Richard Schrank die Räte über die Notwendigkeit der vorgezogenen Ersatzbeschaffung einer Drehleiter für die Wasserburger Feuerwehr im Jahr 2020.

Dem voraus ging ein Sachstandsbericht von Stadtkämmerer Konrad Doser. Die Investition solle demnach in zwei Jahren gemeinsam mit der Gemeinde Rott am Inn angegangen werden. "Unterm Strich wird uns die neue Leiter nicht viel mehr kosten als die alte", stellte der Kämmerer fest und betonte: "Aktuell gilt bei uns wegen der Haushaltssperre der Grundsatz der Sparsamkeit und Wirtschaftlichkeit, doch die Aufgabenerfüllung der Feuerwehr darf nicht außen vor gelassen werden." 

Sinzinger: "Es geht um Menschenleben"

Die Kosten für eine neue Leiter belaufen sich auf insgesamt 670.000 Euro. Nach Abzügen von Zuschüssen von Freistaat und Landkreis Rosenheim bliebe ein Kostenanteil in Höhe von 287.500 Euro für die Stadt Wasserburg übrig

"Angesichts der aktuell angespannten Haushaltslage kein leichter Brocken, den wir stemmen müssten", konstatierte Bürgermeister Michael Kölbl nüchtern. Er tendierte zu Beginn der Diskussion für eine Ablehnung der Investition

"Vor zwei Jahren hätte ich noch gesagt, wir können das ohne Probleme beschaffen, aber ich kenne noch nicht alle Inhalte des Haushaltsplan 2019/2020. Wenn wir uns für die verfrühte Drehleiteranschaffung entscheiden, dann muss etwas anderes zurückgestellt werden - wie zum Beispiel Mittel für den Bau des neuen Feuerwehrhauses." 

Armin Sinzinger als neu ernannter Feuerwehr-Referent der Stadt sprach sich deutlich dafür aus, die Investition nicht auf fünf weitere Jahre nach hinten zu schieben. In Bezug auf die Haushaltslage seien die Zweifel durchaus verständlich, aber man sollte auch die Wartungskosten, die die alte Leiter mit sich bringe, im Blick haben

"Die alte Leiter hat nach 19 Jahren 24.000 Kilometer auf dem Buckel und langsam ausgedient. Wir dürfen uns keine weiteren Mängel erlauben, weswegen ich mich für eine zeitnahe Beschaffung ausspreche. Wir brauchen einen gewissen Sicherheitsstandard und es geht schließlich um Menschenleben. Unsicherheiten bei der Rettung möchte ich nicht verantworten müssen."

Überlastung des alten Geräts bei über 90 Kilogramm

Zusammen mit Kreisbrandrat Schrank warf Sinzinger die Frage in den Raum, ob eine Verschiebung der Investition unterm Strich nicht teurer käme? "Bei einer Beschaffung im Jahr 2020 würden wir 150.000 Euro sparen", betonte Sinzinger.  

Schrank verwies zudem darauf, dass eine moderne technische Ausstattung wie beispielsweise eine Drehleiter, die sich beliebig kippen lasse, deutliche Vorteile für die Wehrler im Einsatz mit sich bringe und Wasserburgs Feuerwehrkommandant Georg Schmaderer ergänzte: "Hier in der Altstadt gibt es viele enge Gassen und hohe Häuser mit mehr als drei Stockwerken. In Bezug auf die Tragkraft haben wir bei einer Personenrettung über 90 Kilogramm mitunter ein Problem, was die Sicherheit anbelangt. Es kann uns passieren, dass das alte Gerät bei akuter Überlastung abschaltet." 

In solch einem Fall müsse man ein entsprechendes Fahrzeug aus der Umgebung anfordern oder mit dem Rettungsdienst über alternative Wege wie das Treppenhaus gehen - was aber aufgrund der Enge in der Altstadt oft nicht möglich sei. Es sei laut Schmaderer "für die Retter kein gutes Gefühl, weitere Zeit bei einem Einsatz verstreichen zu lassen, weil man auf unterstützende Einsatzfahrzeuge warten muss". 

Beschluss fast einstimmig

Bürgermeister Michael Kölbl, der wegen des Verweises auf die Haushaltslage zu Beginn nicht zustimmen wollte, ruderte nach den Ausführungen der beiden Feuerwehrler zurück und traf damit den Tenor im Rat: "Mir war zwar das 90-Kilo-Argument bis dato kein Begriff, aber ich empfinde es für die Stadt sicherheitsrelevant und wichtig, dass die Rettungskette reibungslos funktioniert. Ein Menschenleben muss uns diese Entscheidung wert sein." 

Dem Rat müsse aber auch bewusst sein, so heißt es weiter im Beschluss, dass aufgrund dieser Investition andere im Haushaltsplan 2019/2020 hinterlegte Maßnahmen - welche seien noch nicht bekannt - werden müssten. Lediglich der dritte Bürgermeister Otto Zwiefelhofer (CSU) stimmte am Ende gegen die vorgezogene Beschaffung des Fahrzeugs.

mb

Quelle: wasserburg24.de

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