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Ab 27. März an den Wochenenden nur mehr für Anlieger

„In Ordnung“ oder „eine Frechheit“? So denken die Wasserburger über die Hofstatt-Sperrung

Hans Heinerich Glaserei Salzsenderzeile über Hofstatt-Sperrung Verkehr
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Hans Heinerich gehört die gleichnamige Glaserei in der Salzsenderzeile. Als Anwohner tangiert ihn die neue Regelung in der Hofstatt an den Wochenenden nicht.

In einigen Straßen im Kern der Altstadt gibt bald eine neue Regelung für Auto- und Kraftfahrzeuge. An Samstagen und Sonntagen wird jeweils ab 10 Uhr die Einfahrt in die Hofstatt nur mehr Anliegern gestattet sein. So soll Fußgängern mehr Platz zum Flanieren und Verweilen bleiben. Wir haben uns erkundigt, wie die neue Regelung bei Geschäftstreibenden, Anwohnern und Bürgern ankommt.

Wasserburg am Inn - Einstimmig und fraktionsübergreifend fasste der Stadtrat diesen Entschluss in der Sitzung am 29. Oktober 2020. Gültig ist diese neue Verkehrsregelung für die Wochenenden ab Samstag, 27. März. Die Stadt Wasserburg informiert auf ihrer Website im Detail über diese Neuerung, die zur Belebung des Altstadt-Kerns durch mehr Publikums- und weniger Kraftfahrzeugverkehr führen soll.

Bürgermeister Michael Kölbl erklärte bei der am Montagvormittag coronabedingten kleinen „Eröffnungsfeier“ und Einweihung der neuen Verkehrsschilder am „Roten Turm“, er sei „sehr froh über diesen Kompromiss“. Das Thema Verkehrsberuhigung in der Hofstatt habe eine lange Vorgeschichte und sei unzählige Male durchdiskutierte worden. Er hofft, dass diese Lösung gerade auch in Corona-Zeiten „Anklang in der Bevölkerung findet und auf breite Zustimmung stößt“.

Für Bürgermeister Michel Kölbl ist die Anlieger-Lösung in der Hofstatt ein „guter Kompromiss“.

„Unmöglich ist das“

Sonja Mondelli vom Gemüse- und Obststand in der Hofstatt empfindet die Sperrung der Hofstatt ab 10 Uhr in Bezug auf die aktuelle Corona-Pandemie als „Frechheit, in diesen Zeiten den Geschäften noch mehr Steine in den Weg zu legen“. Dabei gehe es ihr nicht um sie persönlich, sondern um die anderen Geschäftstreibenden, wie sie betont: „Kann man denn mit solchen Regeln nicht warten, bis die Pandemie vorbei ist und sich die wirtschaftliche Lage wieder stabilisiert hat? Unmöglich ist das. Viele unserer Kunden sehen das genauso wie wir.“

Irmi Hack, die Inhaberin des „Wasserburger Kramerladens“ steht dem Ganzen neutral gegenüber: „Ich finde die Regelung schon in Ordnung. Gerade samstags und sonntags war die Parksituation in der Hofstatt schon massiv, was ich auch von Anliegern immer wieder gehört habe. Die Leute bleiben stehen und parken alles zu. Werktags wäre ein Durchfahrtsverbot wohl problematischer, aber so lasse ich mir das eingehen.“ Den „Kramerladen“ betreffe das ohnehin nicht, er lebe von der Laufkundschaft.

Ihre Kundin aus Reitmehring sieht das ganz anders, hält gar nichts von der neuen Regelung: „Ein Schwachsinn. Alles zusperren und dann jammern, wenn die Stadt ausstirbt. Was belebt denn da die Altstadt?“ Sie findet, die Mütter und Familien sollten mit ihren Kindern vielmehr an den Spielplatz 50 Meter hinter der Hofstatt gehen und dort Kaffee trinken und ratschen. „Ich möchte nicht wissen, wie viele wegen der Sperrung am Wochenende nun nicht mehr mit dem Auto Kuchen abholen. Da gehört viel mehr kontrolliert und nicht gleich alles abgeriegelt“, lautet ihr abschließender Tenor.

