Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Dorothea Perkusic beantwortet Fragen rund um „Leben“ und „Liebe“

Meine Frau trennt sich von mir. Ich finde, sie sollte um unserer Familie willen bleiben. Was soll ich tun?

In unserer Service-Rubrik „Liebesfragen“ können unsere Plus-Abonnenten Dorothea Perkusic unter dem Betreff „Liebesfragen“ Fragen rund um die Themen „Leben“ und „Liebe“ stellen. Jeder Ratsuchende bekommt von der Einzel- und Paartherapeutin eine persönliche Antwort. Ausgewählte Fragen werden immer montags hier anonymisiert veröffentlicht.

Frage eines Mannes:

Meine Frau hat mir vor Kurzem gesagt, dass sie sich nach über achtzehn Jahren von mir trennen wird. Für mich kam ihre Entscheidung überraschend und ich kann es nicht verstehen. Wir haben einen Sohn und eine Tochter, für die das natürlich schrecklich ist. Wir hatten zwar immer unsere Differenzen und sind längst nicht mehr ineinander verliebt, dennoch war ich der Meinung, wir hätten uns gut arrangiert. Ehrlich gesagt finde ich, meine Frau sollte schon zu spüren kriegen, dass sie einen Fehler macht. Ich finde, sie sollte um der Familie willen bei mir bleiben. Ich bin sehr wütend und maßlos enttäuscht. Was soll ich jetzt tun?

Antwort von Dorothea Perkusic:

Es tut mir leid für Sie, denn ich lese aus Ihren Zeilen, wie schockiert und wahrscheinlich auch überfordert und verzweifelt Sie noch durch die Trennungserklärung Ihrer Frau sind. Das ist verständlich, insbesondere wenn es aus Ihrer Sicht so gar keine Anzeichen dafür gab.

Stellen Sie sich die Frage, ob es diese Anzeichen tatsächlich nicht gab und ob die Entscheidung Ihrer Frau nicht vielmehr konsequent und ehrlich Ihnen und der Familie gegenüber ist. Denn Sie schreiben, Sie dachten, Sie beide hätten sich „arrangiert“. Dies lässt nicht auf wahre Zufriedenheit schließen. Wie gut ein solches, eher stillschweigend getroffenes und meist resigniertes Arrangement ist, kann für jeden ganz unterschiedlich sein. Um sich arrangieren zu können, muss man abwägen, ob der daraus resultierende Verzicht, der mit einem solchen Kompromiss einhergeht, tragbar ist und eventuell auf anderer Ebene einen Gewinn darstellt. Sind damit nicht beide Seiten einverstanden, kann eine solche Übereinkunft nicht klappen, da nur einer davon profitiert. Ihre Frau kann sich offensichtlich nicht mehr zufrieden geben. Sollte es nicht möglich sein, daran gemeinsam etwas zum Wohle der Beziehung zu verändern, so ist die Trennungsabsicht Ihrer Frau nachvollziehbar und vor allem ein aufrichtiger Schritt, der ihr sicherlich auch nicht leicht fällt.

Dorothea Perkusic auf Instagram

Für eine Paarbeziehung reichen ein angenehmes Leben und Familie allein nicht aus. Denn über kurz oder lang kriegt meist zumindest ein Beziehungspartner Sehnsucht nach Nähe, Liebe, Zärtlichkeit und Erotik. Also nach den emotionalen Bestandteilen einer Beziehung, die ein Eltern- oder Freundespaar von einem Liebespaar unterscheiden. Fehlen all diese Zutaten und arbeiten nicht beide Partner daran, die Paarbeziehung lebendig zu halten, so ist diese meist langfristig zum Scheitern verurteilt. Dazu ist es unverzichtbar, sich immer wieder darüber auszutauschen, ob beide glücklich sind, was jeder an der Beziehung schätzt und auch darüber, was fehlt und auf der Strecke bleibt. Geschieht dies nicht, so muss jeder die dadurch entstehenden Konsequenzen tragen und für das eigene „Nichtstun“ , Wegschauen und Schönreden die Verantwortung übernehmen. Da helfen keine Schuldzuweisungen und keine destruktive Wut.

Ob Ihre Frau mit der Trennung einen Fehler macht, kann Ihre Frau nur für sich selbst entscheiden. Das können Sie nicht be- und verurteilen, denn Ihr Blickwinkel kommt aus Ihrer eigenen Ecke heraus. Hier braucht es nun Akzeptanz und Respekt. Auch um Ihrer Kinder willen. Offensichtlich war Ihre Frau schon lange nicht mehr glücklich in Ihrer Ehe. Dass dem so ist, daran haben auch Sie einen Anteil. Es ist natürlich schade, dass Ihnen dies nicht bewusst war und Sie beide sich darüber nicht austauschen konnten. Enttäuschung hat immer mit Täuschung zu tun. Haben Sie sich nicht selbst getäuscht in dem Versuch, etwas aufrecht zu halten, was längst nicht mehr war, was es sein sollte? Allein der Wunsch, um der Familie und Kinder willen zusammen zu bleiben, ist eine Täuschung und Beschönigung den Kindern gegenüber. Denn so sehr sich Kinder ein heiles Familienleben wünschen, so sehr ist dies vom Glück der Eltern als Mann und Frau abhängig. Ich denke, Sie müssen den Tatsachen ins Auge blicken. Wenn es Ihnen gelingt, Verantwortung zu übernehmen für den Status Ihrer Beziehung und für Ihr eigenes Nicht-Handeln, dann werden Sie mehr Frieden finden. Frieden beginnt schließlich in Ihnen selbst und nicht in der Abhängigkeit von anderen. Auch wenn dies in einer Liebesbeziehung sicherlich eine Gratwanderung ist.

Überlegen Sie, was Sie dazu beitragen können, dass langfristig Friede entstehen kann. Versuchen Sie, so schwer es auch in dieser Situation sein mag, sich auf Augenhöhe gegenüber zu treten und eine gute Lösung für sich und Ihre gemeinsamen Kinder zu finden. Dies liegt in unserer Verantwortung als Eltern. Wenn etwas Altes losgelassen werden muss, dann entsteht auch Platz für etwas Neues. Auch für Sie, selbst wenn Ihnen die Vorstellung dazu im Moment noch fehlt. Versuchen Sie nach vorn zu schauen. Setzen Sie sich mit Ihrer Frau an einen Tisch und besprechen Sie die nächsten Schritte. Spielen Sie keine Machtspiele um sich gegenseitig klein zu machen und halten Sie sich von Beschuldigungen und Manipulationen jeglicher Art fern. Halten Sie die Kinder aus Ihren Beziehungsthemen heraus. Es sollte nicht in Ihrem Interesse sein, dass Ihre Frau bei Ihnen bleibt, obwohl Sie längst nicht mehr ineinander verliebt sind. Paare sollten aus Liebe zueinander und Freude aneinander beisammen bleiben. Weniger haben auch Sie nicht verdient. Ich würde Ihnen sehr empfehlen, sich in dieser anspruchsvollen Situation von einer neutralen Person begleiten zu lassen, beispielsweise mit einem Mediator zusammen Gespräche zu führen. Denn es geht nun nicht darum, alte Konflikte zu lösen, die in achtzehn Jahren nicht gelöst werden konnten und zu Ihrer Trennung geführt haben. Es geht darum, auf Elternebene eine gute Lösung zum Wohle der Kinder und Ihrer Familie zu finden und für alle anderen notwendigen Schritte einen gangbaren und fairen Weg. Ich wünsche Ihnen alles Gute!

Dorothea Perkusic

Rubriklistenbild: © Patrick Pleul

Kommentare