Liebesfragen: Dorothea Perkusic beantwortet Deine Fragen rund um „Leben“ und „Liebe“

Die Kinder meines Freundes akzeptieren mich nicht. Was kann ich tun?

In unserer Service-Rubrik „Liebesfragen“ können Sie Dorothea Perkusic unter dem Betreff „Liebesfragen“ Ihre Fragen rund um die Themen „Leben“ und „Liebe“ stellen. Jeder Ratsuchende bekommt von der Einzel- und Paartherapeutin eine persönliche Antwort. Ausgewählte Fragen werden immer montags hier anonymisiert veröffentlicht.

Die heutige Frage einer Frau:

Mein Freund hat die Beziehung beendet wegen seinen Kindern. Seine Frau ist 2018 verstorben. Die Kinder meines Freundes sind alle erwachsen, jedoch haben sie mich nie akzeptiert und mich auch dementsprechend behandelt. Sie bestimmen Ihren Vater. Ich habe immer wieder versucht ihm die Augen zu öffnen wie seine Kinder mit ihm umgehen und wir hatten dadurch sehr viele Diskussionen. Mein Freund ist momentan gegen eine gemeinsame Beziehung. Es wäre mir ein großes Anliegen, eine Antwort zu erhalten. Besteht die Hoffnung, dass er wieder zu mir zurück kommt?

Dorothea Perkusic:

Das ist eine wirklich schwierige Situation in der Sie da stecken und die Frage lässt sich nicht ganz so leicht beantworten. Denn die Situation ist für alle Beteiligten schwer.

Ich kann gut verstehen, dass es für die Kinder Ihres Freundes eine ziemliche Herausforderung darstellt. Sie haben erst vor kurzem ihre Mutter verloren und damit bricht auch ein Stück weit die Familie auseinander. Dieser Verlust und schmerzliche Prozess braucht seine Zeit um verarbeitet zu werden. Dann eine neue Partnerin an der Seite des Vaters anzunehmen und sich in der unbekannten und verunsichernden Konstellation zurechtzufinden ist nicht einfach. Auch nicht für Ihren Freund, da er zwischen den Stühlen steht. Er möchte selbst wieder glücklich sein und wünscht sich wieder eine neue Partnerin an seiner Seite, möchte jedoch auch seine Kinder nicht verletzen oder gar verlieren. Seine Kinder sind ein Teil von ihm und es ist wichtig, sie auch als solchen unersetzlichen Teil anzuerkennen. Daher ist es sicher nicht der richtige Weg zu versuchen, ihm die Augen öffnen zu wollen, damit er sich abgrenzen soll, was er selbst offensichtlich nicht kann und aus Verantwortungsgefühl seinen Kindern gegenüber nicht möchte.

Stellen Sie hier der Einzel- und Paartherapeutin Dorothea Perkusic Ihre Fragen rund um die Themen „Leben“ und „Liebe“

Hoffnung gibt es vermutlich nur, wenn der Platz eines jeden Familienmitgliedes hinterfragt, anerkannt und gegebenenfalls gesichert wird. Denn die neue Beziehung stellt in der Gefühlswelt der Kinder eine Gefahr für das was ihnen noch geblieben ist dar, nämlich nur noch der Vater. Kinder bleiben immer unsere Kinder, auch wenn sie bereits erwachsen sind und genauso verhalten sie sich auch. Dennoch hat auch ihr Freund als Vater das Recht, wieder glücklich zu sein und sein weiteres Leben mit einer neuen Partnerin verbringen zu können.

Ich kann im ersten Moment verstehen und finde es auch richtig, dass ihr Freund die Beziehung zu seinen Kindern nicht aufs Spiel setzen möchte, zunächst eine klare Entscheidung trifft und sich positioniert. Versuchen Sie seine Situation nachzuvollziehen, diskutieren Sie nicht und respektieren Sie seine Kinder als sein Fleisch und Blut und die damit verbundene familiäre Beziehung als wichtigen und womöglich wichtigsten Bestandteil seines Lebens. Nur so haben Sie eine Chance. Es gilt zu erörtern, aus welchen Beweggründen sich seine Kinder gegen Sie stellen und gegebenenfalls lassen sich diese Probleme einfühlsam und respektvoll lösen. Solange die Kinder Sie nicht als Bereicherung erleben, sondern als Eindringling und Feindin, werden sie dagegen ankämpfen. Verlangen Sie Ihrem Freund keine Entscheidung ab, sondern bieten Sie ihm Möglichkeiten an, ohne ihn unter Druck zu setzen und fragen Sie ihn ganz konkret, was er braucht.

Eine konkretere Antwort oder Hilfestellung kann ich Ihnen auf diesem Wege leider nicht anbieten, da ich dazu mehr über die Hintergründe und jeweiligen Standpunkte und Beweggründe wissen müsste.

Je nachdem wie wichtig Ihnen beiden die Beziehung miteinander ist, würde ich Ihnen empfehlen, sich dafür Hilfe zu suchen, eventuell auch in Form einer Familientherapie. Alles Gute!

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Dorothea Perkusic

Dorothea Perkusic im Interview auf Katja Wunderlich´s YouTube Kanal „KATJAS KOSMOS“:

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