Dorothea Perkusic beantwortet Liebesfragen

Mein Partner verweigert sich - Ist er asexuell?

Paar Symbolbild
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Mein Partner will keinen Sex und auch keine körperliche Nähe. Ist er asexuell?

In unserer Service-Rubrik „Liebesfragen“ könnt ihr Dorothea Perkusic unter dem Betreff „Liebesfragen“ eure Fragen rund um die Themen „Leben“ und „Liebe“ stellen. Jeder Ratsuchende bekommt von der Einzel- und Paartherapeutin eine persönliche Antwort. Ausgewählte Fragen werden immer montags hier anonymisiert veröffentlicht.

Die heutige Liebesfrage:

Ich bin seit 6 Jahren mit meinem Partner zusammen. Seit mehr als drei Jahren will er keinen Sex und auch keinerlei anderen Körperkontakt mehr. Sehr selten darf ich meinen Kopf ganz kurz an eine Schulter lehnen, mehr nicht. Er zeigt seine Liebe und Zuneigung lieber unserem gemeinsamen Hund als mir.

Ich kann dennoch immer auf meinen Partner zählen, nur auf Sex hat er nie Lust. Ich darf ihn nichtmal mehr darauf ansprechen. Dass er mir fremdgeht schließe ich zu hundert Prozent aus. Ich habe alles versucht um ihn zu verführen und alles um eine Lösung zu finden, ich habe gebettelt und geweint, ihn gefragt was er braucht, versucht ihn eifersüchtig zu machen, versucht die Situation zu verstehen. Ich versuche seine Wünsche zu befolgen was Ordnung anbelangt und ihm gerecht zu werden. Nichts hilft und er lehnt alles ab, auch Gespräche darüber oder eine Paartherapie.

Im ersten Jahr hatten wir tollen Sex und dies sehr oft. Dieses Jahr haben wir nur einmal für zehn Minuten miteinander geschlafen. Früher war ich selbstbewusst. Jetzt finde ich mich hässlich und eklig und habe das Gefühl, mit mir ist etwas nicht in Ordnung. Wir sind ein gutes Team, aber die Sexualität fehlt. Ich fühle mich unterdrückt und verkümmere, kann mir aber eine Trennung nach 6 Jahren nicht vorstellen. Ich bin nicht hässlich oder dick. Ist er Asexuell? Was könnte ich tun?

Liebesfragen - Antwort Dorothea Perkusic:

Ich kann Ihre Not und Ihre Selbstzweifel gut verstehen. Bei all Ihren Versuchen immer wieder abgewiesen zu werden, noch dazu über so viele Jahre hinweg, ist niederschmetternd. Sie schreiben, dass Sie bereits alles versucht haben. Somit stellt sich für mich weniger die Frage, was Sie noch alles für ihren Partner tun könnten, damit er sich Ihnen nicht mehr verweigert.

Vielmehr sollten Sie sich die Frage stellen, was er tun muss beziehungsweise, ob er überhaupt etwas unternehmen möchte, um diesem Problem auf den Grund zu gehen oder etwas zu verändern. Sie hingegen müssen sich überlegen, wo Ihre Grenzen liegen. Wenn er nichtmal zu einem Gespräch bereits ist, dann stellt sich die Frage, was dies für Sie bedeutet, welche Konsequenzen das hätte und ob Sie zu diesen stehen können und wollen. Ansonsten wird es ewig so weitergehen und Sie bleiben im Modus des Vermeidens.

Wer sich in der Beziehung verweigert, hat die Macht. Sie sind damit dem „nein“ Ihres Partners hilflos ausgeliefert. Damit zieht er sich aus der Beziehung zurück und bestimmt darüber, wieviel Nähe oder Sex Sie bekommen. Ich kann die Frage, ob Ihr Partner asexuell ist, auf diesem Wege nicht beantworten, sondern lediglich erklären.

Asexuell heißt nicht zwangsläufig distanziert

Asexuell bedeutet, dass ein Mensch keinerlei Bedürfnis und Verlangen nach Sexualität verspürt, ohne sich jedoch davor zu ekeln. Asexuelle Menschen empfinden ihre Partner auch durchaus als attraktiv, jedoch ist dies nicht mit sexueller Anziehung verknüpft.

Zweifeln lässt mich, dass Sie eine intensive sexuelle Zeit im ersten Jahr Ihrer Beziehung erlebt haben. Zudem ist es nicht so, dass asexuelle Menschen keinerlei Bedürfnis nach Nähe haben. Zärtlichkeiten und kuscheln ist für viele gewollt und auch wichtig. Es sei denn, er fühlt sich unter Druck und weicht mit der absoluten Verweigerung jeglicher Form von körperlicher Nähe der Situation aus, dass Sie mehr wollen könnten. Indem Sie ihm dann immer wieder versuchen etwas abzuverlangen, ebnen Sie sozusagen seinen Weg des Rückzugs. Jedoch ist es auch seine Entscheidung, ob er sich immer und immer wieder auch emotional zurückzieht und Sie damit im Regen stehen lässt.

Stellt hier der Einzel- und Paartherapeutin Dorothea Perkusic Eure Fragen rund um die Themen „Leben“ und „Liebe“.

Der Weg aus der Sackgasse

Der Weg aus dieser Sackgasse kann nur gehen, wenn Ihr Partner seine Macht anerkennt und darüber wieder langsam beginnt, sich mit Ihren Wünschen und dem Defizit in Ihrer Beziehung auseinanderzusetzen und sich mit einbringt. Ihr größtes Dilemma ist wohl, dass er Sie nicht ernst nimmt in Ihrer Verzweiflung, Unsicherheit und Einsamkeit. Ein anderer Weg wäre, dass er, sollte er asexuell sein, dazu steht und Ihnen dies auch kommuniziert. Nur so können Sie herausfinden, welchen Lösungsweg Sie einschlagen können. Den der Akzeptanz, dann müssen Sie lernen damit umzugehen und sich ganz klar entscheiden, ob Sie damit glücklich leben können und ob die Beziehung unter diesem Aspekt trotzdem Bestand haben kann. Oder Sie stellen sich beide diesem Problem in Ihrer Beziehung, setzen sich mit Ihren Rollen und Bedürfnissen aufrichtig auseinander und finden mit dieser Sicherheit wieder zueinander.

Wenn Ihr Partner all dies und jegliche Auseinandersetzung mit diesem Problem verweigert, haben Sie keine Chance. Dann können Sie sich arrangieren, was einen hohen Preis hat. Oder Sie müssen loslassen. Hören Sie auf, sich zu verbiegen und an sich selbst zu zweifeln, lassen Sie sich nicht unterdrücken und unterdrücken Sie sich und Ihre Bedürfnisse insbesondere selbst nicht. Denn das ist Verrat an Ihnen selbst und Sie werden zum Opfer. Es braucht in Partnerschaften eine Bereitschaft von beiden Seiten, sich ernst zu nehmen und Veränderungen entstehen zu lassen. Ansonsten ist es keine Partnerschaft sondern ein einseitiges Verhältnis.

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