Kampf um bessere ÖPNV-Verbindung im Raum Wasserburg 

"Zu Rosenheim-lastig": Bleibt der nördliche Landkreis auf der Strecke? 

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Zu wenig Gehör gibt es für den Busverkehr im Raum Wasserburg - finden die Mitglieder des Haupt- und Finanzausschusses.
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Wasserburg - Die Verbesserung des öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) ist der Stadt seit Jahren ein Anliegen. Was in erster Linie vielen ein Dorn im Auge ist: Der Norden des Rosenheimer Landkreises wird in den Planungen augenscheinlich vernachlässigt.  

Die letzte ausführliche Diskussion um eine mögliche Optimierung und Erweiterung des Stadtbusses war in der Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses im Juli 2017. Die Regierung von Oberbayern werde die Neuvergaben und mögliche Verbesserungen jedoch erst im Jahr 2022 vergeben. 

Nun haben sich die Mitglieder in ihrer jüngsten Sitzung am 24. Januar 2019 erneut der Debatte angenommen, nachdem bereits im Rahmen des vor Kurzem verabschiedeten ISEK-Konzepts über Verbesserungen gesprochen wurde und außerdem ein städtischer Beschluss für die kommenden Beratungen zum Nahverkehrsplan im Rosenheimer Landratsamt vonnöten sei. 

Verstärkerbusse vergleichbar mit "Viehtransporter"? 

Die SPD-Fraktion hat damals die Einführung eines zweiten Stadtbusses beantragt und zielte damit insbesondere auf die Anpassung an einen Halbstundentak ab. Der zweite Bürgermeister Werner Gartner (SPD) erklärte jetzt in der Sitzung am Donnerstag, dass obwohl das Thema Verkehr im ISEK-Konzept enttäuschend und mit wenig Lösungsansätzen einhergegangen sei, die ÖPNV-Verbindung in die Nachbargemeinden Edling, Eiselfing und Babensham deutlich verbesserungswürdig sei. 

Darüber waren sich die Mitglieder einig - ebenso wie über die Tatsache, dass eine gute Anbindung an die Züge am Reitmehringer Bahnhof essentiell sei. Gartner dazu: "Wir haben leider nicht die Nähe zur Bahn oder kurze Wege wie sie im Inntal vorhanden sind." 

Gerade letzteres liege auch Christian Stadler (Die Grünen) am Herzen: "Die Anbindung an die Züge sollte eine Selbstverständlichkeit sein. Die aktuell verkehrenden Verstärkerbusse - mit denen hatte ich selbst erst vor Kurzem das Vergnügen - halte ich für ungenügend. Ich formuliere es mal so: Würde man die als Viehtransporter einsetzen, schreitet sofort das Veterinäramt ein.

20-Minuten-Takt besser als Halbstundentakt? 

Stadler ist Mitglied im Lenkungskreis zum Nahverkehrsplan und sieht die Inhalte als "sehr Rosenheim-lastig" an: "Von 35 Mitgliedern bin ich der einzige aus dem nördlichen Landkreis. Die Debatten über Rosenheim Stadt sind sehr dominant, man hat das Gefühl, dass davon ausgegangen wird, der Norden des Landkreises hätte gar nicht so viel Bedarf an einer ÖPNV-Verbesserung. Dabei ist es umso wichtiger das große Ganze im Blick zu haben." 

Markus Bauer (CSU) ärgert es, dass das Motto "Wer zahlt, schafft an", ausgerechnet hier nicht zutreffe: "Wir haben zu wenig Mitspracherecht dafür dass wir als Stadt die ÖPNV-Verbesserungen mitfinanzieren. Der nördliche Teil, in dem wir uns befinden, hat allgemein viel zu wenig Gewicht im gesamten Rosenheimer Landkreis."

Zustimmung bekam Bauer von SPD-Kollege Wolfgang Janeczka: "Da stimmt doch was nicht, wenn wir selbst zahlen und erst fünf Jahre später etwas passiert, worüber wir gar kein Mitspracherecht haben." Was Janeczka zudem als problematisch ansehe: Wenn der Halbstundentakt sich gegenüber dem 20-Minuten-Takt durchsetze, denn "eine Stunde warten ist ein Unding". 

Auch Edith Stürmlinger (Bürgerforum) sieht die Halbstundenregelung kritisch: "Von dieser Idee müssen wir uns meiner Meinung nach verabschieden, weil es sonst mit der Zuganbindung problematisch wird." Wichtig seien ihr aber auch die innerstädtischen Verbindungen in der Innstadt: "Vom Schwesternheim bis zum Bahnhof beispielsweise ist es weit", mahnte Stürmlinger. 

Zielsetzung: Weiter um Verbesserungen kämpfen 

Bürgermeister Michael Kölbl sah die Anbindung an die Züge als vernünftigen Vorschlag an und betonte, das werde man in den Beschlussvorschlag mitaufnehmen, der wie folgt lautete: "Die grundsätzliche Zielsetzung des Beschlusses vom Juli 2017 (Taktverdichtung Stadtbus und Anbindung der Umlandgemeinden) wird weiterverfolgt. Aufgrund der Zuständigkeit des Landkreises Rosenheim gemäß dem Gesetz über den ÖPNV in Bayern bringt sich die Stadt Wasserburg entsprechend in die weitere Nahverkehrsplanung ein und strebt eine taktverdichtende Neuausschreibung des Stadtbusses durch den Landkreis an." 

Der Beschluss wurde einstimmig vom Gremium des Haupt- und Finanzausschusses verabschiedet. 

Die weiteren Schritte: 

Die Rosenheimer Verkehrsgesellschaft (RoVG) arbeite aktuell an einem Nahverkehrsplan für den gesamten Landkreis, dessen Konzept die Ausgestaltung des Linienbusverkehrs in den kommenden Jahren definiere. 

Das Verkehrsplanungsbüro "plan:mobil" erarbeite derzeit konkrete Prüfungsaufträge für alle Wasserburg tangierende Buslinien und damit auch die Anbindung an die Nachbarkommunen. Die für die einzelnen Linien vorgeschlagenen Planungsansätze werden am 30. Januar 2019 im Landratsamt vorgestellt und mit allen Kommunen diskutiert. Im Anschluss daran findet ein Folgetermin mit Vertretern der Stadt Wasserburg, "plan:mobil" und der RoVG statt. `

Ihre Meinung zur Debatte:

mb 

Quelle: wasserburg24.de

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