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Gegen To-Go-Müll

Wasserburger Wirte wollen Mehrweggeschirr erst nach der Corona-Krise

Die Lokale haben wegen Corona zu, die Menschen nehmen das Essen mit und verzehren es daheim oder auf der Parkbank. Der To-go-Müll hat in Wasserburg durch die Pandemie Überhand genommen. Einem Mehrwegsystem für Mitnahmegeschirr stehen die Gastronomen grundsätzlich aufgeschlossen gegenüber. Jedoch nicht in der Corona-Krise, die die Branche in arge Bedrängnis gebracht hat.
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Die Lokale haben wegen Corona zu, die Menschen nehmen das Essen mit und verzehren es daheim oder auf der Parkbank. Der To-go-Müll hat in Wasserburg durch die Pandemie Überhand genommen. Einem Mehrwegsystem für Mitnahmegeschirr stehen die Gastronomen grundsätzlich aufgeschlossen gegenüber. Jedoch nicht in der Corona-Krise, die die Branche in arge Bedrängnis gebracht hat.

Der To-Go-Müll hat auch in Wasserburg in Zeiten der Pandemie ausufernde Ausmaße angenommen. Darum macht sich der Umweltausschuss stark für ein Mehrwegsystem für die Gastronomie. Die Wirte sind aufgeschlossen, aber wollen sich in der Corona-Krise in kein Gruppen-Projekt zwängen lassen.

WasserburgTo-go-Mehrweggeschirr? Ja, gerne, sagen die Wasserburger Gastronomen. Aber bitte nicht jetzt und nicht unter Zwang für alle. Das ist die Quintessenz einer Umfrage unter den Wasserburger Wirten, die Klimaschutzmanager Josef Allio und Wolfgang Helmdach vom WFV durchgeführt haben.

Keiner zu Gruppenprojekt bereit

Allio informierte den Umweltausschuss in seiner Sitzung am Donnerstagabend über den Sachstand. „Die Gastronomen wollen was tun und sich das für die Umwelt verbessern. Aber wegen Corona ist keiner bereit, sich in ein Gruppenprojekt einbinden zu lassen“, so Allio. Die Branche sei durch die Pandemie sehr belastet und wolle sich daher nichts auferlegen lassen.

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Er und Helmdach haben sich in diesem Zuge eingehend mit drei Takeaway-Pfandsystemen beschäftigt: Recup (Pfand-Kaffeebecher, die es in Wasserburg und vielen anderen Städten bereits gibt), Recicrle (deutschlandweites Mehrwegsystem für die Gastronomie) und Rebowl (Mehrwegschüsseln). „Keiner der Anbieter hat eine Lösung für Pizza zum Mitnehmen“, so Allio. Das Schüsselsystem mit ,Rebowl‘ etwa sei nicht für jeden Wirt geeignet.

Keine Handhabe, Einweggeschirr zu verbieten

„Einige haben allerdings längst auf Eigeninitiative individuelle Rücklauf-Systeme eingeführt. Viele haben das Thema mangelnde Hygiene bei mehrfacher Nutzung sorgenvoll im Blick“, so der Klimaschutzmanager. In Großstädten gebe es Systeme, in denen die Kunden ihr benutztes Mehrweggeschirr einfach in Sammelboxen legen können und dann wird das Geschirr abgeholt, professionell gereinigt und wieder an die Wirte umverteilt.

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Norbert Buortesch (Bürgerforum) wollte wissen, ob es für die Stadt eine rechtliche Handhabe gebe, Einweggeschirr zu verbieten. „Nein“, sagte Bürgermeister Michael Kölbl (SPD). Nur bei Festen und Märkten sei man in der Lage, laut Sondernutzungsvereinbarung zu Mehrweg und Pfand zu verpflichten.

Er hielt fest, „unsere Wirte haben ein Bewusstsein für das Thema. Aber sie haben eben auch mehr Vertrauen ins eigene Geschirr und die eigene Hygiene ihrer Häuser. Aber ich denke, das Mehrweggeschirr wird mehr und mehr kommen.

Zögern der Wirte nachvollziehbar

„Es ist nachvollziehbar, dass die Gastronomen derzeit zögerlich sind“, sagte Bettina Knopp (Grüne). Sie fragte nach den Möglichkeiten der Stadt. „Können wir einen Zuschuss geben für eine Erstausstattung an Mehrweggeschirr?“

Kölbl erklärte, wie damals bei der Einführung des „Recups“ könne die Stadt einen Satz kaufen und dann ins „Zirkelsystem reingeben“, das man erstmal schaffen müsste. Über einen Anschub für eine allgemeine Erstausstattung könne man auch sprechen. „Aber wir brauchen eine Einheit von Wirten, die da mitmacht. Einzelne dürfen wir nicht fördern“, so Kölbl.

