ISEK - Stadtentwicklung und Städtebau 

Namensgeber der Stadt: Wasser und Burg erlebbar machen 

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Wasser und Burg - diese beiden Komponenten könnte man in der Stadt deutlich mehr betonen, meinen die Städteplaner des ISEK-Prozesses. 

Wasserburg - Das Integrierte Städtebauliche Entwicklungskonzept (ISEK) ist ein viel diskutiertes Thema im Stadtrat. Nach der Debatte um den Verkehr ging es in der Sondersitzung am 29. Mai nun um die Stadtentwicklung und den Städtebau. 

Die beiden Städteplaner Dr. Robert Leiner und Michael Leidl stellten den Räten einige Zukunftsvisionen, die sich für die Innstadt eignen würden, vor. "Das Leitpinzip lautet Nachhaltigkeit", erklärt Dr. Leiner. Und auch aus den namensgebenden Begriffen Wasser und Burg könne man viel mehr herausholen, waren sich die Städteplaner einig. "Die Stadt Wasserburg ist ein offenes, identitätstarkes und zukunftsorientiertes Zentrum im Wasserburger Land", legt Dr. Leiner seine Sichtweise auf die Innstadt dar. "Sie ist Einkaufsort, Arbeitsort, Treffpunkt in der Region, historische Altstadt und Kulturstadt - und sie strebt ein moderates sowie sozial ausgewogenes Bevölkerungswachstum sowie den Erhalt der Arbeitsplatzzentralität an. Dennoch könnte man noch einige versteckte Stärken mehr betonen: 

Einzelhandel stärken und am Leben erhalten

Dass es der Einzelhandel in Wasserburg schwer hat, ist bekannt. Klassisches Beispiel ist das traditionsreiche Innkaufhaus in der Ledererzeile, das nur durch das Engagement der Wasserburgerin Sibylle Schuhmacher und ihrem Mann Tobias vor dem sicheren Aus bewahrt werden konnte. "Das Einzelhandelsterben mitunter verursacht durch den Online-Handel sei ein deutschlandweites Problem, erklärt Dr. Leiner. Die Aufgabe des ISEK sei es, herauszufinden, was die Stadt Wasserburg zur Verbesserung der Situation tun kann: 

  • Ein ausreichendes Angebot an regionalen Lebensmitteln bieten - kleine Läden in der Altstadt wie der Biomarkt oder die Markthallen seien hier bereits Vorreiter
  • Sicherung wohnungsnaher Lebensmittelversorgung: Ein fußläufig erreichbares Grundversorgungsangebot schaffen, um auch den Verkehr zu entlasten und Radfahrer zu motivieren
  • Digitale Sichtbarkeit: Die Wasserburger Geschäfte könnten gebündelt in einer Online-Übersicht aufgelistet werden, auf der Wasserburg als Einkaufsstandort auf einer Digital-Plattform positioniert wird - Stichwort Kooperation 
  • Wasserburg als etablierter Wirtschaftsstandort unterstützt bereits die Entwicklung Existenzgründer und pflegt den Bestand in der Altstadt, was ein guter Schritt in Richtung der Sicherung des Arbeitsplatzangebots vor Ort sei und der Problematik des Fachkräftemangels entgegen wirken kann

Wolfgang Janeczka (SPD) erklärt zum Punkt Einzelhandel, es sei ein wichtiger Punkt, Einzelhandel, Gastronomie und Kaufkraft künftig in einer Übersicht zusammenzufassen und den Online-Auftritt der Stadt zu relativieren. 

Neue Wohnquartiere auf bestehenden Grundstücken  

Weil Wohnraum knapp ist, forciert Wasserburg bezahlbare und soziale Wohnungen in der Stadt zu errichten. Allerdings ist der Platz begrenzt. Michael Leidl spricht sich bei dieser Thematik für sogenannte Wohnquartiere aus: "Nur mehr 25 Prozent leben in der klassischen Familienzusammensetzung "Eltern mit Kind" in einem Einfamilienhaus." Leidl sieht hier eine Aufwertung und Nachverdichtung im bereits bebauten Innenbreich der Stadt. Eine Möglichkeit wäre, neue Wohneinheiten auf bestehenden eigenen Grundstücken zur realisieren. Damit bliebe der Stadt der Erschließungsaufwand erspart. Es sei Leidl aber auch klar, dass eine solche Bauart aktive Planungen und baurechtliche Zulassungen erfordere. 

Diese Idee sorgte im Stadtrat jedoch für Unmut. Werner Gartner (SPD) meinte, solche Wohnparteien würden das Stadtbild komplett verändern, "mir geht es um realitätsnahe Planung". Peter Stenger (SPD) hält dagegen: "Wir müssen uns verabschieden von der klassischen Einfamilienhaussituation. Eine verdichtete Bauweise mit neuen Wohneinheiten kann sehr soziale Komponenten beinhalten." 

