Doppelschichten und Urlaubsverzicht

Wasserburger Seniorenheime befinden sich in einem kräftezehrenden Kampf gegen Corona

Nach wie vor hat die Pandemie die Altenheime in Wasserburg fest im Griff. Besonders hart betroffen: der Altbau des Betreuungszentrums. Hier sind seit Mitte Dezember sechs Bewohner an und mit Corona verstorben.

Wasserburg – Wie ist derzeit die Pandemie-Lage in den Wasserburger Senioren- und Pflegeheimen? Eine Umfrage der OVB-Heimatzeitungen zeigt große Unterschiede. Während in der Burg und im Pflegeheim „St. Konrad“ derzeit „alles in Ordnung“ ist, meldete das Betreuungszentrum Wasserburg, dass in dieser Einrichtung seit dem 14. Dezember gegen schwere Corona-Infektionen gekämpft wird. 54 von insgesamt 130 Bewohnern des Betreuungszentrums seien in den vergangenen Wochen an Corona erkrankt, außerdem 36 Mitarbeiter. Alle erkrankten Bewohner leben im Altbau der Einrichtung. Sechs Verstorbene mit Covid-19 wurden hier betrauert.

Pflegekräfte sind über sich hinausgewachsen

Einrichtungsleiter Hamo Merdan ist die Belastung der vergangenen fünf Wochen anzumerken. Jeden Tag war er im Einsatz, koordinierte neben vielem anderen die Mitarbeiter die Corona-Tests, traf Absprachen mit der Heimaufsicht im Landratsamt, dem Katastrophenschutz und dem bayerischen Pflegepool. „Wir hatten und haben von diesen Stellen gute Unterstützung“, lobt Merdan. Ganz besonders hat ihn in diesen schweren Wochen aber der Einsatz der eigenen Leute begeistert: „Jeder, aber wirklich jeder hat hier mitgeholfen und so mancher ist weit über sich hinausgewachsen.“

Die Familien Krohn und Leitmannstetter hätten sogar an den Weihnachtsfeiertagen viele Stunden aktiv im Betreuungszentrum mitgearbeitet. „Ein Träger, der wirklich trägt“, zollt er ihnen Respekt. Aber auch die sieben Pflegeschüler hätten weit mehr geleistet, als es Auszubildende normalerweise tun würden und auch das Reinigungspersonal hätte neben seiner ursprünglichen Tätigkeit noch Essen verteilt oder andere Dienste verrichtet. „Kollegen haben freiwillig ihren Urlaub geschoben oder Doppelschichten übernommen“, betont Merdan ausdrücklich. Vom Katastrophenschutz unterstützten in der schlimmsten Zeit drei junge Bundeswehrsoldaten das Team. Sie halfen bei Botengängen. Vom Pflegepool kam eine Mitarbeiterin, die noch bis zum 25. Januar bleiben wird.

Licht am Ende des Tunnels

„Jetzt sehen wir wieder Licht am Ende des Tunnels“, atmet der Einrichtungsleiter auf. Inzwischen sind viele Erkrankte wieder genesen. Die allermeisten seien zum Glück nicht schwer betroffen gewesen. Aktuell gelten noch 18 Bewohner und 14 Mitarbeiter als Corona positiv. Merdan hofft, dass bald alle wieder gesund sind. Am 25. Januar werden die Betroffenen wieder getestet.

Im Neubau des Betreuungszentrums gab es keine Corona-Fälle und auch nicht in der Burg, wo Merdan ebenfalls Einrichtungsleiter für das Pflegeheim „Maria Stern“ ist. Dort war es ja im vergangenen Jahr zu einem Corona-Ausbruch gekommen. Damals waren zehn Menschen gestorben.

