Unterbringung der Wasserburger Museumsexponate 

Drei-Millionen-Projekt: So soll das Zentraldepot am Herder aussehen

+
So soll das Zentraldepot für die Wasserburger Museumsstücke aussehen. 

Wasserburg - "Was lange währt, wird endlich gut" - ein Spruch, der offenbar für das geplante Zentraldepot der Stadt Wasserburg nun doch noch gelten kann. Seit 2006 schwebt das Projekt über Stadt und Stadtrat, Architekten und auch ein Forschungsteam des Fraunhofer Instituts haben sich bereits daran versucht - ohne Erfolg.

Einer der größten Knackpunkte bei dem Projekt sind die Kosten von rund 3 Millionen Euro. Diese Kosten - kalkuliert im Jahr 2016 - seien geblieben, wie Bürgermeister Michael Kölbl in der Februar-Sitzung des Stadtrats erläuterte. Zum damaligen Zeitpunkt in einer schwierigen Finanzlage musste das Projekt jedoch zurückgestellt werden. Nun fließen die Gelder wieder und das Depot bekommt nach viel Hin und Her auch noch wider Erwarten Förderzuschläge - in Höhe von insgesamt rund einer Million Euro.   


"In der Haushalts-Sitzung habe ich bereits gesagt, wenn nicht jetzt ein Depot - wann dann? Die Notwendigkeit ist gegeben, zumal das Städtische Museum in der Herrengasse aus allen Nähten platzt und sanierungsbedürftig ist. Es geht langfristig nur mit einem Depot, wenn wir unsere Jahrhunderte alten Schätze zeitgemäß und klimatisch korrekt lagern und bewahren wollen. Auch in Anbetracht der sehr guten Haushaltslage, die voraussichtlich die kommenden zwei Jahre anhält, besteht kein Grund, länger zu warten", so der Bürgermeister.

Das städtische Museum in der Herrengasse. 

Zahlreiche Museumsstücke seien derzeit auf verschiedene Übergangs-Depots im ganzen Stadtbereich verteilt - als Notlösung. Ein neues, zentrales Depot soll diese zusammenführen und, weiterer wichtiger Punkt, die Exponate des Museums während der Sanierungsarbeiten aufnehmen. Entstehen soll der Neubau am Herder Forst 10 am Ortsrand der Innstadt. 


Alexander Schwab vom gleichnamigen Architekturbüro und Ingenieur Marcel L. Tonnar stellten die neuen Räumlichkeiten samt Technik im Rat vor. Es handle sich um einen "absolut optimierten Entwurf, in dem alle wirtschaftlichen Aspekte involviert" seien: 

  • Es soll ein nachhaltiges Gebäude auf 1300 Quadratmetern Nutzfläche werden, das im Hügel am Herder sitzt. Die Erderschließung verhindere Wärme- wie Kälteverlust. 
  • Ein Flachdach soll begrünt werden und Photovoltaik-Anlagen beinhalten. Das Dach sei minimal geneigt, sodass Staunässe durch Regenfälle vermieden werde. 
  • Da Wasser der größte Feind aller Kunst sei, werde es keine Sprinkleranlagen geben sondern nur Brandmelder und ein Meldesystem, das im Brandfall sofort die Feuerwehr alarmiert. Diese Bereitstellung koste 100 Euro mehr monatlich. 
  • Was Heizung und Lüftung anbelangt, so werde das Gebäude mit frischer Luft durchströmt. Ein ausgeglichenes Temperatur-Feuchte-Klima herzustellen sei die Quintessenz. 

Folgekosten und Zeitrahmen: 

Stadtbaumeisterin Mechtild Herrmann rechnet zu den Gesamtkosten von 3 Millionen Euro mit jährlichen Folgekosten von etwa 23.750 Euro für Wartungen, Strom, Reinigungskosten oder der Gebäudeversicherung. "Hier ist aber noch deutlich Luft nach unten, wir haben sehr sehr großzügig kalkuliert. Das Ganze wird sich im Laufe der Jahre einpendeln", betonte Herrmann. 

