Kommentar zu Angela Merkels Interview im ARD

Konsequenzen für Impfverweigerer? Ohne sterile Immunität ist die Diskussion überflüssig

Am Dienstag, den 2. Februar, sprach Bundeskanzlerin Angela Merkel in der ARD-Sendung „Farbe bekennen“ davon, dass für Ungeimpfte „vielleicht Unterschiede“ gemacht werden müssen.
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Am Dienstag, den 2. Februar, sprach Bundeskanzlerin Angela Merkel in der ARD-Sendung „Farbe bekennen“ davon, dass für Ungeimpfte „vielleicht Unterschiede“ gemacht werden müssen.

Immer und immer wieder droht das Thema Impfung zu eskalieren. In Teilen der Bevölkerung ist die Idee einer Corona-Diktatur mit Zwangsimpfungen nach wie vor fest verankert. Woher das kommt? Vermutlich von einer Mischung aus Fehlinformation, Unsicherheit und wiederkehrenden Diskussionen um Einschränkungen für diejenigen, die sich nicht impfen lassen möchten oder vielleicht auch gar nicht können. Wenn die Grundlage solcher Andeutungen von Lockerungen nicht wissenschaftlich begründbar ist, ist das besonders problematisch. Ein Kommentar von Volontär Max Darga.

Jeder Mensch in Deutschland hat das Grundrecht auf körperliche Unversehrtheit und auf die Freiheit der Person. Wie kein anderes Ereignis zeigt die Corona-Pandemie eine schwierig zu diskutierende Überschneidung dieser beiden Grundrechte auf. Einerseits haben alle das Recht darauf, vor einer SARS-Cov-2 Infektion so gut es geht geschützt zu werden, was aktuell nur mit einer Impfung bestmöglich umsetzbar scheint, andererseits ist die persönliche Freiheit als zentraler Pfeiler unserer Lebensweise essenziell.

So leicht der Konflikt erkennbar ist, so brenzlig wird die Diskussion seiner Auswirkungen. Am Dienstag, den 2. Februar, sprach Bundeskanzlerin Angela Merkel in der ARD-Sendung „Farbe bekennen“ davon, dass „vielleicht Unterschiede“ gemacht werden müssen: „Wer das (eine Impfung) nicht möchte, der kann bestimmte Dinge vielleicht nicht machen.“ Ein Ansatz, der schon Mitte Januar vom bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder aufgegriffen wurde. Er sprach davon, den deutschen Ethikrat um eine Einschätzung zu bitten, „ob und für welche Gruppen eine Impfpflicht denkbar wäre“. Eine Aussage, die viel Unmut auslöste, da sie sich besonders an die Gruppe der eh schon überlasteten Pflegerinnen und Pfleger richtete. Eine umfassende Aufklärungskampagne wurde im selben Atemzug genannt. Bei manchen entsteht durch derartige Äußerungen der Eindruck: Wenn das Vertrauen fehlt, dann muss eben mit Verpflichtungen nachgeholfen werden.

Verpflichtung zu Impfungen generell kein Neuland

Wichtig ist, dabei zu bedenken, dass mögliche Einschränkungen für ungeimpfte Personen nicht unbedingt eine Neuheit sind. Im Kontext von Reisen bestehen beim Einreisen in bestimmte Regionen der Welt bereits seit langem diverse Verpflichtungen für Impfungen. Im Zusammenhang mit der weltweiten Ausbreitung des SARS-Cov-2-Virus wäre das also kein bahnbrechender Erstfall. In Deutschland wurde erst im März 2020 eine Impfpflicht für Masern festgelegt.

Ohne sterile Immunität macht eine Diskussion um Lockerungen für Geimpfte keinen Sinn

Bezogen auf das alltägliche Leben in Deutschland selbst wird die Idee von weiterhin bestehenden Einschränkungen für ungeimpfte Bürger aber zum problematischen Thema, wenn es mögliche Lockerungen für die geimpften Bürger impliziert. Hier fehlt aktuell die Argumentationsgrundlage. Die Wirkung aller Impfstoffe hinsichtlich einer sterilisierenden Impfung (also einer Wirkung, die ein Weitertragen einer Infektion verhindert) ist aktuell noch nicht belegt. Lediglich der Impfstoff von Astrazeneca könnte neuen Erkenntnissen zufolge über die grundsätzliche immunisierende Wirkung hinaus auch zu einer sterilen Immunität (Update um 16.40 Uhr) führen.

Wer sich also impfen lässt, schützt nach derzeitigem wissenschaftlichen Stand (3. Februar 2021) primär sich selbst und noch nicht andere - mit der möglichen Ausnahme der Impfung mit dem Astrazeneca Impfstoff. Entsprechend ist die Aussprache von möglichen Lockerungen für Geimpfte mutig gepokert, da dieser nur Sinn ergeben würde, wenn wirklich jeder Zugang zu einer Impfung mit dem britischen Impfstoff hätte. Das liegt nach der aktuellen Lage aber noch in ferner Zukunft und zudem ist die (bezüglich dem Verbreiten von SARS-Cov-2) sterilisierende Wirkung noch nicht vollends bestätigt.

Sollte die Wirkung der anderen Impfungen auch weiterhin nicht bewiesenermaßen verhindern, dass ein Geimpfter das Virus weitergeben kann, kann im weiteren Verlauf auch nur dann gelockert werden, wenn eine Herdenimmunität herrscht. Kurz gesagt: Es kann demnach nach aktuellem Wissensstand - wenn überhaupt - für alle gelockert werden und nicht nur für Geimpfte. Alles andere wäre in diesem Fall erzwungene ‚Gerechtigkeit’.

mda

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