„Strandfeeling pur“ - seit ein paar Wochen am Ufer des Inns

Natur-Phänomen: Das steckt hinter dem Sandstrand am Inndamm in Wasserburg

Sandstrand am Wasserburger Inndamm
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Seit dem jüngsten Hochwasser Anfang August 2020 befindet sich ein Sandstrand am Wasserburger Inndamm.

Wasserburg am Inn - „Strandfeeling“ am bayerischen Innufer: Seit ein paar Wochen kommen Touristen wie Einheimische in den Genuss eines feinen Sandstrands an der Innschleife. Wir haben uns erkundigt, was dahinter steckt und ob das jüngste Hochwasser da wohl ein Wörtchen mitzureden hat.  

Glitzernder Sand anstatt der bekannten grauen Steine säumen das Ufer des Inns auf Höhe der Realschule Wasserburg zwischen den Parkplätzen an der Rampe und dem Gries und locken Kinder und Hunde zum Spielen, Erwachsene zum Verweilen ein. Seit rund vier Wochen kann dieses Natur-Phänomen in der Innstadt bewundert werden. Da der Sand ziemlich genau mit dem Abklingen des jüngsten Hochwassers Anfang August zum Vorschein gekommen ist, liegt die Vermutung nahe, dass es hier womöglich einen Zusammenhang gibt.

Sandstrand am Innufer der Wasserburger Altstadt seit dem Hochwasser im August

„Diese Vermutung ist korrekt und sehr wahrscheinlich“, kann Paul Geisenhofer, Leiter des Wasserwirtschaftsamts Rosenheim, auf Nachfrage von wasserburg24.de bestätigen. Der Inn zeichne sich dadurch aus, dass er riesige Mengen an Gletscherabrieb von Tirol aus quer durch die Region in Richtung Passau transportiere. Es handle sich bei dem Sandstrand am Wasserburger Inndamm um Ablagerungen, die durch die Strömung des letzten Hochwassers mitgeschwemmt worden seien und an ruhigeren Stelle der Innschleife liegen geblieben seien. Durch die vielen Sedimente, die der Sog des Inns mitnehme, entstehe auch der Farbverlauf vom sonst so typisch grünen Inn zum braun-grauen Fluss.

Dass plötzlich „Strandflächen" entstehen, dieser Vorgang sei Geisenhofer zufolge nicht ungewöhnlich: „Teilweise entstehen an manchen Flussufer-Stellen meterhohe Sandwände. Überall dort, wo ein Wirbel beziehungsweise Kehrwasser entsteht, lagern sich unzählige Mengen an Sand ab und bilden dort einen kleinen Strand.“ In Wasserburg ist dieses Phänomen übrigens nicht ganz neu: Immer wieder bilden sich in regelmäßigen Abständen an verschiedenen Stellen rund um die Altstadt Abschnitte am Ufer, an denen sich Sand anhäuft. Und so schnell wie der Sand sich sammelt, kann er mit dem nächsten höheren Wasserpegel auch wieder verschwinden.

Dass ein Eingreifen in die Natur stattgefunden haben könnte, wie beispielsweise, dass Behörden Sandmengen aufgefüllt hätten, sei gewiss auch in Wasserburg nicht der Fall, wie Geisenhofer ausschließen kann: Das Ganze sei „ein dynamischer Prozess“ und es sei keineswegs so, dass das Wasserwirtschaftsamt oder andere Stellen hier einschreiten.

Auch Treibholz am Sandstrand in Wasserburg am Inn angeschwemmt

„Es ist jedes Mal aufs Neue faszinierend, was die Natur mit ihren Kräften formen kann“, schwärmt der Leiter des Wasserwirtschaftsamt indes und betont, das Spannende am Hochwasser sei mitunter auch das viele Treibholz: vom Wasser abgeschliffene Äste oder künstlerisch wertvoll geformte Baumstämme. „Nach einem Hochwasser bietet es sich durchaus an, auf Treibholzsuche zu gehen - das lohnt sich nicht nur für freischaffende Künstler", schließt Geisenhofer seine Erklärung mit diesem Hinweis.

mb

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