Verlassenes Gebäude direkt am Inn in Wasserburg

Nach Jahren des Verfalls: Erwacht "Urfahrn 1" aus dem Dornröschenschlaf?

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Das alte verfallene Haus in "Urfahrn 1" am Inn. Das Grundstück hat nun einen Bauinteressenten, der im Bestand sanieren möchte.  

Wasserburg -  Zerbrochene Fensterscheiben, lockere Fliesen und bröckelnde Wände, von Spinnweben übersäte kaputte Möbel: Das Anwesen in "Urfahrn 1" ist seit Jahren verlassen. Immer wieder gibt es Interessenten für die baufällige Ruine direkt am Inn. Nun hat sich allem Anschein an jemand gefunden, der das Grundstück im Bestand sanieren möchte. 

Weil an dieser besonderen Stelle zwingend Baurecht gelte, konnte das Haus laut Stadtbaumeisterin Mechtild Herrmann nicht einfach abgerissen werden. Für einen Neubau wäre hier keine Baugenehmigung erteilt worden - es dürfe nur im Bestand saniert werden. 


Im Frühjahr diesen Jahres entschieden die Stadtratsmitglieder in einem ihrer Ausschüsse, dass das verlassene Haus in "Urfahrn 1" grundsätzlich umgebaut werden dürfe. Zwei Wohneinheiten wären trotz begrenzten Baurechts an dieser Stelle möglich. Der Stadt selbst sei das Anwesen im hohen sechsstelligen Bereich zu hoch für den Erwerb gewesen. 

Hinter dem Haus in der Wasserburger Einöde, das im Stadtarchiv im 15. Jahrhundert zum ersten Mal urkundlich erwähnt ist, befinden sich rund 3.000 Quadratmeter große Weidefläche. Zu dem Grundstück gehört außerdem ein mehrere Hektar großer Forst


Umbau in eine Einliegerwohnung 

Nun liegt dem Bauausschuss eine Bauvoranfrage vor. Der Antragsteller beabsichtigt - wie vorgegeben - das bestehende Anwesen zu sanieren und dort eine großzügige Wohnung sowie eine Einliegerwohnung zu errichten. Die zusätzliche Einliegerwohnung soll später einer Pflegekraft im Alter dienen. Geplant ist außerdem die Errichtung neuer Doppelgaragen mit Geräteraum.  

Bürgermeister Michael Kölbl erklärte in der Sitzung am 21. November, das Grundstück befinde sich im Außenbereich. Die Abwasserbeseitigung sei über die Dreikammerkläranlage gesichert, die Zufahrt soll über den bestehenden Hohlweg erfolgen, dieser werde dafür noch ausgebaut. Über einen Getattungsvertrag soll die Wasserversorgung über Stadtgrund erfolgen. 

Die Mitglieder des Bauauschusses gaben einstimmig grünes Licht für das Vorhaben, in dem Anwesen eine großzügige Wohnung einzubauen. Allerdings seien die zusätzliche Einliegerwohnung, Garagen sowie das Gerätehaus mit Satteldach vorab mit dem Landratsamt abzustimmen. 

Das Grundstück in "Urfahrn 1" 

