Erörterungstermin in Reitmehring/Staudham

Bahnübergang B304: Gibt es eine verträgliche Lösung für alle? 

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So überschaubar wie auf diesem Bild ist der Bahnübergang in Reitmehring selten. Rund 16.000 Fahrzeuge durchqueren den Wasserburger Ortsteil täglich. Abhilfe schaffen soll die Beseitigung des Bahnübergangs B304.  
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Wasserburg/Staudham - Täglich passieren rund 16.000 Autos und Lkw den Bahnübergang des kleinen Ortsteil Reitmehring auf der B304. Dass die Situation für Anwohner und Autofahrer seit Jahren untragbar ist und es einer Lösung bedarf steht außer Frage. Der erste Tag des Erörterungstermins am 17. Januar in Staudham war gezeichnet von kontroversen Diskussionen um Beschwerden, Bitten und emotionalen Forderungen. 

Schwere Unfälle, Lärmbelastung, lange Staus und Wartezeiten am Bahnübergang - Die Vertreter des Staatlichen Bauamts Rosenheim wissen, wohin die Reise geht: "Das Planungsziel muss die Beseitigung des Bahnübergangs B304 in Reitmehring sein", lautete die klare Forderung des Staatlichen Bauamts, das im Planfeststellungsverfahren als ausführende Behörde agiert und die Planungen durchführt. Das letzte Wort in dem Verfahren hat die Regierung von Oberbayern als zuständige Genehmigungsbehörde. Doch eine Entscheidung ist noch lange nicht in Sicht

Neubau oder wesentliche Änderung? 

Am Mittwochvormittag des 17. Januars startete der Erörterungstermin in Staudham mit derAnhörung von Einwendungen und Stellungnahmen von öffentlichen Behörden sowie Vertretern der Stadt Wasserburg. Letztere um Bürgermeister Michael Kölbl machten ihren Standpunkt gleich zu Beginn deutlich: "Der Stadt Wasserburg ist es seit Jahren ein Anliegen, den Bahnübergang zu beseitigen. Wir sehen dadurch eine Verbesserung der Lebensqualität und der Verkehrssicherheit. Der aktuelle Stand bedeutet eine Zensur des Ortsteils Reitmehring." Die vordergründigen Ziele und Forderungen von Seiten der Stadt

  • Verbesserung der Lebensqualität der Reitmehringer
  • Beachtung der Barrierefreiheit/Wegeplanung bei ausführender Planung
  • Lärmschutz für Anwohner, Beachtung der Emissionswerte 
  • möglichst geringer Flächenverbrauch
  • Gewährleistung der Sicherheit von Schulkindern, Radfahrern und Fußgängern währen der Baumaßnahme
  • Überprüfung der geplanten Entwässerung in Bezug auf punktuelle Starkregenereignisse und Überschwemmungsgefahr
  • Abstimmung des Flächenausgleichs für das Gebiet der bedrohten Vogelart Kiebitz in Bezug auf die geplante Gewerbeerweiterung im Staudhamer Feld 
  • Gewährleistung des ungehinderten Ausrückens der Freiwilligen Feuerwehr Attl-Reitmehring zu Einsätzen
  • möglichst rasche Umsetzung der Maßnahme
Die Vertreter der Stadt sehen die Umgestaltung der B304 als Neutrasse an. Diese Sichtweise könne das Staatlichen Bauamt allerdings nicht teilen. "Es handelt sich bei den Planungen um eine wesentliche Änderung, nicht um einen Neubau", entgegneten die Vertreter einstimmig. Auch die Vertreter der Regierung von Oberbayern, die letztlich entscheiden muss, sind der Auffassung, dass es sich bei der geplanten Baumaßnahme nicht um einen Neubau handle. 

Baupausen für bedrohte Vogelarten 

Als nächstes wurden Vertreter das Wasserwirtschafts- und Landratsamts gehört. "In Bezug auf das Starkregenereignis sehen wir keine größeren Probleme", erklärte der Vertreter des Wasserwirtschaftsamts. "Die Entwässerung sei nach den üblichen Regeln und Vorgaben der Technik berechnet und geplant worden." Hundertprozentige Sicherheit aber gebe es nicht

Der Erörterungstermin, an dem sich die Regierung von Oberbayern Einwände und Forderungen anhört, wird am 18. Januar in Staudham fortgeführt. 

Ein paar mehr Einwände hatte die Vertreterin des Rosenheimer Landratsamts vorzutragen. Die vom Aussterben bedrohte Feldlerche und die Kiebitzarten im Alpenvorland lägen ihr besonders am Herzen. Auch in Hinsicht auf die geplante Erweiterung des Gewerbegebiets in Staudham, das ebenfalls einen Kiebitzausgleich vorsieht, benötige man rund 1,5 Hektar Ausgleichsfläche für den kleinen Vogel. Des Weiteren solle während der Brutzeit von März bis Juli ein Baustopp herrschen: "In der Zeit wimmelt es nur so von kleinen Küken, die lauten Arbeiten könnten den Bestand der Kiebitze extrem gefährden." 

