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Erneut Panne im Kampf gegen Corona

Wasserburger Internist sauer: „Ich muss um Impfstoff betteln“

Eine der ersten Patienten, die Thomas Wilsmann in Wasserburg geimpft hat: Marian Jesionek, 79, gehört zu den Glücklichen, die die Spritze erhielten.
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Eine der ersten Patienten, die Thomas Wilsmann in Wasserburg geimpft hat: Marian Jesionek, 79, gehört zu den Glücklichen, die die Spritze erhielten.

Mit viel Elan war der Wasserburger Internist Thomas Wilsmann in die Impfkampagne der niedergelassenen Ärzte gestartet. Doch bereits Ende der zweiten Wochen wird er ausgebremst. Die versprochene Liefermenge an Impfdosen kommt nicht.

Wasserburg – Thomas Wilsmann ist verärgert: „Das ist eine Unverschämtheit.“ Er habe für kommende Woche eine Zusage über vier Flaschen mit je sechs Dosen, insgesamt also 24 Portionen, erhalten. Am Donnerstag habe seine Lieferapotheke jedoch mitgeteilt, dass nur eine Flasche, also sechs Portionen Biontech, auslieferbar seien.

Team musste Patienten absagen

Den bereits einbestellten Patienten habe sein Team nun absagen müssen – „eine Hiobsbotschaft für die Betroffenen“, sagt Wilsmann. Die Mitarbeiterinnen mussten mit Reaktionen zwischen Wut und Enttäuschung fertig werden. „Es gab viel Erklärungsbedarf“, berichtet Wilsmann – wobei: „Wir haben ja gar keine Erklärung parat.“ .

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Er spricht von einem „denkbar schlechten Signal in einer schwierigen Phase der Pandemie“. Die Impfbereitschaft sei hoch. Viele Menschen würden auf die Spritze als Chance für eine wieder zu erlangende Normalität hoffen. Die Patienten hätten deshalb erleichtert bis euphorisch auf die Tatsache reagiert, dass endlich auch bei vielen Hausärzten geimpft wird.

Die Warteliste umfasst in Wilsmanns Praxis in der Burgau 150 Interessenten. An einem Tag habe er sogar in seiner gesamten Arbeitszeit nur die Spritze gesetzt, um möglichst viele Patienten zu versorgen.

„Jetzt müssen wir betteln, um was zu kriegen. Das ist eine unzumutbare Belastung. Erst werden wir Hausärzte als die Retter angepriesen, dann im Regen stehen gelassen.“

Apotheker reagieren „entsetzt“

Elke Wanie, Sprecherin des Bayerischen Apothekerverbands für den Landkreis Rosenheim, bestätigt die Lieferprobleme. „Entsetzt“ hätten sie und ihre Kolleginnen und Kollegen auf die Tatsache reagiert, dass nächste Woche nur etwa die Hälfte der reservierten Impfstoffe ankomme.

„Das ist jedoch nicht die Schuld der Apotheken“, sagt sie. Beim Großhandel hake es anscheinend.

Dass nicht alles, was bestellt, auch geliefert wird, bestätigt auch Axel Heise, Pressesprecher der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns (KVB). Bereits in der ersten Woche des Impfstarts in den Praxen der niedergelassenen Ärzte seien in Deutschland 1,4 Millionen Dosen bestellt, jedoch nur 940.000 ausgeliefert worden, berichtet er.

Nicht alle niedergelassenen Ärzte können nach seinen Erfahrungen damit rechnen, dass sie die Maximalmenge von 48 Dosen pro Woche auch bekämen.

KVB erinnert an die Zusagen

Wünschenswert wäre es jedoch. Wie wichtig die Mitwirkung der niedergelassenen Ärzte ist, zeigt nach Angaben von Heise die aktuelle Statistik des Robert-Koch-Instituts (RKI): Die Zahl der Impfungen steigt seit dem Einstieg der niedergelassenen Ärzte extrem.

Am Dienstag erhielten in Deutschland 372 506 Menschen die Spritze. Donnerstag , als die Haus- und Fachärzte schon intensiv mitwirkten, bereits 719 927 an einem Tag, so die KVB.

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Der Vorstand hatte noch vor wenigen Tagen in einer Pressemitteilung angedeutet, dass es bei den Lieferungen auch holprig zugehen kann und die Patienten um „Nachsicht mit dem Personal“ in den Praxen und Geduld gebeten: „Wir hoffen, dass die Impfzusagen der Hersteller in Zukunft eingehalten werden, da die Impfstofflieferungen bis auf weiteres der Flaschenhals der Impfkampagne bleiben. Ist die kontinuierliche Versorgung mit Vakzinen sichergestellt, ist der schnellste Weg zur sogenannten Herdenimmunität die Verimpfung aller verfügbaren Impfstoffe über uns Niedergelassene.“

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Verteilung der Impfdosen läuft über Apotheken

Könnte die Tatsache, dass es jetzt auch bei der Lieferung des Impfstoffes an die niedergelassenen Ärzte hapert, daran liegen, dass die Impfzentren bevorzugt werden? Eine Frage, die sich auch Wilsmann stellt. Das Landratsamt Rosenheim als Träger des Impfzentrums betont: „Landratsamt, Stadt oder Gesundheitsamt sind hier nicht involviert. Wir haben keinen Einfluss darauf.“

Die Verteilung der Impfdosen an die Hausärzte laufe über die Apotheken. Die Verteilung an sie werde zentral über den Freistaat Bayern gesteuert.

Der Bund hatte für die Kalenderwoche 16 rund eine Million Biontech-Impfdosen für die Praxen verkündete. Doch jetzt sollen nur 463.000 an die Niedergelassenen gehen, so Meldungen in den Medien. Bis Redaktionsschluss lag die Antwort auf eine Anfrage der Wasserburger Zeitung beim Bundesgesundheitsministerium zu den Gründen nicht vor.

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