Kommentar zur UEFA-Revulotion mit europäischer Liga und Spielen am Wochenende

Wir dürfen uns den Fußball nicht kaputt machen lassen!

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Der europäische Fußballverband UEFA will den Volkssport "Nummer eins" revolutionieren - mit einer europäischen Liga und internationalen Spielen an den Wochenenden. Das wäre eine absolute Katastrophe für den deutschen Fußball, meint Markus Zwigl in seinem Kommentar.

Es ist Samstagnachmittag, 15.30 Uhr, in wenigen Augenblicken startet die Bundesligakonferenz. Ein gutes Gefühl. Fünf Spiele zur selben Zeit. Millionen von Fans aus dem ganzen Land fiebern mit ihren Mannschaften aus ihrer Stadt oder Bundesland mit und drücken die Daumen. Egal, ob mit dem FC Bayern München gegen FSV Mainz 05 "David gegen Goliath" spielt oder die "Mutter aller Derbys" mit dem FC Schalke 04 gegen Borussia Dortmund stattfindet, es ist für jeden etwas dabei. 

Schon als kleiner Junge konnte ich fast alle Bundesligaspieler beim Namen nennen. Selbst als vermeintlicher "Bayern-Sympathisant" habe ich schon damals kein Revierderby verpasst. Wer wird Deutscher Meister? Diese Frage stellen sich Millionen Bürger jedes Jahr. Wer kann sich in meinem Land zum Sieger krönen und wer muss den unrühmlichen Weg in Liga 2 antreten? Spannende Fragen, welche täglich an Stammtischen im gesamten Land diskutiert werden. Nichts anderes auf dieser Welt vereint Menschen so sehr wie "König Fußball".

Und nun soll das alles vorbei sein? Nein, danke Uefa! 

Der Europäische Fußballverband UEFA und die Europäische Klub-Vereinigung ECA wollen Medienberichten zufolge über Änderungen der Champions League (z.B. vier Achtergruppen) beraten. Zur Debatte steht demnach, ob Champions-League-Spiele in Zukunft auch am Wochenende stattfinden könnten. Dies wäre für die Vermarktung von Übertragungsrechten nach Amerika und Asien vorteilhaft, wie die Nachrichtenagentur AP berichtet. 

Auch von einer eigenen europäischen "Superliga" im Drei-Ligen-System mit den Top-Mannschaften der jeweiligen Länder ist die Rede. Demnach sollen die Top-Clubs in den nationalen Ligen mit B-Teams mit jeweils mindestens sechs Talenten (U23) antreten.

Ich frage mich: Was soll das? Mir ist durchaus bewusst, dass Geld die Welt regiert. Aber irgendwann muss auch einmal Schluss sein. Wollen wir uns wirklich unsere Tradition, den guten alten Fußball, dermaßen kaputt machen lassen? Anstoßzeiten weit nach 22 Uhr, nur damit die Amerikaner zur Prime-Time den europäischen Fußball verfolgen können? Ich will um 18.30 Uhr die Sportschau sehen. Mit Spielen wie Berlin gegen Leverkusen oder Düsseldorf gegen Bremen. Und nicht für 50 Euro im Monat am Samstagnachmittag Real Madrid gegen Zenit St. Petersburg verfolgen. Nur weil irgendein Investor mehrere Millionen in das inzwischen sehr fragwürdige UEFA-Konstrukt gepumpt hat...

Tradition seit über 50 Jahren

Natürlich sind die internationalen Wettbewerbe eine tolle Sache. Champions League am Dienstag- und Mittwochabend und am Donnerstag die Europa League als Vorgeschmack auf unser Bundesligawochenende. 

Es geht hier um über 50 Jahre Tradition. Geld darf den Deutschen Fußball nicht kaputt machen. Eine europäische Liga mit Spieltagen am Wochenende würde nicht nur den deutschen Profifußball zerstören, sondern auch dem Amateurbereich großen Schaden zufügen.

Christian Streich, Trainer des SC Freiburg, brachte es diese Woche in seiner unnachahmlichen Art auf den Punkt: "Ich lass mir den Fußball net stehle. Dann kick ich lieber drausse in Buchbach, e paar Leut krieg i zusamme. Die hen e wunderbare Raseplatz. Herrlich!"

Dieser Kommentar muss nicht die Ansicht der gesamten Redaktion widerspiegeln.

Rubriklistenbild: © picture alliance / Andreas Geber (Symbolbild)

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