"Der Mensch steht im Vordergrund"

Ausbildung: Bundesagentur für Arbeit zeichnet Firma Hörl Kunststofftechnik aus

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Zertifikat für ausgezeichnete Nachwuchsförderung. Von links: Thomas Hörl, Luise Enzinger, Martin Gnadl (Ausbildungsbetreuer), Markus Jung (Assistent der Geschäftsführung), Michael Passinger, Jutta Müller und Franz Praxenthaler. 

Laufen / Lepperding - Von derzeit 255 Mitarbeitern stehen bei der Firma HÖRL 47 in Ausbildung. "Dieser Anteil ist enorm", sagt Jutta Müller über die Firma Hörl. Doch das ist nicht allein der Grund für eine ganz besondere Auszeichnung, denn aus Sicht der Agentur für Arbeit punktet der Laufener Kunststoffbetrieb in praktisch allen Bereichen. 

Jutta Müller als Vorsitzende der Geschäftsführung in der Agentur für Arbeit war zusammen mit ihrer Kollegin und Arbeitgeberbetreuerin Luise Enzinger nach Lepperding gekommen, um das Zertifikat "Ausgezeichnete Nachwuchsförderung" zu überreichen. Die Einbeziehung der Mitarbeiter, Beständigkeit, Nachhaltigkeit, Familienfreundlichkeit, Industrie 4.0 und anderes mehr fließe in die Beurteilung der Betriebe ein. Maximal ein Betrieb wird pro Landkreis und Jahr für sein "hervorragendes Engagement in der Ausbildung" ausgezeichnet. "Manchmal auch gar keiner", erklärt Müller. Arbeitgeberbetreuer und -betreuerinnen wie Luise Enzinger machen sich ein Bild von den Betrieben, recherchieren in deren Internetauftritten und diskutieren ihre Eindrücke untereinander. "Die Firma Hörl trifft in allen Punkten ins Schwarze", lobt Enzinger und Müller ergänzt: "Hier steht zweifellos der Mensch im Vordergrund."

Jeder hat bei der Firma Hörl eine Chance

Denn die Firma nehme sich auch jenen Lehrlingen an, die sich nicht so leicht täten. "Wir suchen nicht nur die Elite", sagt Thomas Hörl als einer der beiden Geschäftsführer, "wir wollen eine gesunde Mischung." So absolviere derzeit ein Flüchtling aus dem Nordirak recht engagiert seine Ausbildung. Alljährlich räumen Auszubildende von Hörl zwei bis drei Staatspreise ab, beenden ihre Ausbildung also mit der Note 1,5 oder besser. Darauf ist insbesondere Ausbildungsleiter Michael Passinger stolz.

Gute Übernahmechancen und attraktive Arbeitszeitmodelle

"Bei uns hat Ausbildung einen hohen Stellenwert", betont der zweite Geschäftsführer, Franz Praxenthaler. Mit ein Grund: "Der Arbeitsmarkt für Fachkräfte ist leergefegt." Hörl bietet fast allen Auszubildenden eine Weiterbeschäftigung an und die Treue der Mitarbeiter ist entsprechend groß. Das Durchschnittsalter liegt nicht zuletzt wegen der hohen Zahl an Lehrlingen bei 33 Jahren. "Aber wir wollen auch ältere Beschäftigte mitnehmen", sagt Praxenthaler. Dafür bietet Hörl unterschiedliche Arbeitszeitmodelle. "Wir schauen, was möglich ist." Ungelernte oder Menschen aus anderen Berufen können sich binnen eines Jahres zum Maschinen- und Anlageführer ausbilden lassen. Eine weitere Schiene neben den klassischen drei Ausbildungsgängen Werkzeugmechaniker, Verfahrensmechaniker und Elektroniker. Für Jutta Müller ist Beständigkeit ein wichtiges Kriterium, hier bei Hörl erkennt sie kein "Strohfeuer." Dazu kommt: "Qualifizierung ist ein stetiger Prozess". Seit zwei Jahren arbeitet Hörl mit der Fachhochschule Rosenheim in einem dualen Studium zusammen.

Großes Einzugsgebiet

Die Traunsteiner Agentur für Arbeit ist zuständig für vier Landkreise mit insgesamt rund 14 000 Betrieben. Lediglich zwei Prozent davon beschäftigen 250 oder mehr Mitarbeiter. Bei Hörl ist das Einzugsgebiet entsprechend groß: Aktuell liegen der Lepperdinger Firma zum Beispiel Bewerbungen aus Mainz und Sindelfingen vor. "Arbeiten wo andere Urlaub machen", hört Franz Praxenthaler nicht selten.

Aber die beiden Geschäftsleiter sehen sich auch mit Klagen heimischer Handwerksbetriebe konfrontiert: "Ihr nehmt uns Lehrlinge und Arbeitskräfte weg", heißt es. Das stellt Praxenthaler nicht in Abrede, aber er betont ausdrücklich, dass man niemanden abwerben würde. "Die Leute kommen von selber." Übrigens auch Frauen. "Wir brauchen Frauen in technischen Berufen", meint Praxenthaler und fügt schmunzelnd hinzu: "Dann benehmen sich die Männer besser."

Firma Hörl - ein erfolgreiches Unternehmen

Die Firma Hörl hat mit lediglich zwei Geschäftsleitern und den Abteilungsleitern eine flache Firmenhierarchie. Eines ist Thomas Hörl ganz wichtig: "In den Gruppen betreiben wir aktives und gutes Teambuilding." Im großen Ausbildungstest 2018 des Magazins Focus Money hat die Firma Hörl im Segment Gummi/ Kunststoff mit 97,9 Prozent bundesweit den zweiten Platz belegt.

Die beiden Geschäftsleiter bedanken sich bei den beiden Damen für diese "besondere Auszeichnung" der Agentur für Arbeit, was Jutta Müller so erwidert: "Das haben sie ihrer Mannschaft zu verdanken."

"An Technik haben wir viel zu bieten, das interessiert junge Leute", sagt Ausbildungsleiter Michael Passinger beim anschließenden Rundgang durch den Betrieb. Rund sechs Millionen Präzisionsteile – vorwiegend für die Autoindustrie – werfen die Maschinen täglich aus, qualitätsgesichert unter anderem durch einen Computer-Tomographen im Wert von einer halbem Million Euro. Und wenn die Mitarbeiter mal weg wollen, steht ihnen eine firmeneigene Berghütte am Hochkönig zur Verfügung. Erholung auf 1300 Meter.

Hannes Höfer

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