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Dorothea Perkusic beantwortet Fragen rund um „Leben“ und „Liebe“

Sind Mann und Frau zu verschieden um dauerhaft glücklich sein zu können? 

In unserer Service-Rubrik „Liebesfragen“ können unsere Plus-Abonnenten Dorothea Perkusic unter dem Betreff „Liebesfragen“ Fragen rund um die Themen „Leben“ und „Liebe“ stellen. Jeder Ratsuchende bekommt von der Einzel- und Paartherapeutin eine persönliche Antwort. Ausgewählte Fragen werden immer montags hier anonymisiert veröffentlicht.

Frage einer Frau: Sind Mann und Frau zu verschieden um dauerhaft glücklich sein zu können? 

Ich habe eine ganz allgemeine Frage: Wenn ich mich so umsehe, habe ich das Gefühl, dass Mann und Frau gar nicht zusammen passen. Mein Freund will mich heiraten aber ich habe Angst zu heiraten. Am Anfang denkt ja jeder, es hält für ewig und dann sind irgendwann doch fast alle Paare unglücklich und trennen sich. Zumindest kenne ich keine Paare, die wirklich richtig glücklich miteinander sind. Woran liegt das? Sind Männer und Frauen doch zu verschieden?

Antwort von Dorothea Perkusic:

Das ist eine interessante Frage, vielen Dank dafür!
Zunächst bedeutet „richtig glücklich“ zu sein für jeden etwas anderes, denn jeder hat andere Ansprüche an das Leben, die Liebe und eine Partnerschaft. In jeder Beziehung gibt es Spannungen und Reibungen und die Entwicklung zweier Menschen läuft nicht andauernd kongruent. Somit sind Konflikte vorprogrammiert und es kann keine Beziehung ein selbstlaufender, immer währender Glücksspender sein. Und doch ist es möglich, eine für beide erfüllende Beziehungsform zu finden, indem wir liebevoll und aufmerksam im Kontakt miteinander bleiben, mit allem was dazu gehört.

Die erste Voraussetzung beim Zusammenspiel der Liebe ist, dass sich die Partner über die Polaritäten des Lebens klar sind. Menschen sind Individuen, jeder ist unterschiedlich und Männer und Frauen eben auch. Bei allen Gemeinsamkeiten, die man als Paar entdeckt und die verbindend wirken, ist es wichtig und hilfreich, die unterschiedlichen Lebensarten im gesamten Denken, dem Fühlen und Verhalten voneinander zu kennen. Im Gespräch und Austausch zu bleiben, sich offen zu erklären und damit umzugehen. Damit fällt es leichter, die Unterschiede synergetisch zu nutzen, anstatt das Anderssein des anderen als „nicht normal“ abzuwerten und zu bekämpfen. Wer weiß woran er ist und was der andere braucht oder wie er fühlt und vielleicht sogar weshalb, kann den Umgang mit eher schwierigen Verhaltens- oder Gefühlsweisen des Partners lernen und ihm mit Toleranz und Akzeptanz begegnen.

Tendenziell bewegen sich Männer eher auf der sachlichen und strategischen Ebene, während Frauen eher auf der emotionalen Ebene unterwegs sind. Was nicht bedeutet, dass eines das andere ausschließt, Frauen nicht sachlich und Männer gefühllos sind.
Wenn Konflikte, Probleme und Schwierigkeiten auftreten, machen sich Männer oft spontan und zielgerichtet an die Lösungsfindung und richten ihren Fokus und die Energien auf die Beseitigung des unangenehmen Umstandes, aufs Management sozusagen. Während Frauen damit beschäftigt sind, erstmal selbst zu verstehen und verstanden werden zu wollen. Frauen konzentrieren sich damit aufs Zuhören und Nachfragen und brauchen erstmal Mitgehen und Mitgefühl vor aller Problemlösung.

Dorothea Perkusic auf Instagram

Dies liegt daran, dass Jungen früh lernen, ihre Beziehungen zu anderen über Wettkampf, Leistung und Konkurrenz zu definieren. Das „Herauslassen“ von Gefühlen entspricht den leider verbreiteten Rollenmustern, dass von Jungen und Männern eher erwartet wird, dass sie sich „cool“ verhalten. Anders als bei Mädchen, wo die gefühlsmäßige Verbundenheit und Beziehung Vorrang hat. Mädchen und Frauen haben quasi die „Erlaubnis“, ihre Gefühle auszudrücken und auszuleben. Genau dies kann dann im Miteinander in einer Beziehung zu Missverständnissen, Fehlinterpretationen, Enttäuschungen und Konflikten führen. Jedoch hat dies, nicht zu vergessen, auch positive Aspekte, da sich Beziehungspartner darüber auch ergänzen und bereichern können.

Ein anderer wichtiger Punkt ist, dass es Übereinstimmungen oder zumindest Ähnlichkeiten in den Grundwerten zweier Menschen geben sollte. Ich halte es für essenziell, den gemeinsamen Lebensplan nicht nur einmal zu entwerfen sondern stets aufs Neue gemeinsam zu reflektieren, eventuell zu ergänzen oder neu anzupassen und weiterzuentwickeln. Gemeinsame Interessen, Ziele und Klarheit über die Ziele des Anderen sind wichtig, denn sie stärken das Miteinander, schaffen Perspektiven und Verbundenheit.

Nachdem die ersten gemeinsamen Ziele erreicht sind, wie zum Beispiel ganz klassisch Heirat, Haus, Kinder, Hund, entsteht nicht selten eine Kluft. Jeder versucht sich irgendwie durchzuwurschteln, was zeitweise ziemlich anspruchsvoll, aufreibend und Kräfte zehrend sein und Spuren hinterlassen kann. Irgendwann ist dann nicht mehr klar, was noch kommen könnte. Die Kinder sind groß, das Haus bezahlt, der Hund geht von allein Gassi und an diesem Punkt hat möglicherweise bereits eine gewisse Entfremdung stattgefunden. Eben dieser ist durch viel Aufmerksamkeit vorzubeugen, auch wenn es nicht immer leicht ist und genau das versäumen viele. Paare sollten sich nicht zufrieden geben, sondern jeder sollte eigenständig, jeder für sich und auch miteinander dafür sorgen, dass Zufriedenheit besteht.

Ich denke also, die Problematik besteht nicht in den der Unterschiedlichkeit zwischen zwei Beziehungspartnern. Denn Menschen sind immer verschieden. Egal ob Mann und Frau, Frau und Frau oder Mann und Mann. Es ist ein Stück weit eine Kunst, die es zu verfeinern und auszuschmücken gilt, eine Paarbeziehung auf allen Ebenen lebendig, wertvoll und erhaltenswert zu gestalten. Allerdings hat es auch mit der Bereitschaft, sich immer wieder neu aufeinander einzulassen zu tun. Und manchmal treiben Entwicklungen eben auch auseinander.

Wenn Sie und Ihr Partner sich lieben und eine Eheschließung einen anzustrebenden Wert für Sie persönlich darstellt, dann dürfen Sie sich auf diese Reise einlassen. Letztlich können Sie nie wissen, was Ihnen das Leben beschert und Angst ist ein schlechter, blockierender Begleiter. Sie können immer nur nach vorn schauen, anpacken, wenn es etwas zu lösen gilt und genießen, was schön ist. Voraussetzung ist, dass Sie beide zueinander wirklich aufrichtig „Ja“ sagen und nicht unter Aspekten der möglichen Optimierung oder eines „das wird schon noch“ zusammen bleiben oder heiraten.

Dorothea Perkusic

Rubriklistenbild: © pixabay/sasint

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