Das Gelände in "Urfahrn 1" in Wasserburg.
Das Gelände in "Urfahrn 1" in Wasserburg. © mb
Das Gelände in "Urfahrn 1" in Wasserburg.
Das Gelände in "Urfahrn 1" in Wasserburg. © mb
Das Gelände in "Urfahrn 1" in Wasserburg.
Das Gelände in "Urfahrn 1" in Wasserburg. © mb
Das Gelände in "Urfahrn 1" in Wasserburg.
Das Gelände in "Urfahrn 1" in Wasserburg. © mb
Das Gelände in "Urfahrn 1" in Wasserburg.
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Das Gelände in "Urfahrn 1" in Wasserburg.
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Das Gelände in "Urfahrn 1" in Wasserburg.
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Das Gelände in "Urfahrn 1" in Wasserburg.
Das Gelände in "Urfahrn 1" in Wasserburg. © mb
Das Gelände in "Urfahrn 1" in Wasserburg.
Das Gelände in "Urfahrn 1" in Wasserburg. © mb
Das Gelände in "Urfahrn 1" in Wasserburg.
Das Gelände in "Urfahrn 1" in Wasserburg. © mb
Das Gelände in "Urfahrn 1" in Wasserburg.
Das Gelände in "Urfahrn 1" in Wasserburg. © mb
Das Gelände in "Urfahrn 1" in Wasserburg.
Das Gelände in "Urfahrn 1" in Wasserburg. © mb
Das Gelände in "Urfahrn 1" in Wasserburg.
Das Gelände in "Urfahrn 1" in Wasserburg. © mb
Das Gelände in "Urfahrn 1" in Wasserburg.
Das Gelände in "Urfahrn 1" in Wasserburg. © mb
Das Gelände in "Urfahrn 1" in Wasserburg.
Das Gelände in "Urfahrn 1" in Wasserburg. © mb
Das Gelände in "Urfahrn 1" in Wasserburg.
Das Gelände in "Urfahrn 1" in Wasserburg. © mb
Das Gelände in "Urfahrn 1" in Wasserburg.
Das Gelände in "Urfahrn 1" in Wasserburg. © mb
Das Gelände in "Urfahrn 1" in Wasserburg.
Das Gelände in "Urfahrn 1" in Wasserburg. © mb

Unter "Urfahr" versteht man die Möglichkeit, einen Fluss zu überqueren, also eine Art Überfuhr oder Fähre sowie eine Landemöglichkeit an beiden Ufern. Das erklärt Stadtarchivar Matthias Haupt im Gespräch mit der Redaktion. 

"'Urfahrn' gebe es häufiger als typischen Orts- und Flurnamen an Flüssen. So existiere im Gemeindegebiet von Soyen ein zweites "Urfahrn". 

Geschichtlicher Hintergrund zu "Urfahrn 1" aus dem Stadtarchiv:

  • Die erste urkundliche Erwähnung Urfahrns war im Jahr 1433, das Gut wurde auch "Die Mauttnerin" genannt. Bei dem abgelegenen Gebäude in "Urfahrn 1" handelte es sich wohl um ein altes Bauernhaus oder einer Art "Mautstation", in dem Überfahrten über den Inn genehmigt wurden. Es müsse laut Stadtarchivar Matthias Haupt aber nicht zwingend als Wohngebäude genutzt worden sein: "Urfahrn" könnte auch einen Stadl oder eine Scheune dargestellt haben. 
  • In den Unterlagen des Stadtarchivs wird in Bezug auf die Werder-Benefiziusstiftung mehrmals das "Gut Urfarn" erwähnt, das Oswalt Mauttner zu Katenperg im Jahr 1521 der Stiftung vermacht hatte. Das landwirtschaftliche Gut könnte, so vermutet der Stadtarchivar, für Zollentrichtungen oder Wegemaut für Überfahrten gedient haben. 
  • Mitte des 16. Jahrhunderts ist ein Streit dokumentiert wegen Ausschüttung von Getreide am Inn. Das könnte sich nach Haupts Ansicht ebenfalls auf "Urfahrn 1" beziehen. 
  • Ab 1860 finden sich zu dem Gebäude erste Bauunterlagen der Baupolizei. Der damalige Besitzer ließ den baufälligen Dachstuhl erneuern und schloss eine Brandversicherung ab. 
  • Im Jahr 1710 finden sich in alten Aufzeichnungen, dass "Urfahrn" wohl dem Kloster Attel angehörig war. 
  • Bis 1845 war die Stadt Wasserburg Eigentümer des "Guts Urfahrn", danach wurde es zu Privateigentum veräußert.
  • Viele Wasserburger können sich an eine Gaststätte erinnern. In den 1990er-Jahren befand sich in "Urfahrn 1" ein kleiner familiengeführter Gastronomiebetrieb. Das Schankrecht ist aber inzwischen verfallen. 

mb

Quelle: wasserburg24.de

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