Zum möglichen zeitlichen Ablauf äußerte sich die Stadtbaumeisterin wie folgt: "Der Genehmigungsantrag läuft, intensive Arbeit wollen wir in die Auswahl der Fachplaner stecken. Dann kommt die Werkplanung und wir hoffen, mit den Ausschreibungen noch im Jahr 2019 beginnen zu können. Baubeginn ist ab 2020 angesetzt." 

Meinungen aus dem Stadtrat: 

Edith Stürmlinger (Bürgerforum) zeigte sich sichtlich erfreut, dass nach 13 Jahren nun endlich ein Maßnahmenbeschluss im Raum stehe. "Das Depot wird eine Bereicherung für unserer Kulturstadt Wasserburg." 

Für Lorenz Huber (Bürgerforum) klingt das alles sehr plausibel, er vermisse aber einen wichtigen Punkt: "Mittlerweile werden überall Wohnungen auf Gewerbe wie Supermärkte gebaut - mir fehlt mir hier ein Obergeschoss, dass für Wohneinheiten zur Verfügung steht. Wenn wir schon Fläche versiegeln, dann verbinden wir das doch mit Wohnen." 

Dies jedoch funktioniere laut Kölbl nicht, da an dieser Stelle am Herder kein Kanalanschluss vorhanden sei und das Depot selbst nur sehr geringe Abwassermengen verbrauche. Auf die Nachfrage von Dr. Hermann Budenhofer (Freie Wähler Reitmehring/Wasserburg) ob es statisch möglich sei, im Nachgang Wohnungen aufzustocken, antwortete Alexander Schwab, dass man das momentan nicht in die Statik eingerechnet habe, da der Fokus auf der Wirtschaftlichkeit gelegen habe. 

Markus Bauer (CSU) betonte, wenn er sich gerade die Folgekosten ansehe, so bewahrheite sich der Spruch "Was lange währt, wird endlich gut". Er sei froh, dass die Stadt in der Vergangenheit keinen voreiligen Schluss bei dem Neubauprojekt gezogen habe. In seinen Augen sei jetzt der richtige Zeitpunkt gekommen, das Depot zu errichten. 

Armin Sinzinger (Wasserburger Block) warf die Frage auf, ob man den Sauerstoffgehalt - lediglich in den Lagerräumen - so weit herunterschrauben könne, dass ein Brand gar nicht mehr enstehen könne. Diese Anregung werde Tonnar prüfen. 

Wolfgang Janeczka (SPD): "Im Grunde ist das wie bei der Drehleiter für die Wehren - man kann gar nicht dagegen stimmen - auch wenn ein Menschenleben freilich mehr Bedeutung hat als Museumsexponate." 

Dass jetzt der geeignete Zeitpunkt zur Umsetzung gekommen sei, der Meinung war auch Fraktions-Kollege Werner Gartner. "Wir haben jetzt die Gelder und Möglichkeit, die Objekte aus den Not-Depots zu retten und sind auf einem guten Weg." 

Dr. Christine Mayerhofer (SPD) bat die Verwaltung am Ende der Diskussion, in den Beschlussvorschlag aufzunehmen, dass man die Photovotaik-Anlagen durch die Stadtwerke errichten lassen solle, was auch der Bürgermeister begrüßte. Auch Christian Stadler (Grüne) war es wichtig, die Fläche für Photovoltaik-Anlagen auszunutzen. 

Marlene Hof-Hippke (SPD) brachte es auf den Punkt: "Jetzt haben wir eben keinen Ferrari aber einen tollen Mittelklassewagen." 

Der Beschluss: 

Die Räte brachten das neue Depot der Stadt Wasserburg einstimmig auf den Weg - was zum Schluss sogar den Bürgermeister im positiven Sinne überraschte. "Ein einstimmiger Beschluss freut mich umso mehr, das war eine richtungsweisende Entscheidung auf die lange Historie des Depots gesehen." 

mb

Quelle: wasserburg24.de

Kommentare