Bürgern fordern autofreie Zone in der Hofstatt

WFV zu möglicher Sperrung: "Dann ist die Wasserburger Innenstadt tot" 

Eine Sperrung von Bereichen der Altstadt, um eine autofreie Zone in der Altstadt zu erreichen - kann das funktionieren? 
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Eine Sperrung von Bereichen der Altstadt, um eine autofreie Zone in der Altstadt zu erreichen - kann das funktionieren? 

Wasserburg - Eine Gruppe Altstadtbewohner wünscht sich eine autofreie Altstadt. Die Stadt könnte sich eine Testphase am Wochenende im Bereich rund um die Hofstatt vorstellen. Eine Sperrung aber sei "eine Katastrophe", kontert der Wirtschafts-Förderungs-Verband (WFV). Die Hintergründe: 

Mit einer plakativen Aktion haben sich die Verfechter einer Sperrung der Altstadt für den Verkehr bei der Bürgerfragestunde im Rathaus zu Wort gemeldet. Die "vielen in der Hofstatt parkenden und zu schnell durchfahrenden Autos" sind einer Gruppe von Altstadtbewohner um Bettina Knopp und Stefanie Kronseder ein Dorn im Auge. Sie wollen die Autos aus der Altstadt verbannen

Wasserburg zu klein für eine Fußgängerzone? 

"Das wäre für unsere Geschäfte eine Katastrophe", schreibt die Vorstandschaft des Wirtschafts-Förderungs-Verbandes (WFV) nun in einem offenen Brief an Bürgermeister Kölbl und den Stadtrat. WFV-Vorsitzender Moritz Hasselt erklärt, warum: "Viele unsere kleinen Geschäfte brauchen die Fluktuation in der Altstadt. Da muss sich was bewegen. Sonst ist die Wasserburger Innenstadt tot. Die Sperrung der Hofstatt kommt einer Sperrung der gesamten Altstadt gleich. Wenn man durch die Färbergasse nicht mehr durchfahren kann, kann man sie auch gleich wie im Mittelalter vorne und hinten zumauern. Für eine Fußgängerzone ist unsere Stadt viel zu klein. Das wird auch durch die professionellen Berater der ISEK-Gruppe bestätigt und es wird sogar davor gewarnt."

Die Stärke Wasserburgs beruhe genau auf der Tatsache, dass das Umland schnell und unkompliziert Einkäufe in der Altstadt tätigen könne. "Wenn wir diesen Vorteil auch noch verspielen, ist der Ofen aus", wettert Hasselt.   

"Da wird über die Köpfe des Einzelhandels entschieden" 

Der WFV hält die vom Stadtrat beschlossene Gebührenpflicht für die Parkhäuser schon für äußerst gefährlich - auch wenn sich die Einführung noch bis Ende des Jahres verzögern wird. "Eine Sperrung der Altstadt würde sinnbildlich die Schließung zahlreicher Geschäfte bedeuten. Uns würde interessieren, ob dann die Mütter, die wegen des Verkehrs Angst um ihre Kinder haben, überhaupt noch in die Stadt kommen, wenn dort nichts mehr los ist."

Für "äußerste befremdend" hält der WFV die Aussage von Bürgermeister Michael Kölbl während der Bürgerfragestunde, die ISEK-Lenkungsgruppe wolle einen Versuch starten und für Samstag ab 14 Uhr und Sonntag eine Testphase anordnen. "Da wird über die Köpfe des Einzelhandels entschieden und beraten. Der Einzelhandel, der mit den musikalischen Samstagen, der Weihnachtsbeleuchtung und dem Christkindlmarkt dafür sorgt, dass überhaupt in der Stadt etwas los ist."

"Sperrung am Samstag ab 9 Uhr wäre eine Katastrophe" 

Rückenwind bekommt der WFV unter anderem vom Wasserburger Familienbetrieb "Betten Klobeck". Die Tatsache, dass bisher niemand mit den ansässigen Geschäftsleuten gesprochen hat, ärgert  Christoph Klobeck besonders. Er hat eine klare Meinung zur möglichen Sperrung der Altstadt: "Eine Sperrung am Samstag ab 9 Uhr wäre für mein Geschäft eine Katastrophe. Bei der Bettenreinigung sind unsere Kunden auf eine Erreichbarkeit mit Autos angewiesen. Zudem haben wir mit unseren gesundheitsorientierten Betten oftmals Kunden, die nicht so mobil sind, um zum Beispiel vom Gries zu unserem Geschäft zu laufen. Es gibt aber noch jede Menge andere Geschäftskollegen in Wasserburg, die auf die Auto-Erreichbarkeit angewiesen sind: Reinigungen, Skiservice-Betriebe und viele mehr."

Mit plakativen Darstellungen machten die Altstadt-Bewohner in der Bürgersprechstunde ihrem Ärger über die vielen Autos in der Hofstatt Luft. 

Die Aussage "weil wir Angst um unsere Kinder haben" hält Klobeck für ein reißerisches Argument:"Ich habe selbst zwei Kinder, hatte aber in Wasserburg wegen des Durchgangsverkehr noch nie Angst um sie - vermutlich weil ich stets ein Auge auf sie hatte, wenn wir auf der Straße gingen. Zum Spielen gingen wir zum wenige Meter entfernten Spielplatz an der Palmanoanlage oder zu einem Biergarten mit Spielplatz."

Klobeck weiter: "Offen bleiben ja auch die Fragen was mit den Anwohnern, Paketdiensten, behinderten Menschen und so weiter passiert, die in dieser Zeit in die Innenstadt müssen."

"Sollte eine solche Sperrung tatsächlich kommen, wäre eine Standortverlagerung in eine andere Stadt im Landkreis für meinen Betrieb mehr als wahrscheinlich", betont der Geschäftsmann abschließend.

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mb/Pressemitteilung WFV Wasserburg 

Quelle: wasserburg24.de

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