Kommentar zu Vorbehalten in Rosenheim 

"Mit den Leuten von der AfD reden wir nicht"

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Dieser Kommentar spiegelt nicht nur meine persönliche Meinung wider, sondern ich schreibe ihn auch in eigener Sache.

Am 1. Juni darf ich eine Podiumsdiskussion der Evangelischen Gemeindejugend mit Bundestagskandidaten und Vertretern der Parteien moderieren. Mit dabei ist auch der stellvertretende Kreisvorsitzende der AfD, Andreas Winhart.

Das passt einigen gar nicht, es rumort. Entsprechende Kommentare sind auf Facebook-Seiten zu lesen und auch in der Rosenheimer Jugendarbeit gibt es hier und da Unverständnis darüber. 

Warum eine kirchliche Einrichtung dieser "rassistischen Partei" ein Forum biete, fragen manche entsetzt die Veranstalter. Der AfD dürfe man keine Legitimation geben, auf Augenhöhe mit demokratischen Parteien zu sprechen. Für eine solche Veranstaltung verteile man keine Einladungsflyer.

Ich empfinde das als Ignoranz.

Zuletzt haben bei der Landtagswahl in NRW mehr als 600.000 Menschen die AfD gewählt. Eine ganze Großstadt wie Essen oder Dortmund! In fast allen Landtagen ist die Partei mittlerweile vertreten und sie wird höchstwahrscheinlich auch in den Bundestag einziehen.

Moralische Überlegenheit und Filterblasen

Welche Partei eine Legitimation besitzt, entscheiden nicht die politischen Gegner, sondern die Wähler. Im Extremfällen auch die Judikative. 

Unser Online-Redakteur Marcel Görmann schreibt den Kommentar auch "in eigener Sache". Er wird die Podiumsdiskussion moderieren. 

Wer sich als moralisch überlegen aufspielt und nichts mit Vertretern der AfD zu tun haben will, wird die derzeitigen Wähler dieser Partei nicht zurückgewinnen. Die AfD hat Themen besetzt, die diese in der Politik vertreten wissen wollen. Das in der eigenen Filterblase auszublenden, nur weil man diese Ansichten für falsch oder verachtenswert hält, bringt nichts. 

Demokratie bedeutet schließlich, dass man im Dialog bleibt. Auch wenn es nervt, auch wenn es anstrengend ist, auch wenn es ernüchternd ist.

Im Übrigen sehen Jungwähler AfD-Politiker auch als Gäste in TV-Talkshows wie "Anne Will" oder "Hart aber fair" - nur dort können sie nicht selbst Fragen stellen. Am 1. Juni in Rosenheim können sie sich dagegen kritisch einbringen. 

Alle angefragten Parteien haben zugesagt

Daher begrüße ich es sehr, dass ALLE Parteien, die voraussichtlich in den Bundestag einziehen werden, an der Podiumsdiskussion teilnehmen werden. Sie haben bei der Diskussion die Gelegenheit, die Erst- und Jungwähler von sich zu überzeugen und die besseren Argumente zu liefern. 

verfasst von Marcel Görmann (marcel.goermann@ovb24.de)

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