2019 wieder "Schäfflerjahr": Wasserburger Urgesteine erzählen 

Schnaps fürn "Kasperl" vom "Wagerlbua" - So ging's früher bei den Schäfflern zu 

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Die Schäffler in den "guten alten Zeiten": Links die Schäfflergruppe von 1984, oben rechts Aufstellung am Gries im Jahr 1963 und unten rechts die Aufführung eines Tanzes 1977 in der Ledererzeile. 
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Wasserburg - 31 stattliche Mannsbilder bilden heuer die Schäfflertanzgruppe des TSV Wasserburg, die seit einigen Wochen schon mittendrin stecken in den Vorbereitungen für das "Schäfflerjahr 2019". Wir haben die Männer beim Training besucht und uns mit drei "Urgesteinen" der Wasserburger Schäffler über die "alten Zeiten" unterhalten. 

Seit 1. Oktober treffen sich die Wasserburger Schäffler jeden Montagabend in der Badriahalle zum Training. Und das ist auch nötig, denn um den traditionellen Schäfflertanz zu beherrschen, bedarf es einiger Übung. Dem Brauchtum nach wird der Schäfflertanz alle sieben Jahre aufgeführt - das erste Mal war das in Wasserburg vor 107 Jahren der Fall.

Die Ursprünge des Zunfttanzes der Schäffler liegen im 16. Jahrhundert, als die Schäffler die ersten waren, die sich nach der Pestepidemie wieder auf die Straße trauten, das Ende der Pest feierten und die Bürger wieder zum Singen und Lachen animierten. 

Der Beruf "Schäffler"

Max Holbl, der letzte "echte Wasserburger Schäffler". 

Was macht eigentlich ein "Schäffler"? Einer der diese Frage beantworten kann, ist Max Holbl. Er ist der letzte "echte Wasserburger Schäffler", denn er hat den Beruf des Fasslmachers, des Schäfflers, im Jahr 1951 gelernt. Drei Jahre Lehrzeit waren das damals und vier Betriebe hat am Heisererplatz gegeben. 

Bis 1960 sei der Schäfflermarkt gut gelaufen, früher wurde auch noch samstags hart gearbeitet, erinnert sich der 82-Jährige. Danach aber sei es bergab gegangen. "Flaschl haben die Fassl abgelöst - der Beruf des Schäfflers galt rasch als veraltet", erzählt Holbl und betont gleichzeitig schmunzelnd dass die Fässer heutzutage doch so langsam wieder in Mode kommen. Brauereien oder Schnapsbrenner würden vermehrt auf Fassl aus Holz zurückgreifen - so wie es früher gang und gebe war. Eine Verbindung zu seinem ehemaligen Beruf sind für Holbl die "Kellerfreunde" in Wasserburg. 

Die zweite Leidenschaft ist freilich der Schäfflertanz. Beim Schäfflertanz war das Wasserburger Original 1956 zum ersten Mal dabei. Seit 1977 ist Holbl Schäfflermeister. "Alterspräsident" wird er liebevoll von den Kollegen genannt. Das Tanzbein schwingt Holbl nicht mehr. Dafür ist er beim Fassl-Schlagen ganz vorne dabei.

Am letzten Tanz, am Faschingsdienstag, hat Holbl seinen großen Auftritt als "Fasskasperl". "Da übermittle ich auf dem Holzfass stehend zum Abschied der Schäffler den Leuten ein Gedicht", freut sich der 82-Jährige schon jetzt. Und das Alter? Für Holbl kein Thema: "Solang mir nix weh tut, bin ich dabei!" 

Die Wasserburger Schäffler im Jahr 1984: Max Holbl steht in der zweiten Reihe von unten als Zweiter von links mit dem Hammer in der Hand. Helmut Samer, der Hauptorganisator der Wasserburger Tanzgruppe, sitzt links neben dem Fassl. 

Der "Kasperl" unter den Schäfflern

Immer für Gaudi und Witz zu haben: Sepp Feistl, der Sammelkasperl. 

"Einmal Kasperl, immer Kasperl" - diese Aussage passt wohl auf niemanden besser als auf Sepp Feistl. Er ist seit vielen Jahren bei den Wasserburgern der "Sammelkasperl". Seine Aufgabe: Er sammelt bei den Zuschauern nach der Tanzvorstellung Geld. Am liebsten, so grinst er, sei ihm Geld, das nicht klingelt - also Scheine. 

