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Ein Märtyrer mit unsicherer Historie

Wasserburg: Der geschichtliche Hintergrund des Heiligen Emanuel lässt viele Fragen offen

Das Original-Altarbild in der Max-Emanuel-Kapelle in Wasserburg zeigt den Märtyrer Emanuel. Als Künstler wird Franz Mareis vermutet.
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Das Original-Altarbild in der Max-Emanuel-Kapelle in Wasserburg zeigt den Märtyrer Emanuel. Als Künstler wird Franz Mareis vermutet.

Als Bürgermeister Alfons Winter (1920-1935) während seiner Amtszeit in Wasserburg ein Altargemälde ankaufte, das den Märtyrer Emanuel darstellt, war die Zuordnung zur Wasserburger Max-Emanuel-Gedächtniskapelle keineswegs gesichert, zumal es zu einem Heiligen Emanuel kaum sichere Daten, geschweige denn Altäre oder Kirchen, gibt.

Von Ferdinand Steffan

Wasserburg – Ein rückseitig am Gemälde angebrachter Zettel ist mittlerweile beschädigt und verhindert genaue Angaben zum Erwerb.

Die „Rechnung über alle Einnahmen und Ausgaben zum Bau der würdigen St. Emanuel-Kapelle am Gries, verfaßt und abgelegt vom Unterzeichneten [= Stadtzimmermeister Obermüller als Stifter und Erbauer der Kapelle] den 31. August 1722“ vermerkt auf dem ‚Handwerkskonto‘: „Die Maler Mareis, Höller und Hintermayr erhielten 37 Gulden.“

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Ein namentlich nicht genannter Bildhauer wurde mit sechs Gulden entlohnt.

Die Suche nach der Entstehung

Da Obermüller in einem Schreiben vom Dezember 1718 darauf hingewiesen hatte, dass die Kapelle „nunmehr in einen solchen Standt khommen, daß …schon den 20. 9bris (=November) abhin …das heyl(ige) Messopfer mit sonderbarer Auferpeulichkheit celebriert worden“ sei, dürfte der Altar samt Gemälde zu diesem Zeitpunkt fertiggestellt gewesen sein. Am 4. Januar 1719 vermerkt Obermüller, dass man 20 Gulden für den Maler des Altarblattes ausgegeben habe.

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Da der Maler Sebastian Hintermayr schon am 20. Juni 1717 verstorben war, kommen eigentlich nur Franz Mareis (BA 1698-1743) oder Johann Martin Höller/Heller (BA 1702-1733) „vor Mallung des Altar Blaths“ in Frage. Natürlich könnte auch einer der Maler mit dem Tünchen des Bauwerks, der andere mit dem Altarbild beauftragt worden war. Das Fehlen entsprechender Bilder von Höller erschwert eine sichere Zuschreibung, sodass eher davon auszugehen ist, dass Mareis als Künstler des noch vorhandenen Gemäldes in Frage kommt.

1988 waren zwar „Zeichnungen aus kirchlichen Bauten im Hauptstaatsarchiv“ veröffentlicht worden, darunter eine von der Max-Emanuel-Kapelle, aber die Wiedergabe des Altarblattes in Schwarzweiß und Briefmarkengröße ließen keine Details erkennen. Nun liegt eine große Farbkopie vor, sodass ein leichter Vergleich möglich ist.

Die Fantasie des Künstlers

Das angekaufte Originalbild zeigt den Märtyrer Emanuel, der mit einem Palmzweig in der Hand auf einer Wolke kniet, während die Krone des Lebens über ihm schwebt. Die Szene zu seinen Füßen nimmt vermutlich auf sein Martyrium Bezug. Die als Eisschollen zu deutende Flächen im Wasser könnten auf einen Tod durch Erfrieren hinweisen.

Auf der farbigen Variante sind nun manche Details besser zu erkennen. Ganz stimmt das Bild jedoch nicht mit dem Original überein. Vermutlich war es ein Entwurf.

Da es zu einem Märtyrer Emanuel wenige gesicherte Informationen gibt, könnte der Künstler hier der Fantasie freien Lauf gelassen haben und den römischen Kaiser mit einem Turban ausgestattet haben.

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Emanuel, dessen Fest am 26. März begangen wird, soll zwischen 284 und 305 nach Christus unter Kaiser Diokletian in Anatolien den Tod gefunden haben. Dazu gibt es aber auch andere Schriften. Manchmal werden Emanuel und seine Gefährten mit einem Teil der sogenannten Thebäischen Legion in Zusammenhang gebracht, die unter Kaiser Maximinianus von Ägypten aus nach Gallien zur Verfolgung von Christen entsandt worden war und deren anderer Teil in Anatolien hingerichtet wurde. Da dazu kaum Namen bekannt sind und auch die Historizität des Martyriums einer ganzen Legion am Ende des dritten Jahrhunderts selbst angezweifelt wird, bleibt offen, auf welchen Heiligen der Kapellenstifter und der Künstler zurückgegriffen haben.

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In vielen Details stimmt die kolorierte Zeichnung mit dem ausgeführten Gemälde überein, nur statt der Reitergruppe ist eine weitere Marterszene im Vordergrund dargestellt und die großen Engel, die den Heiligen Emanuel emportragen, sind reduziert.

Damit dürfte es sich um den Entwurf für das Altarblatt handeln, der bei der Ausführung zwar ein wenig abgeändert wurde, aber die Zugehörigkeit zu der 1786 durch Hochwasser beschädigten und abgerissenen Kapelle bestätigt. Die Genauigkeit des Entwurfs lässt den Schluss zu, dass nicht der Stadtzimmermeister als Bittsteller, sondern der Maler, also wohl Franz Mareis, die Zeichnung anfertigte.

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