"quer" berichtet über die Tragödie am Viehhausener Bahnübergang 

"Zwei tote Mädchen sind Grund genug, um ernst genommen zu werden"

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Mit emotionalen Bildern berichtete die BR-Sendung "quer" über Viehhausen und den unbeschrankten Bahnübergang, an dem erst vor vier Wochen eine junge Frau ihr Leben verlor. 
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Wasserburg/Edling - Angehörige und Freunde der verstorbenen 24-Jährigen kamen am Donnerstagabend in der BR-Sendung "quer" zu Wort. Im Fokus stand die von den Viehhausener geforderte Bahnschranke - damit es nicht erneut zu einem tödlichen Unfall kommt. 

"Sicherheit ist wichtig. Umso eigenartiger und schmerzlicher ist es, dass die ganz konkrete Sicherheit von einer Institution wie der Bahn offenbar auch dann nicht an erster Stelle steht, wenn es ums Leben geht." Mit diesen Worten leitet "quer"-Moderator Christoph Süß den Beitrag zur Viehhausener Bahnschranke ein. 

Täglich passieren zahlreiche Autos den unübersichtlichen Bahnübergang in Viehhausen zwischen Edling und Reitmehring. Am Morgen des 9. Juni 2018 kollidierte das Auto einer jungen Frau mit einem Regionalzug - obwohl die Ampelanlage mit einem roten Blinklicht warnte. Die 24-jährige Wasserburgerin war auf der Stelle tot. Es war der zweite tödliche Unfall innerhalb von fünf Jahren an dieser Stelle.

Kölbl: "Ich bin sicher, dass der Bahnübergang beschrankt wird" 

"Ich weiß ganz genau, was ich um neun Uhr gemacht habe in der Arbeit", erzählt die Mutter der 24-Jährigen Katharina mit zittriger Stimme vor den Kameras. "Ich kann mich nicht von dem Gedanken lösen, dass wenn damals nach dem ersten Unfall die Schranke gebaut worden wäre, wäre meine Tochter noch am Leben."

Zweit Tote in fünf Jahren, die Viehhausener sind geschockt, heißt es weiter in dem Beitrag. Anwohner und Angehörige fordern erneut dringend Sofortmaßnahmen von Gemeinde und Bahn. Mit einer Petition, die Initiator Hans Peter Bubb erst vergangene Woche Wasserburgs Bürgermeister und dem Stadtrat übergeben hat, wollen sie erreichen, dass der Bahnübergang mit einer Schranke gesichert wird. Fast 6.000 Menschen haben schon unterschrieben. "Wir wollen nicht wieder, dass die Sache nach ein paar Monaten vergessen wird, wir wollen jetzt wirklich eine Änderung", betont Bubb vor den Fernsehkameras. 

Wasserburgs Bürgermeister Michael Kölbl hat auf die Petition reagiert. Er setzt große Hoffnungen auf einen runden Tisch am 16. Juli. "Ich bin sicher, dass der Bahnübergang beschrankt wird", so Kölbl gegenüber "quer". Lediglich bei der Geschwindigkeit, da habe er Bedenken, dass das innerhalb eines Zeitraums von drei Jahren ablaufe. Zeit, die noch mehr Opfer kosten könnte

Täglich 2.225 Autos - eine zu geringe Zahl für eine Schranke? 

Kann es tatsächlich so schwierig sein, in Viehhausen eine Schranke zu bauen? "Ja", sagt die die Bahn und nennt Gründe. Schranken seien an Übergängen vorgesehen, wenn der Übergang täglich von mehr als 2.500 Fahrzeugen gekreuzt wird. In Viehhausen aber würden nur 2.225 Autos den Übergang passieren - 275 Autos zu wenig. Zudem sei der Viehhausener Bahnübergang rechtens und technisch gesichert. Die gesetzlichen Vorgaben seien, so heißt es in dem Beitrag weiter, nicht auf der Seite der Viehhausener. Nicht zu vergessen, die Kosten von 350.000 bis 500.000 Euro, die der Nachbau einer Schranke mit sich bringen würde. 

Die Statistik besagt außerdem, dass Unfälle an Bahnübergängen zurückgehen würden. 3.100 unbeschrankte Bahnübergänge gibt es in Bayern. Die Zahl der Unfälle nehme stetig ab, doch "was sind Statistiken, wenn es Orte wie Viehhausen gleich zweimal trifft?

Die Bahn hat auch schon auf Nachfrage unserer Redaktion Stellung zu dem Unglück genommen - und in dem Zusammenhang auf die Zahl an Unfällen an Bahnübergängen verwiesen, die "auf niedrigstem Niveau liege". Des Weiteren wurden wir über das richtige Verhalten an Bahnübergängen aufgeklärt - unter anderem durch die Aufklärungskampagne der Bahn, "sicher drüber"

Angehörige und Freunde kämpfen weiter

Für eine Freundin beider Unfallopfer klinge das "wie Hohn". "Wir fühlen uns abgespeist und im Stich gelassen, einfach nicht ernst genommen. Ich finde wirklich, zwei tote Mädchen sind Grund genug, um ernst genommen zu werden", sagt sie mit gebrochener Stimme vor den Kameras. 

Auch Katharinas Familie will weiter Druck machen, bis die Schranke steht. "Wir müssen mit diesem Schmerz weiter leben. Aber ich möchte nicht, dass einer anderen Mutter, einem anderen Vater so ein schreckliches Leid passiert", flüstert die Mutter der 24-Jährigen abschließend mit tränenerstickter Stimme. 

mb

Quelle: wasserburg24.de

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