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Dorothea Perkusic beantwortet Liebesfragen

Wie geht man mit Verletzungen in Beziehungen um? 

In unserer Service-Rubrik „Liebesfragen“ können unsere Plus-Abonnenten Dorothea Perkusic unter dem Betreff „Liebesfragen“ Fragen rund um die Themen „Leben“ und „Liebe“ stellen. Jeder Ratsuchende bekommt von der Einzel- und Paartherapeutin eine persönliche Antwort. Ausgewählte Fragen werden immer montags hier anonymisiert veröffentlicht.

Frage einer Frau: Wie geht man mit Verletzungen in Beziehungen um? 

Mein Mann und ich sind seit zehn Jahren verheiratet. Wir fühlen uns beide oft gegenseitig unverstanden und verletzt. Wir versuchen dann darüber zu reden und uns zu verstehen, aber so ganz gelingt es nicht. Oft sind es nur Kleinigkeiten, aus denen Missverständnisse entstehen und einer von uns fühlt sich dann davon verletzt, wie der andere sich verhält oder dass man sich nicht verstanden fühlt. Haben Sie einen Tipp für uns, wie wir das in der Kommunikation besser hinkriegen können?

Antwort von Dorothea Perkusic

Wenn einer vom anderen verletzt wurde, dann ist es zunächst mal wichtig, das Thema und damit die Gefühle des anderen nicht unter den Teppich zu kehren. Denn damit wird man selbst und das, was hinter der Verletzung steht nicht ernst genommen und wir fühlen uns in unseren Empfindungen wichtig und gesehen.

Wenn der Haussegen also schief hängt ist das noch immer besser, als schweigend und brodelnd zu resignieren und darüber im vermeintlichen „heile-Welt-Modus“ zu schweigen. Im nächsten Schritt geht es dann daran, den Konflikt und die damit verbundenen Verletzungen wieder gerade zu richten.

Wenn ein Partner sich vom anderen verletzt fühlt, neigt der „Verursacher“ dazu, endlose Erklärungen abzugeben und sich zu rechtfertigen. Dies ist manchmal wichtig, um ein Missverständnis zu klären. In den meisten Fällen macht es die Sache allerdings nur noch schlimmer und verfahrener, da diese Erklärungsversuche häufig in einer Endlosschleife aus Diskussionen um die jeweiligen Befindlichkeiten enden und nichts wirklich lösendes dabei herauskommt.

Bevor es soweit kommt, stellen Sie sich lieber mal in die Schuhe Ihres Partners bzw. versuchen Sie dies gegenseitig. Versuchen Sie, die Situation aus dem Blickwinkel und der Situation Ihres Partners zu betrachten, damit es Ihnen besser gelingen kann, seine Verletzung nachzuvollziehen. Wenn das klappt, dann erkennen Sie an, dass Sie ihn verletzt haben, auch wenn dies ungewollt und unbewusst geschehen ist. Bitten Sie um Verzeihung. Dabei geht es nicht um ein Schuldeingeständnis, sondern lediglich um die Anerkennung der Gefühle Ihres Partners

Dorothea Perkusic auf Instagram.

Daraufhin wird Ihr Partner Erleichterung verspüren und sich freuen. Dies soll er dann auch zum Ausdruck bringen und deutlich machen, dass er wiederum diesen Schritt Ihrerseits auf ihn zu anerkennt. Damit sollte es dann zunächst auch erstmal gut sein. Wenn dies nicht der Fall ist, verhandeln Sie über eine Wiedergutmachung, die das Verzeihen ermöglicht. Das kann zum Beispiel etwas sein, was sich der Partner schon lange wünscht, einen Gefallen, eine liebevolle Geste, etwas was der Geber bereit ist, von Herzen zu geben, um die Störung in der Beziehung zu beseitigen.

Wichtig ist, dass ein Versöhnungswille besteht. Anders haben Sie keine Chance, aus dem Dilemma herauszufinden. Es braucht eine bewusste und aufrichtige Entscheidung, den Konflikt beilegen und aufrichtig verzeihen zu wollen und dem anderen auch glauben zu wollen, dass er die Verletzung möglicherweise nicht bewusst zufügen wollte. Alles andere sind zerstörerische Machtspiele, aus denen es nur einen Weg gibt: einer gibt unglücklich und frustriert klein bei, bleibt meist enttäuscht und wütend als Verlierer zurück und der Kampf wird an anderer Stelle erneut aufgenommen.
Was verziehen wurde, kommt auch nicht mehr als Vorwurf oder Seitenhieb auf den Tisch. Wenn doch, muss das Ganze nochmal aufgerollt werden.

Es geht also weniger um das absolute Verständnis für den Partner. Denn wir können einfach nicht immer verstehen, warum ein anderer Mensch sich so fühlt oder so denkt oder handelt, wie er es tut. Es geht vielmehr um die persönliche Bereitschaft, anzunehmen und zu akzeptieren, dass der andere so fühlt, wie er eben fühlt, ihn damit ernst zu nehmen und damit umzugehen.

Dorothea Perkusic

Rubriklistenbild: © Jan-Philipp Strobel

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