Diese Meinung teilt auch Hans Heinerich. Ihm gehört die gleichnamige Glaserei in der Salzsenderzeile. „Mich als Anwohner betrifft das Verbot nicht. Diejenigen, die am Samstag und Sonntag da parken, spazieren gehen und Kaffee trinken gehören sowieso nicht in die Hofstatt. Ein Kinderspielplatz ist gleich ums Eck und der Nachwuchs sollte eh nicht dort rumhüpfen, wo Autos fahren. Viele fahren durch, um gesehen zu werden, manche einfach nur so und andere zum Einkaufen. Aber wer zu faul ist um in der Ledererzeile zu parken und die paar Meter in die Hofstatt zu Fuß zu gehen, dem gehört es nicht anders“, erklärt Heinerich und plädiert für konsequente Kontrollen durch die Parkraumüberwachung.

Ab 27. März ist der Durchgangsverkehr an den Wochenenden in der Hofstatt für Autos und Motorräder nicht mehr erlaubt.

Wichtigere Themen in Pandemie-Zeiten?

Sibylle Schuhmachers Innkaufhaus in der Ledererzeile grenzt direkt an die Hofstatt, der Lieferanteneingang des Geschäfts ist in der Sedlmaiergasse neben dem „Henna Gassl“. Sie ist der Ansicht, gerade jetzt in Corona-Zeiten sollte sich die Lokalpolitik mit wichtigeren Themen beschäftigen - zumal eine Umfrage des Wirtschaftsförderungsverbands Wasserburg (WFV) vor geraumer Zeit ans Licht brachte, dass sich über 4000 Teilnehmer dafür aussprachen, die Situation so zu lassen wie sie bisher war.

Nicht umsonst habe auch eine Verkehrszählung offenbart, dass die Belastung des Verkehrs in der Altstadt vergleichbar mit der in einer ruhigen Wohnsiedlung sei: „Mir ist als Geschäftsinhaberin aktuell wichtig, dass die wirtschaftliche Lage angekurbelt und die Innenstadt wieder belebt wird - unabhängig davon, ob nun mehr oder weniger Autos die Altstadt am Wochenende passieren.“

„So wie es war, war‘s perfekt.“

Martina Pichlmair aus Oberneukirchen im Landkreis Mühldorf kommt zusammen mit Mann und Kind des Öfteren nach Wasserburg, um sich in der Backstube einen Kaffee zu holen. Über die neue Regelung ist sie überrascht: „Ich muss ehrlich sagen, mir ist noch nie aufgefallen, dass da so viele Autos fahren - erst, wenn man jetzt bewusst drauf achtet. Allerdings empfinde ich die Situation als nicht sehr dramatisch. Natürlich ist es aber gut, wenn solche Plätze in einer Stadt autofrei gehalten werden können, sofern es alternative Wege für den Verkehr gibt.“

Christine Deliano gehört die „Backstube“. Sie kann in der neuen Verkehrsregelung in der Hofstatt keinen Vorteil erkennen.

Christine Deliano freut sich über Kunden wie Martina Pichlmair, denn ihr ist es eine Herzensangelegenheit zu sehen, dass die Menschen Lebens- und Essensqualität in ihrer Backstube in der Hofstatt genießen können. Dadurch bleibe die Stadt letztlich auch attraktiv. Die neue Regelung aber sei in ihren Augen nicht notwendig gewesen, da sich die Verkehrslage in den vergangenen Jahren ohnehin schon reguliert habe und ruhiger geworden sei. „So wie es war, war‘s perfekt. Ich versteh nicht, warum man daran etwas ändern muss. Die Mehrheit im Stadtrat hat es befürwortet, jetzt haben wir eine salomonische Lösung“, erklärt Deliano.

Ihr ist es wichtig, dass durch die neue Verkehrsregelung keine falsche Außenwirkung entsteht. Denn auch einkaufen sei ein Anliegen und wer Semmeln holen möchte, seine Wäsche zur Reinigung bringt oder die Oma zur Fußpflege fährt, dürfe weiter durch die Hofstatt fahren - genauso wie sonntags die Kirchgänger. „Auch jetzt in Corona-Zeiten sind die Geschäfte für ihre Kunden da - das darf nicht vergessen werden. Und auch älteren und gehbehinderten Menschen dürfe das Einkaufserlebnis nicht zunichte gemacht werden. Die Erreichbarkeit vor Ort sollte auch im digitalen Zeitalter präsent sein.“

mb

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