Speisen sind kein Massenprodukt

Der Recup mit der Silhouette der Stadt Wasserburg ist längst ein Sammlerstück.

Zum Thema „Recup“ sagte Allio, hier handle es sich – im Gegensatz zu Speisen – um einen „immer flüssigen Inhalt“. Essen sei bei der Vielfalt der Wirte ein sehr variierendes Produkt.

„Unsere Gastro bietet so unterschiedliche Speisen an. Von Fisch, bis Suppe über feine Menüs und so weiter. Die Betreiber wollen ihr Essen auch individuell schön ausgarnieren und stimmig verpacken. Die Speisen sind daher kein Massenprodukt wie eine Tass’ Kaffee“, gab Kölbl zu bedenken.

Wasserburg-Recup ist heute ein Sammlerstück

„Man müsste alle Wirte unter einen Hut bringen. Das halte ich für die Quadratur des Kreises – bei dieser Heterogenität“, sagte Wolfgang Schmid (CSU). Die meisten seien zudem Einzelkämpfer.

Burger zum Mitnehmen gibt es meist aus Einwegverpackungen – auch in Wasserburg.

„Der spezielle Recup-Wasserburg-Becher ist heute schon ein Sammlerstück und kaum mehr im Umlauf zu finden. Die anderen Städtebecher der teilnehmenden Orte sind sehr viel häufiger zu sehen. Eine eigene Wasserburg-Rebowl werden wir niemals erreichen. Damals beim ,Recup‘ waren wir zur richtigen Zeit dabei, als die Firma noch ein kleines Startup war, da war das noch möglich“, erklärte Allio. Beim „Recup“ bezahlen die teilnehmenden Gastronomen eine Art monatlichen Clubbeitrag und dann separat für die Becherabnahme.

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Je mehr man abnimmt, umso günstiger werden die Cups. Knopp zeigte sich enttäuscht, sie hätte sich über die Wasserburg-Bowl gefreut.

Pfandmarke für Einweggeschirr

Dr. Martin Heindl (SPD) fragte, was, wenn man nur noch 100-prozentig recyclebare Verpackungen zulassen würde. „Der Wirt gibt sie mit Pfandmarke aus, der Kunde gibt die Schachteln dort zurück, wo sie ausgegeben wurde.“

Laut Kölbl „wäre das unser aller Wunsch. Aber wir haben da keine Handhabe, das müsste der Gesetzgeber durchsetzen“.

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Allio warf ein, dass der Wirt hierzu keinen Anreiz habe. „Er hat damit mehr Arbeit und muss auch noch selber entsorgen“, so der Klimaschutzmanager. Heindl fand, dann sollte man den Gastronomen eben dafür einen finanziellen Anreiz geben. Jedoch gebe es Allios Wissen nach keine 100-prozentig recyclebare Pfandware.

Umdenken beim Einkaufen: Leute bringen Tüten mit

„Bei einer Förderung müssen alle gleich behandelt werden“, wiederholte Kölbl hier noch einmal. Allio betonte, die Gastronomen müssten eben auch dabei sein und entscheiden, welches System sie wollten.

Knopp ließ nicht locker und beharrte auf ihrem Wunsch, selbst das individuelle Mehrweggeschirr „anzuschieben“. So habe etwa das Herrenhaus teure Weck-Gläser angeschafft. „Das könnte man unterstützen.“

Buortesch sagte, er sei froh, dass man sich mit den Wirten austausche und über das Thema spreche. „Auch wenn die Initiative erstmal nichts geworden ist, danke ich für das Engagement“, sagte er zu Allio. Er beobachte bei vielen Nutzern und Kunden inzwischen ein Umdenken beim Einkaufsverhalten. „Die Leute bringen ihre eigenen Tüten mit und die Einmal-Plastiktüte ist kein Thema mehr.“

Allio ist Ansprechpartner

Der Umweltausschuss warb dafür, dass die Gastronomen in Sachen Mehrweggeschirr unbedingt in Austausch mit Klimaschutzmanager Allio bleiben sollen. „Wer Fragen hat, kann zu ihm gehen“, so Kölbl.

Ein Beschluss war für diesen Tagesordnungspunkt nicht nötig.

Aus dem Bundestag

Während in Wasserburg der Umweltausschuss tagte, beschloss in Berlin am Donnerstagabend der Bundestag, dass Gastronomen ab 2023 dem Kunden, der Speisen und Getränke zum Mitnehmen abholt, Mehrwegverpackungen anbieten müssen – als Alternative neben Einweggeschirr. Ausnahmen gelten allerdings für kleinere Gastronomiebetriebe, die maximal 80 Quadratmeter groß sind und nicht mehr als fünf Beschäftigte haben.

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