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Dorothea Perkusic beantwortet Liebesfragen

Machen Krisen wirklich Sinn?

In unserer Service-Rubrik „Liebesfragen“ können unsere Plus-Abonnenten Dorothea Perkusic unter dem Betreff „Liebesfragen“ Fragen rund um die Themen „Leben“ und „Liebe“ stellen. Jeder Ratsuchende bekommt von der Einzel- und Paartherapeutin eine persönliche Antwort. Ausgewählte Fragen werden immer montags hier anonymisiert veröffentlicht.

Frage: Machen Krisen wirklich Sinn?

Meine Frau und ich sind seit gefühlten hundert Jahren in der Krise. Und zwar nicht in einer, sondern immer einer anderen. Es ist ein andauerndes Auf und Ab und ich frage mich, was das soll und wieso wir beide das überhaupt mitmachen. Natürlich haben wir auch schöne Zeiten, die sind dann oft auch richtig gut, nur eben zeitlich sehr überschaubar begrenzt und dann geht‘s wieder los. Ich habe mal gelesen, dass in jeder Krise eine Chance liegt. Ist das Quatsch oder machen wir etwas verkehrt?

Antwort von Dorothea Perkusic:

Eine interessante Frage, vielen Dank dafür - 100 Jahre Krise ist lang... Grundsätzlich ist es richtig, dass in Krisen auch immer die Chance liegt, sich weiterzuentwickeln und etwas zu verändern. Wenn es wie bei Ihnen allerdings ein ständiges sich im Kreis drehen zu sein scheint und so gar keine Ruhe einkehrt, scheinen Sie entweder die in Krisen liegenden Chancen nicht zu erkennen und anzunehmen, sondern bleiben in dem völlig ungesunden Gefüge stecken oder Sie stecken in einer toxischen Beziehung. Ob Sie etwas verkehrt machen, ist also weniger relevant als die Frage, ob es für Sie eine Chance gibt, etwas dahingehend zu verändern, dass Sie glücklich sein können.

Zum Verständnis was Krisen angeht: Paare, Familien und grundsätzlich alle menschlichen Beziehungsgefüge haben die Tendenz, sich auf ein stabiles Gleichgewicht einzuspielen. Zumindest streben wir das an, da wir uns alle geborgen und gut aufgehoben fühlen wollen und in dieser Hinsicht nach Ruhe suchen. Dabei ist es manchmal gefährlich, in immer gleichen Abläufen und Strukturen förmlich zu erstarren. Denn dadurch wird die Entfaltung und Entwicklung beeinträchtigt. Sind wir dann in schwierigen Lebenssituationen, gerät dieses Gleichgewicht durcheinander und damit brechen diese erstarrten Strukturen auf und wir sind gefordert, uns auseinanderzusetzen. An sich also gut, um etwas verändern zu können.

Dorothea Perkusic auf Instagram

Als Krise erleben wir diesen Zustand deshalb, weil das was bisher gut war und woran wir uns gewöhnt hatten, so nicht mehr fortgeführt werden kann. Das kann uns rabiat aus der Bahn werfen. Es braucht Veränderung und diese spürbare Notwendigkeit führt erstmal zu Unsicherheit und damit auch zu Ängsten. Genau darin steckt die Chance, mutig und zielgerichtet loszulassen, was nicht mehr gut ist oder nicht mehr funktioniert. Wir müssen dann ein neues Gleichgewicht herstellen, das uns mehr entspricht. Hierin liegen meist die zu Konflikten führenden Differenzen, wenn jeder sich etwas anderes vorstellt, andere Lösungsansätze hat oder die Schuld und Verantwortung zum Andern schiebt. Dann muss verhandelt werden. Fühlt sich einer dabei in der schwächeren Position, nicht geachtet, geschätzt oder ernst genommen, entstehen destruktive Diskussionen und Machtkämpfe.

Werfen Sie einen Blick auf Ihre Krisen und durchleuchten Sie Ihre Streit-Dynamik. Welche wiederkehrenden Muster erkennen Sie und woher könnten diese rühren? Worin bestehen die Differenzen? Geht es nur um Machtkämpfe oder können Sie sich auch auf Augenhöhe begegnen um Lösungen anzustreben?

Nehmen Sie sich gemeinsam vor, es genau so, wie Sie es bis jetzt gemacht haben, nicht mehr zu machen. Dazu muss sich jeder bewegen und am Riemen reißen, dann wird es weniger Konflikte geben. Wieviel Konfliktpotenzial in Ihrer Konstellation liegt, steht auf einem anderen Papier. Mir ist folgender Satz im Gedächtnis geblieben: „Wenn die guten Zeiten nur noch dazu da sind, die schlechten zu reparieren, dann macht es keinen Sinn“.

Krisen fordern uns heraus, vom Alten Abschied zu nehmen und kreativ Neues zu formen und zu verwirklichen. So schreiten Sie in Ihrer persönlichen Entwicklung voran und die Krise hat Sinn gemacht.

Dorothea Perkusic

Rubriklistenbild: © pixabay

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