Das Caritas Altenheim „St. Konrad“ blieb bisher von dem Virus verschont. Dort wird – wie auch in den anderen Wasserburger Pflegeheimen – momentan mit aller Vehemenz getestet. „An sechs Tagen in der Woche werden bei uns Corona-Schnelltests durchgeführt“, erklärt Heimleiter Franz Bachleitner auf Nachfrage. Montags, mittwochs und freitags werden Mitarbeiter getestet. „Das sind jedes Mal knapp 30 Personen.“ Dienstags, donnerstags und samstags werden Besucher mit dem Teststäbchen untersucht. „Das sind etwa 25 an jedem Tag“, rechnet Bachleitner vor.

Teststäbchen-Prozedur gehört zum Alltag

Er setzt auf diese Schnelltests, die seiner Meinung nach „hochsensibel reagieren und sehr wirksam sind.“ Jeder Besucher, der sich diesem Schnelltest unterzieht und ein negatives Testergebnis erhält, hat dann für 48 Stunden die Möglichkeit, seinen Angehörigen zu besuchen. Dann muss er sich für einen weiteren Besuch wieder neu testen lassen. „Und so testen wir uns von Woche zu Woche“, beschreibt es der Heimleiter.

Auch die Bewohner, die regelmäßig zu Spaziergängen, Einkäufen oder Besuchen unterwegs sind, werden regelmäßig getestet und wer innerhalb des Hauses viele soziale Kontakte pflegt, der muss auch immer mal wieder die Prozedur mit dem Teststäbchen über sich ergehen lassen. Oder der gesamte dritte Stock. Der war am vergangenen Dienstag dran.

Impfungen kommen voran, bündeln aber auch viele Kräfte

Die erste Charge an Corona-Impfstoff ist in den Wasserburger Pflegeheimen bereits verimpft. Sowohl „St. Konrad“ als auch das Betreuungszentrum und „Maria Stern“ haben ihren Bewohnern die erste Impfung ermöglicht. Im Betreuungszentrum steht der Termin für die zweite Impfung fest: Sie soll am Freitag, 22. Januar, stattfinden, am Dienstag dieser Woche kam definitiv die Zusage vom Impfzentrum Rosenheim. In „St. Konrad“ soll die zweite Charge am 30. Januar folgen. Bisher weiß Heimleiter Buchleitner noch nicht endgültig, ob dann auch genügend Impfstoff bereit steht.

Alle drei Wasserburger Pflegeheime und auch der Betreuungshof Rottmoos beklagen, dass die Impfungen mit einem enormen Verwaltungsaufwand verbunden seien. Für viele Bewohner müssen sie eine Einverständniserklärung der Angehörigen oder Betreuer zum Impftermin vorlegen. Das sei ganz normal, berichten die Verantwortlichen, aber erschwerend komme hinzu, dass die Angehörigen und Betreuer oft mehrmals angeschrieben werden mussten, da sich die zu verschickenden Infoblätter innerhalb kürzester Zeit drei mal geändert hätten. Einrichtungsleiter Hamo Merdan bekam zudem erst am 30. Dezember Bescheid, dass das mobile Impfteam am 1. Januar im Betreuungszentrum erscheinen würde. „Da wurde den Angehörigen schon viel zugemutet“, findet Merdan.

Die Impfmoral in den Pflegeheimen bezeichnen die Leiter als gut. Das Impfserum werde sehr umsichtig eingesetzt. „In eine Ampulle passen sechs Impfeinheiten, bei uns blieben drei übrig, nachdem alle impfwilligen Bewohner verarztet waren. Daraufhin wurden die drei übrigen Impfdosen Mitarbeitern gespritzt, die eigentlich erst später im Impfzentrum versorgt werden sollen“, berichtet Buchleitner. Merdan bestätigt diese Vorgehensweise aus seinen Einrichtungen: „Beim Impfstoff wird nichts verschwendet.“ Wer schon Corona gehabt hat, wird derzeit auch nicht geimpft, bestätigen beide.

Rubriklistenbild: © Sebastian Gollnow

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