"Als Kasperl musst geboren sein", ist sich der 68-Jährige sicher. Schon seit Vater war als "Kasperl" bei den Schäffler, er trat in dessen Fußstapfen. "Der Papa war der gleiche Kasperl wie ich", lacht Feistl und erinnert sich an die Anfänge seiner im Jahre 1970

Was ihm am "Kasperl"-Dasein gefällt? "Ich mag es, mich unter das Publikum zu mischen und Blödsinn zu machen. Ich war immer und bin heute noch mit Herzblut dabei und so lange es mir gut geht, gebe ich weiterhin den 'Kasperl'. Ich bin eh bekannt wie ein bunter Hund in Wasserburg, da kann ich doch nicht einfach aufhören", betont Feistl und verweist in dem Zusammenhang auf die Tatsache, dass die Schäffler nur alle sieben Jahre auftreten. "Nach jedem neuen Schäfflerjahr, das vorbei geht, treibt es mir ein paar Tränen in die Augen", verrät der 68-jährige Kasperl wehmütig 

Die Schäffler 1977: Sepp Feistl junior sitzt ganz links in der ersten Reihe unten neben seinem Vater. 

Die Kleinen am Start: Der "Wagerlbua"

Franz Göpfert war schon mit 11 Jahren "Wagerlbua". 

Ganz früher, mit 13 Jahren, war Sepp Feistl vor seiner "Kasperl"-Zeit ein "Wagerlbua". So wie Franz Göpfert, der 1970 mit 11 Jahren das erste Mal als "Wagerlbua" seine Rolle bei den Wasserburger Schäfflern einnahm. Die Zeiten damals waren deutlich rauer und strenger, erinnert sich der 59-Jährige. "Die älteren Herren unter den Schäfflern rissen nicht so viele Witze und bewahrten vielmehr die Tradition des Tanzes." 

Lustig sei es aber auch schon damals zugegangen. "Wir Buben hatten oft die Herrschaft über die Schnapsfassl - da kam es schon mal vor, dass wir uns das ein oder andere Stamperl selbst genehmigt und dem 'Kasperl' stattdessen Wasser eingeschenkt haben", erzählt Göpfert lachend. 

Mit knapp 18 Jahren wechselte Göpfert 1977 das erste Mal vom "Wagerlbua" zu den Tänzern. Seitdem war er jedes Schäfflerjahr als aktiver Tänzer dabei. "DieLeidenschaft hat mich einfach nicht mehr losgelassen und solange ich die Haxen noch in die Höhe kriege, tanze ich mit", grinst Göpfert abschließend. 

Rauer und strenger ging es früher bei den Schäfflern zu. Hier sieht man sie bei der Aufstellung am Gries. Die Aufnahme stammt aus dem Jahr 1963. 

Das Training der Wasserburger Schäffler 

Nach den regelmäßigen Trainingseinheiten seit Oktober funktionieren die Tanzschritte mit den entsprechenden Tanzformen bei den Wasserburgern schon recht gut. Auch die Probleme, die für den notwendigen Buchs für die "Schäfflerreifen" durch den grassierenden "Buchszünsler" auftraten, haben die Verantwortlichen um "Oberkasperl" und Hauptorganisator Helmut Samer weitgehend in den Griff bekommen. 

Nachwuchssorgen haben die Wasserburger Schäffler nicht. Im Gegenteil: Die Nachfrage ist groß, der jüngste Tänzer ist 18 Jahre alt. 

In der ganzen Männerwirtschaft dürfen aber die Frauen nicht fehlen: Acht Marketenderinnen, sie sind die gute Seele der Schäffler, kümmern sich um das Organisatorische wie die Schäfflergewänder oder die Schnapsfassl. 

Die Wasserburger Schäffler beim Training

Die Termine im "Schäfflerjahr 2019"

Der Generalprobe am 16. Dezember steht demnach nichts mehr im Wege. Allerdings ist diese noch nicht für die Öffentlichkeit gedacht. Los geht's wie in jedem Schäfflerjahr am 6. Januar mit einem Festgottesdienst in der Pfarrkirche St. Jakob, der die "Schäfflersaison 2019" offiziell einläutet. An diesem Tag wird um 13.15 Uhr der traditionelle Eröffnungstanz vor dem Rathaus auf dem Marienplatz aufgeführt. 

Getanzt wird dann an allen Wochenenden inklusive Freitage, am Faschingswochenende vom Unsinnigen Donnerstag bis Faschingsdienstag. Nur das Wochenende vom 8. bis 10. Februar und der Freitag, 15. Februar, sind "schäfflerfrei"

Die Wasserburger Schäffler, sie stehen schon in den Startlöchern, um ihren traditionellen Tanz aufzuführen, wenn es wieder heißt: "Aba hait is koit"

mb

Quelle: wasserburg24.de

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