Zudem stelle die Baumaßnahme nach Ansicht des Landratsamts einen erheblichen Eingriff ins Landschaftsbild dar. "Vor Beginn der Arbeiten schlage ich einen Ortstermin mit der Unteren Naturschutzbehörde vor, um die Notwendigkeit von Gehölzrodungen und den Eingriff in die Landschaft zu hinterfragen sowie den Straßenausbau allgemein zu verschmälern und soweit wie möglich zu reduzieren." 

Auch wenn offene Fragen in Bezug auf Naturschutzthemen noch abzuarbeiten seien, eine Berücksichtigung von Umwelt- und Artenschutz seien Standard in den Planungen und Vorgaben, wie das Staatliche Bauamt betonte. 

Existenzgefährdung für Landwirte? 

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Mit der Debatte um die notwendigen Ausgleichsflächen für Vogelarten rückte sogleich der nächste Kritikpunkt in den Fokus: Ein Vertreter des Amts für Landwirtschaft und Forsten prangerte an, dass fragliche Grünflächen künftig nicht mehr regulär landwirtschaftlich genutzt werden könnten und nurmehr für Pflegemaßnahmen und Mäharbeiten ihr Dasein tristen würden. Obwohl die Vertreter des Staatlichen Bauamts betonten, man werde eine Pflegevereinbarung mit den Landwirten eingehen, warf der Vertreter des Amts für Landwirtschaft und Forsten den Fall der Existenzgefährung in den Raum, da die Landwirte ihre Flächen verlieren würden. 

Die Regierung von Oberbayern versicherte, man werde agrikulturelle Belange berücksichtigen und das Gespräch mit Betroffenen suchen.

Der Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr Attl-Reitmehring bat um eine Notwegelösung für die Einsatzkräfte, sobald die Sirene aufheult. Die Baumaßnahme betreffe schließlich auch die Aktiven der Wehr, man wolle weiter ungehindert zu Einsätzen gelangen können. 

"Alles andere werden wir boykottieren!" 

Lange Staus und Wartezeiten am Bahnübergang müssen eingeplant werden, wenn man durch Reitmehring fährt. 

Der Ortsverband des Bund Naturschutzes Wasserburg sieht die geplante Maßnahme als "völlig neue Straße mit einem viel zu hohen Damm, die eine enorme Auswirkungen auf das Landschaftsbild, die geschützten Tierarten und Bäume" habe. Die Vertreter verlangten eine Umweltverträglichkeitsprüfung, bevor überhaupt Maßnahmen ergriffen werden. 

"Wir müssen unseren Flächenverbrauch allgemein senken. Es gilt die Devise: Vermeidung eines Eingriffs vor Ausgleich", klagten die Vertreter an und forderten, die Überlegungen wieder in Richtung Tunnellösung zu leiten. Das sei in Traunstein und Ruhpolding schließlich auch realisiert worden. Den Damm könne man laut dem Staatlichen Bauamt Rosenheim nicht verkürzen: "Wir müssen uns an Richtlinien und Grenzwerte halten. Steiler kann der Damm nicht gebaut werden, weil sonst die Verkehrssicherheit beeinträchtigt wird", so die Begründung auch in Hinblick auf die zukünftig mögliche Elektrifizierung der Stammstrecke Ebersberg-Wasserburg

Der Bund Naturschutz bezog trotz aller Widerworte und Erklärungen klar Stellung. "Wir wollen eine gemeinsame Lösung, mit der alle leben und sich wohlfühlen können - alles andere werden wir boykottieren", lautete die abschließende Kampfansage des Ortsverbands. 

Die Vertreter der Regierung von Oberbayern versprachen am Ende der Diskussionen: "Bevor nicht alle offenen Fragen beantwortet sind, wird es in dem Planfeststellungsverfahren keine Entscheidung geben." Der Erörterungstermin wird am Donnerstag, 18. Januar, ab 10 Uhr mit der Anhörung nicht anwaltlich vertretener Einwänder fortgeführt. 

Der Erörterungstermin zur Beseitigung des Bahnübergangs B304 Reitmehring richtet sich allgemein nicht an die Öffentlichkeit sondern nur an am Verfahren Beteiligte. Bitte haben Sie Verständnis, dass wir über Einwände und Belange von Privatpersonen wie beispielsweise Anwohnern nicht detailliert berichten. 

mb

Quelle: wasserburg24.de

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