Die Entwicklung im Bereich Wohnen ziehe sich laut Michael Leidl vom Gelände der Essigfabrik über das Krankenhaus bis nach Reitmehring Nord und Süd und Attl. Besonders Reitmehring habe ein großes Potential zu wachsen: "Der Bahnhof im Ort ist Anlaufstelle für alle Bahnnutzer, den Trassenverlauf könnte man einbinden, eine mögliche Nahversorgung an der Bundesstraße realisieren. Außerdem wäre eine interne Fuß- und Radwegverbindung von Reitmehring nach Wasserburg ein Gewinn." 

Wasserburg als Ausflugsziel und Touristenstadt betonen 

Wasserburg als lebendige Altstadt ist nicht nur für die umliegende Wohnbevölkerung ein beliebtes Ausflugsziel, sondern auch in erster Linie für Touristen attraktiv. Dennoch könne man laut Dr. Leiner das Thema Stadtgeschichte und historisches Stadtbild noch mehr betonen. Wichtig sei hier ausreichend Orientierung in Form von Wegweisern, Besucherplätzen oder Broschüren - Wasserburg sei beim Thema Tourismus aber bereits gut aufgestellt. Die Aufgabe des Stadtmarketing sei nach wie vor, den Außenauftritt der Stadt positiv darzustellen und gegebenenfalls neu zu konzipieren. 

Wasser und Burg erlebbar machen 

Die beiden Namensgeber Wasser und Burg spielen in der Stadt eine große Rolle - jedoch ist das nicht sofort für jedermann ersichtlich. Michael Leidl ist der Meinung, hier könne man mehr rausholen: "Der Inn ummantelt die Altstadt und charakterisiert die Stadt Wasserburg - dennoch gibt es keine öffentlichen Aufenthaltsorte direkt am Fluss." Mit einem Steg am Inn, einem Flussbad, kreativen Wasserinstallationen oder ähnlichen Attraktionen könne man den Inn deutlich präsenter machen. Des Weiteren seien die ehemaligen Mühlen Wasserburgs ein Punkt, der stärker betont werden könne: "Außer bei Straßennamen wie dem Steinmühlweg ist von den Mühlen selbst nicht viel zu sehen in Wasserburg."

Auch im Thema Burg steckt laut dem Städteplaner Potential: "Der Ausblick über die Altstadt ist eine Wertschätzung, die man beispielsweise mit einem Burg-Café näher in den Fokus rücken könnte." Burghausen habe sich nach langer Diskussion für ein Café auf der Burg entschieden - und damit den richtigen Weg eingeschlagen. So etwas sei in Wasserburg auch denkbar. Bei der Fokussierung von Wasser und Burg ging ein Raunen durch die Reihen des Stadtrates. Edith Stürmlinger (Bürgerforum) zeigte sich begeistert von den Zukunftsvisionen und hofft, dass manches davon auch umsetzbar ist. 

Grüne Zungen in der Stadt essentiell 

Darüber hinaus dürfe man den ökologischen Aspekt nicht aus den Augen verlieren. "Grünzonen und Schwemmflächen sind wichtig für die Stadt - in Wasserburg gibt es beispielsweise schon kaum mehr Schwalben", so Leidl. Eine ökologische Aufwertung an Neubauten sowie im Altbestand sei daher essentiell. Grünflächen, in die man Jung und Alt zusammenbringen kann, müssten nicht zwingend platzraubend sein. "Da genügt bereits eine kleine Fläche mit Bänken, Bäumen und Spielgeräten für die Kinder, um einen Platz optisch aufzuwerten", ist sich Leidl sicher. Der Salzstadl am Heisererplatz würde sich als künftiger Bürgertreffpunkt oder kulturelle Einrichtung anbieten, was besonders die Kulturreferentin der Stadt, Edith Stürmlinger, freuen würde. Ein neuer Biergarten in der Palmanostraße sei bereits fest geplanter Baustein im Rahmen der Sanierung der Palmanostraße und des Heisererplatzes. 

Jetzt sind die Bürger an der Reihe 

Insgesamt waren die Stadträte fasziniert über die Ideen der Städteplaner, die Wasserburg voran treiben und weiter in den Fokus rücken könnten. Markus Bauer (CSU) warnte indes, die Stadt müsse aber aufpassen, dass sie den Weitblick nicht an kurzfristige Umsetzungen verliere. "Wir müssen insgesamt städtebaulich weiterkommen, das große Ganze ist wichtig." Am 21. Juni findet im Großen Rathaussaal des Wasserburger Rathauses eine Bürgerversammlung zum Thema ISEK statt. "Dann sind die Bürger gefragt, nach ersten Informationen sollen sie sich aktiv am Planungsprozess der künftigen Stadt Wasserburg beteiligen", plädiert Bürgermeister Michael Kölbl. 

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mb

Quelle: wasserburg24.de

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