Bauausschuss debattiert Verkehrsberuhigung in Wasserburg *Mit Voting* 

Bürger-Vorschlag: Maut an der roten Brücke? 

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Die rote Brücke über den Inn ist stark frequentiert vom Verkehr. 
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Wasserburg - Wie kann der Verkehr in der Altstadt langfristig reduziert werden? Einige Wasserburger hatten dazu ganz eigene Vorstellungen - sowohl realistische als auch utopische. Ein Überblick: 

Eine Verkehrsklausur soll es richten: Das entschieden die Bauausschussmitglieder in ihrer Sondersitzung am Dienstag (3. Dezember). Möglichkeiten und Ideen, den Verkehr in der Altstadt langfristig zu minimieren kamen auch von Wasserburger Bürgern, die ihre Vorschläge an die Verwaltung schickten und die in der Sitzung im Dezember vorgestellt wurden. 

Sibel Aydogdu und Ulrich Glöckl vom Verkehrsplanungsbüro "Schlothauer + Wauer" bewerteten insgesamt 21 Vorschläge und gliederten sie in sechs Kategorien. 

Die beiden Verkehrsplaner Sibel Aydogdu und Ulrich Glöckl (links) mit Stadtbaumeistern Mechtild Herrmann, Bürgermeister Michael Kölbl und Helmut Schmid vom Wasserburger Bauamt. 

1. Gerblgasse als Einbahnstraße 

Der Vorschlag, den Verkehr in Richtung Gerblgasse zu führen anstatt über die Hofstatt wurde von Aydogdu eher abgelehnt. Die Gerblgasse sei dafür nicht ausreichend dimensioniert und zu eng für regelmäßigen Durchgangsverkehr. Der Verkehr werde des Weiteren verlagert und die Bäckerzeile als Wohnquartier in Mitleidenschaft gezogen. Auch Wasserburgs Polizeichef Markus Steinmaß konnte diese Ideen nicht unterstützen - aus sicherheitsrelevanten Gründen

2. Parkraumbewirtschaftung/Parkzeitbeschränkung

Hier lautete der Vorschlag eines Bürgers, die Parkzeiten vor allem in der Herren- und Färbergasse drastisch zu verkürzen. Laut Aydogdu aber könnte dies zu einer Erhöhung der Verkehrsbelastung führen - genau das Gegenteil von dem was gewollt werde. In Wasserburg gelte außerdem der  Grundsatz: "Je weiter weg man vom Altstadtkern parkt, umso günstiger kann man parken." 

Kölbl erwiderte auf Stadlers Bedenken, die Autofahrer würden sich eher nicht von besetzten Parkplätzen abschrecken lassen sowie eher falsch parken, dass sich die Zahl an Falsch- und Wildparkern seit der neuen Verkehrsüberwachung durch den Verbund reduziert hätte. 

3. Einbahnstraßen-Regelung

Diese Regelung soll hauptsächlich im Außenbereich des Altstadtrings gelten, wie am Marienplatz. "Hier entstehen aber nur Umwege, die dann stärker befahren werden, der Verkehr verlagert sich abermals auf andere Gebiete", erläuterte die Planerin. 

Auch Bürgermeister Kölbl wiegelte den Vorschlag ab: Höchstens am Gewandhaus Gruber in Richtung Brucktor würde der Einfädel-Verkehr wegfallen, sonst sehe er keine Vorteile von Einbahnstraßen-Regelungen.

4. Probeversuch mit Wendehammer und versenkbarem Poller 

Dieser Vorschlag wurde bereits bewertet und stand als Probeversuch im Sommer schon im Raum, scheiterte aber am Ende am Radius des Wendehammers zwischen Herren- und Färbergasse an der St. Jakobs Kirche. Mit der Sackgasse würde sich die Anzahl laut Planer Glöckl wohl um rund 200 bis 400 Autos verringern

Peter Stenger (SPD) aber war der Ansicht, dass genau diese Sackgassen das Autofahren in dem Bereich unattraktiv machen würden: "Genau das wollen wir doch." 

Ins selbe Horn blies Christian Stadler (Grüne): "Wir sollten den Versuch schon aufrecht erhalten und den Baum womöglich verpflanzen." Womöglich könne man baulich gegensteuern und den Platz verbreitern. Das Rangieren mit einem 3,5-Tonner, wie es die Stadtbaumeisterin an der St. Jakobs Kirche getestet hat, sei schwierig und stelle Stadler zufolge wohl mehrere routinierte Autofahrer vor Probleme. "Allerdings fährt man auch nicht mit 50 Sachen rückwärts sondern in der Regel vorsichtig - sonst hätte es schon oft scheppern müssen in unserer Altstadt."

Planerin Aydogdu erwiderte, die Fußgängerbelastung sei sehr hoch in dem Bereich und dies wäre ein Gefahrpotential dar, was wiederum Friederike Kayser-Büker (SPD) sauer aufstieß: "Ich empfinde das Wort Fußgängerbelastung las schwierig. Die Autos sind die Belastung, niemals die Fußgänger.

Dr. Herrmann Budenhofer (Freie Wähler Reitmehring/Wasserburg) fand den geplanten Versuch nicht positiv, das Wenden sei schwierig sei, ohne den Fußgängerbereich zu touchieren. 

Andreas Aß (CSU) brachte es auf den Punkt: "Für mich ist das eine Feststellung, dass es nicht klappt in vernünftigen drei Zügen zu wenden als durchschnittlicher Autofahrer - ich habe es selbst probiert." 

5. Eventuell zeitlich begrenzte Fußgängerzone (für Anwohner und Lieferverkehr frei) 

Diese Idee betrifft hauptsächlich die Hofstatt, Herren- und Färbergasse und wurde von den Planern positiv mit einem Verkehrsrückgang von über 50 Prozent bewertet, zumal bereits Varianten von Sperrungen in dem Bereich im Raum standen. Vor allem die komplette Sperrung und Wandlung in eine Fußgängerzone sei laut Glöckl durchaus einen Versuch wert. Man müsse dann nur abwägen, ob der Parkplatz am Gries ausreichend sei, um fußläufig in die Stadt zu kommen. 

Steinmaßl erklärte aus Polizeisicht sei "Anwohnerfrei" immer problematisch in Bezug auf die jeweiligen Anliegen: "Wir müssten mit Kontrollen agieren - 100 Pro in Griff aber bekommen wir das sicher nicht, dass auch wirklich nur Anlieger reinfahren." 

Stadler schlug vor, man könnte die Sperrung dann mit einem versenkbaren Poller kombinieren

6. Sonstiges 

Unter dem letzen Punkt standen Ideen, die den anderen Kategorien nicht zugeordnet werden konnten, darunter der Vorschlag eines Parkleitsystems. Die Idee eine Tempo-20-Zone in der gesamten Stadt einzuführen lehnten die Planer ab: "Das wird auch verkehrsberuhigter Geschäftsbereich genannt und das geht nur in Bereichen, in denen Hauptaufenthalt ist. Das kann nicht auf die ganze Stadt ausgeweitet werden." 

Ein Punkt am Ende der Sitzung brachte alle Anwesenden zum Schmunzeln: Man könnte doch eine Schranke an der roten Brücke anbringen und eine Art Maut für die Zufahrt auf die Halbinsel verlangen. 

mb

Quelle: wasserburg24.de

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