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Kulturförderung oft ein Spagat

Zuschuss für das Lieblingsfest der Wasserburger – Bauchschmerzen bei einem anderen Antrag

Menschen vieler Nationen und Kulturen feiern beim Lieblingsfest der Wasserburger gemeinsam.
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Menschen vieler Nationen und Kulturen feiern beim Lieblingsfest der Wasserburger gemeinsam.

Das Kulturleben war eines der größten Opfer der Pandemie. Viele Künstler leiden noch immer an den Folgen. Die Stadt Wasserburg hilft mit Zuschüssen. Doch wer wieviel bekommt, ist oft keine leichte Entscheidung.

Wasserburg - Gleich drei Anträge auf Zuschüsse für die Kultur standen auf der Tagesordnung des Haupt- und Finanzausschusses. Einfach fiel den Mitgliedern die Entscheidung zum Lieblingsevent vieler Wasserburger, dem Nationenfest. Es findet 2023 zum 30. Mal statt - ein Jubiläum, das mit einem besonderen Programm gefeiert wird. Unter anderem plant der Förderverein Aktionsbündnis Rio Konkret, der das Fest ausrichtet, eine dritte Bühne für Nachwuchskünstler und ein spezielles Musikprogramm. Auch eine Gruppe aus der rumänischen Partnerstadt Cugir hat sich schon angesagt.

Ehrenamtliche brechen weg

Einstimmig befürwortete der Ausschuss einen Zuschuss in Höhe von 5000 Euro für die Durchführung. Der Förderverein hatte seinen Antrag damit begründet, dass die Kosten für die Veranstaltung stark gestiegen seien. Außerdem fällt es laut Bürgermeister Michael Kölbl (SPD) immer schwerer, Ehrenamtliche zu motivieren, mit anzupacken bei Organisation und Durchführung. Helfer seien in den vergangenen zwei Pandemiejahren weggebrochen, bedauerte auch Werner Gartner (SPD).

„So vielfältig wie Wasserburg“

Dass eine Unterstützung notwendig ist, war im Ausschuss unumstritten. Kulturreferentin Edith Stürmlinger (Bürgerforum) nannte das Nationenfest ein „Aushängeschild von Wasserburg“. Hierbei präsentiere sich die Stadt aufgrund der vielen musikalischen und kulinarischen Angebote so wie sie sei: multikulturell und vereint im friedlichen Miteinander der Menschen aus unterschiedlichen Nationen.

Steffi König (Grüne) ergänzte: „Das Nationenfest ist so vielfältig wie Wasserburg.“ Heike Maas, Fraktionsvorsitzende von CSU-Wasserburger Block, würdigte die Veranstaltung als „das schönste Stadtfest, das wir haben“.

„Großartig“ sei es, betonte auch Gartner. „Eintritt zu erheben, das wäre ganz übel“, war sich der Ausschuss mit Armin Sinzinger (Wasserburger Block) deshalb einig. Rio Konkret als Veranstalter benötige eine finanzielle Hilfe, um das Fest im Ehrenamt aufgrund der gestiegenen Kosten überhaupt stemmen zu können. Einstimmig fiel deshalb das Ja zum Zuschuss von 5.000 Euro.

Förderung privater Initiativen eigentlich nicht möglich

Ganz anders die Situation beim Antrag der KuRa Kultur gGmbH. Das kleine „g“ steht für gemeinnützig. Hinter der Gesellschaft steckt Christopher Rakau, der das Wasserburger Klavierstudio betreibt und den Chor „The Heaven Singers“ leitet. Rakaus 2022 gegründete Kultur gGmbH beantragte von der Stadt die Übernahme von Defiziten bei Schülerkonzerten des Klavierstudios in Höhe von 725 Euro, die anteilige Übernahme der Wartungskosten für Instrumente des Studios in Höhe von 500 Euro, die Kostenbeteiligung am Projekttag des Chores in Höhe von 300 Euro sowie einen Zuschuss für die Entwicklung des Klavierstudios zur „Wasserburger Musikakademie“ in Höhe von 7500 Euro.

Rakaus Bemühungen um Musikpflege anerkennen

Die Stadt fördert die Musikpflege bereits - auf der Basis vertraglicher Vereinbarungen und nach vorherigen Beschlüssen des Stadtrates, so Kölbl.

