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Telefonbetrug - möglichst nicht „Ja” sagen

Abzocke am Telefon: Wie Ihr Euch gegen untergeschobene Verträge wehrt

Collage aus Infobroschüren der Verbraucherzentrale und einer Frau, die einen Telefonhörer hält
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Mit Verträgen, die angeblich am Telefon abgeschlossen wurden, werden Verbraucher unter Druck gesetzt.

Das Geschäft mit aggressiven Verkaufsmaschen am Telefon blüht noch immer - obwohl es längst verboten ist. Die Betrügereien am Telefon sind nicht nur nervig, sie können im schlimmsten Fall auch teuer werden. Wir sagen Euch, wie Ihr auf unerwünschte Telefonwerbung reagiert und wie Ihr Euch gegen untergeschobene Verträge wehren könnt.

Mit Verträgen, die angeblich am Telefon abgeschlossen wurden, werden Verbraucher zunehmend unter Druck gesetzt. Betroffene berichten, dass sie am Telefon laut und deutlich „Ja“ sagen sollten. Dazu stellte der Anrufer zum Beispiel Fragen wie: „Hören Sie mich?“. Einige Tage später erhalten die Angerufenen dann Vertragsunterlagen oder Rechnungen - und der Absender behauptet, die Betroffenen hätten doch am Telefon zugestimmt.

Von diesem Trick berichtet die Verbraucherzentrale. Die gute Nachricht: Sollte Euch so etwas passieren, müsst Ihr die Rechnung nicht bezahlen oder den Vertrag nicht akzeptieren. Ihr solltet sie jedoch auch nicht einfach ignorieren, sondern Euch aktiv dagegen wehren.

Worauf sollte ich bei Anrufen achten und wie verhalte ich mich richtig?

Ein „Ja“ in einem Telefonat zu vermeiden, wäre konsequent, ist aber kaum realistisch. Laut Verbraucherzentrale reagiert Ihr bei unbekannten Anrufern am besten so:

  • Beantwortet Fragen im ganzen Satz. Zum Beispiel auf die Frage: „Können Sie mich hören?“ mit „Ich höre Sie“.
  • Sagt dem Anrufer mit bestimmtem Ton, dass Ihr kein Interesse habt. Im Zweifel legt Ihr einfach auf.

„Häufig versuchen unseriöse Anrufer, ein bestehendes Vertrauensverhältnis vorzutäuschen, beispielsweise indem sie wahrheitswidrig ein aktuelles Vertragsverhältnis behaupten“, sagt Nadia Affani von der Bundesnetzagentur. Oder sie versuchten, Zeitdruck vorzutäuschen, etwa indem sie behaupteten, der Fernseh- oder Internetempfang werde demnächst gesperrt.

Seriöse Anbieter wie Banken fragen nie nach Passwörtern oder anderen vertraulichen Informationen. Und Ihr solltet nie Programme auf Eurem Computer installieren, nur weil ein Anrufer das verlangt. Betrüger könnten so die volle Kontrolle über Eure digitalen Daten bekommen - etwa das Online Banking.

Wichtig auch: Ruft unbekannte Nummern nie zurück! Manche Betrüger rufen mit einer deutschen Nummer an, legen nach dem ersten Klingeln auf und warten dann auf einen Rückruf. Dieser kann dann für Verbraucher aber teuer werden - weil sie in einer kostenpflichtigen Warteschleife landen oder aus Versehen einen Vertrag abschließen.

Grundsätzlich gilt: Wer Betrüger am Telefon vermutet, sollte sofort auflegen.

Viele Verträge sind nur mit schriftlicher Zusammenfassung gültig

Der Gesetzgeber hat mittlerweile reagiert und schreibt bei vielen Verträgen mit Laufzeit vor, dass sie erst dann gelten, wenn sie in Textform - also etwa per Mail oder Brief - ausgeführt sind. Das betrifft:

  • viele Energielieferverträge (z.B. Strom und Gas)
  • Verträge über Internet-, Telefon- und Mobilfunkanschlüsse
  • Verträge über die Teilnahme an Gewinnspielen
  • Verträge mit Lotterien

Es gibt allerdings Unternehmen, die Verbrauchern die Vertragszusammenfassung einfach als SMS zusenden. Wer dieser zustimmt, schließt den Vertrag tatsächlich ab. Eine händische Unterschrift ist wirklich nur noch bei wenigen Rechtsgeschäften nötig, etwa bei einem Arbeitsvertrag oder einem Testament.

Was kann ich tun, wenn der Vertrag geschlossen ist?

Selbst wenn der Vertrag gültig am Telefon geschlossen wurde, haben Betroffene 14 Tage Zeit, ihn zu widerrufen. „Der Unternehmer muss den Verbraucher über dessen Widerrufsrecht in Textform unterrichten“, sagt Harald Rotter vom Deutschen Anwaltverein. „Wenn das nicht geschieht oder es nicht so formuliert ist, dass es den gesetzlichen Vorgaben entspricht, hat man ein lebenslanges Widerrufsrecht“, so der Rechtsanwalt.

Wie kann ich gegen Telefonbetrüger vorgehen?

Notiert Euch den Namen und das Unternehmen des Anrufers, sowie Datum, Uhrzeit und Rufnummer und was am Telefon besprochen worden ist. Sollte ein Werbeanruf ohne Eure Einwilligung erfolgen, beschwert Euch mit diesen Daten bei der Verbraucherzentrale und der Bundesnetzagentur.

Sogenannte Cold Calls können bei der Bundesnetzagentur zum Beispiel über ein Online-Formular angezeigt werden. „Es sollte möglichst detailliert geschildert werden, wie das Gespräch abgelaufen ist und ob vor oder nach dem Gespräch Kontakt zu dem Unternehmen bestand“, sagt Nadia Affani. Die Agentur könne in solchen Fällen ein Bußgeld von bis zu 300.000 Euro verhängen.

Für Betrugsversuche, bei denen Betroffene Passwörter oder andere Zugangsdaten verraten sollten, ist die Agentur nicht zuständig. In solchen Fällen sollten Betroffene eine Anzeige bei der Polizei stellen.

Wie wehre ich mich gegen eine betrügerische Rechnung?

Wer Opfer eines Telefonbetrugs wurde und dafür eine Rechnung erhält, sollte sie nicht ignorieren, rät Rotter. Andernfalls baue das Unternehmen durch Mahnungen oder Inkassoandrohungen möglicherweise weiteren Druck auf.

Der Rechtsanwalt empfiehlt, sofort an die Firmenadresse des Unternehmens ein Einschreiben mit Rückschein zu schicken und wenn möglich zusätzlich eine Mail. Es genüge ein Satz: „Für den Fall, dass dieser Rechnung tatsächlich ein Vertrag zugrunde liegen sollte, widerrufe ich ihn.“ Wer unsicher ist, kann sich aber auch an eine Verbraucherzentrale oder einen Rechtsanwalt wenden.

as mit Material der dpa

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