Unter anderem würden in diesem Zusammenhang Räume wie der Rathaussaal oder die Badria-Halle bereitgestellt, eigene Veranstaltungen wie die Volksmusiktage oder das Adventssingen durchgeführt, die Stadtkapalle unterstützt, der Musikunterricht an der VHS gefördert oder Veranstaltungen wie der Klaviersommer bezuschusst. Doch weder für den Unterhalt fremder Instrumente noch für die Förderung von Schülerkonzerten oder Projekttagen der Kultur gGmbH gebe es entsprechende Beschlüsse.

Die Musikakademie sei bisher noch nicht Thema im Stadtrat und seinen Gremien gewesen. Sie soll im Neubau der Adventgemeinde am Burgstall integriert werden. Fazit des Bürgermeisters: Die isolierte Förderung privater Initiativen auch unter dem Dach als gemeinnützig anerkannter Organisationen sei nicht möglich. Auch Steuermittel dürften dafür nicht verwendet werden, so Kölbl.

Trotzdem sollte die Stadt die Bemühungen von Rakau um die Musikpflege anerkennen und einen Weg finden. Die Verwaltung schlug deshalb vor, als Anschubfinanzierung einen Zuschuss in Höhe von 2000 Euro aus den Mitteln der Anna-Klammer-Kulturstiftung bereitzustellen.

Zuschuss nur aus Stiftungsmitteln

„Warum sollen wir einen Einzelunternehmer oder Solo-Selbstständigen fördern?“, fragte Wolfgang Janeczka (SPD). 2000 Euro seien ein Haufen Geld, kulturell sei Rakau bisher nicht besonders in Erscheinung getreten, fand er.

Janeczka sah die Gefahr eines Präzedenzfalles, andere private Kulturtreibende könnten sich ebenfalls mit der Bitte auf Zuschuss melden. Kölbl betonte jedoch, Rakau müsse die ordnungsgemäße Verwendung des Zuschusses nachweisen. Kontrolle sei deshalb da.

Heike Maas, Fraktionsvorsitzende von CSU-Wasserburger Block, teilte die Einschätzung von Janeczka bezüglich Rakaus Beitrag zum Kulturleben nicht. Dessen Gospelchor werde gut angenommen, die Auftritte seien sehr beliebt. Der Zuschuss bleibe außerdem eine einmalige Sache.

Die Kulturreferentin fand ebenfalls, die 2000 Euro seien förderwürdig und weit von der Summe des ursprünglichen Antrags entfernt. Rakaus Chor trete kulturell sehr wohl in Erscheinung, die Gemeinnützigkeit müsse er nachweisen. Ist die Summe trotzdem zu hoch? Mit fünf Ja- und vier Nein-Stimmen fiel die Entscheidung knapp für die 2000-Euro-Bezuschussung aus.

Schnelles Ja zum Zuschuss für den Gimplkeller

Keine Probleme hatte der Ausschuss dagegen mit dem Zuschussantrag des Kulturkreises. Der Verein wünschte die Übernahme der Miete für den Gimplkeller - für 2023 und 2024 gibt es von der Stadt je 5900 Euro.

Der frühere Narrenkeller, der lange leer gestanden hatte, entwickelt sich zu einem beliebten Kleinkunstzentrum. Betreiber ist der Kulturkreis, ein Verein, in dem sich kulturell tätige Gruppierungen zusammengeschlossen haben. Gartner nannten den Gimplkeller ein „kleines Mosaiksteinchen des großen Kulturlebens in der Stadt, aber wenn es fehlt, ist ein Loch da.“

Maas sprach von einem „fairen Angebot für Kulturschaffende“, Janeczka von einem „mikrokulturellen Kosmos“ mit großer Bedeutung für Wasserburg. Stürmlinger unterstrich, dass hier für eine Miete von 50 Euro pro Veranstaltung auch junge aufstrebende Künstler auftreten könnten, die die Chance hätten, die kompletten Einnahmen zu behalten.

Alle, die sich für die Stätte engagieren würden, seien im Ehrenamt tätig. Auch die Grundschule nutze die Räume für den Theaterkurs, das hier ebenfalls regelmäßig stattfindende Kasperltheater entwickle sich sehr gut. Mit der Bezuschussung der Miete durch die Stadt sei der Gimplkeller für weitere zwei Jahre gesichert.

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