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Klare Gesetzgebung

Fallobst, Kastanien und Brennholz: Was Ihr sammeln dürft und was nicht

Kinder sammeln Kastanien
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Im Herbst sammeln Kinder gerne Kastanien

Jeder Wald, jeder Baum und jede Frucht in Deutschland gehört einem Eigentümer. Darum Vorsicht, solltet Ihr im Herbst Brennholz, Fallobst oder Bastelmaterial für Kastanienmännchen sammeln wollen. Welche rechtlichen Grundlagen gilt es zu beachten, um nicht aus Versehen einen Diebstahl zu begehen?

Zunächst gilt es festzustellen: Äpfel, Birnen oder Nüsse dürfen nur mit Zustimmung der Besitzer aufgesammelt werden. So ist die Rechtslage. Gibt es einen Zaun, der die Anbaufläche abgrenzt, ist sehr eindeutig geklärt, dass eine Zustimmung des Besitzers für dieses Areal nicht gegeben ist. Aber für jede Regel gibt es immer auch Ausnahmen. Das Bundesnaturschutzgesetz erlaubt es jedem, wilde Pflanzen und Früchte „in geringen Mengen für den persönlichen Bedarf“ zu sammeln. Eine Unterscheidung zwischen wild wachsenden und angebauten Pflanzen ist also ausschlaggebend.

Wie hoch der persönliche Bedarf tatsächlich ausfallen darf, ist in keinem Gesetz festgelegt. Wer sich mit haushaltsüblichen Mengen zufriedengibt, sollte keine Probleme bekommen. Das Gesetz sieht eine pflegliche Entnahme vor, also immer schonend ernten, ohne Äste zu beschädigen.

Fallobstparagraf und Kavaliersdelikte

Ob die Frucht noch hängt oder schon auf den Boden gefallen ist, macht bei frei zugänglichen Flächen keinen Unterschied. Anders geregelt ist der Umgang mit Fallobst, welches auf der benachbarten Seite einer Grundstücksbegrenzung niedergeht. Paragraf 911 im Bürgerlichen Gesetzbuch legt fest, dass das Obst dem gehört, auf dessen Grundstück es liegt. Ein Schütteln am Baum oder Pflücken der Frucht ist vom sogenannten Fallobstparagraf nicht gedeckt. Bei unseren Nachbarn in Österreich kommt es auch darauf an, ob Früchte wirklich durch überhängende Äste oder wegen anderer Umstände, wie Wind, die Seite gewechselt haben.

Wer unerlaubt einen Apfel von einer bewirtschafteten Obstwiese mitnimmt, begeht einen Diebstahl. Bei nur wenigen Äpfeln mit einem Wert von unter 50 Euro wird von einem Diebstahl geringwertiger Sachen gesprochen. Mit einer strafrechtlichen Verfolgung hat man in der Regel jedoch nur zu rechnen, sofern der Eigentümer auch wirklich Strafanzeige stellt. Wird man als Ersttäter erwischt, ist mit Geldbußen zwischen 30 und 50 Euro zu rechnen.

Übrigens: Die juristische Bezeichnung „Mundraub“ existiert seit 1975 nicht mehr. Dieser Paragraf wurde ursprünglich eingeführt, um arme Menschen zu unterscheiden, die aus Hunger Lebensmittel für den Eigenverzehr stehlen, von herkömmlichen Dieben, für die eine Bereicherung im Fokus steht. Die Internetplattform mundraub.org informiert europaweit über Bäume und Sträucher, die nicht abgeerntet werden und zur Nutzung bereitstehen.

Wem gehört der Wald?

„Der Genuss der Naturschönheiten und die Erholung in der freien Natur, insbesondere das Betreten von Wald und Bergweide, das Befahren der Gewässer und die Aneignung wildwachsender Waldfrüchte in ortsüblichem Umfang ist jedermann gestattet.“ So steht es in der Bayerischen Verfassung. Dazu gibt es in Bayern die sogenannte Leseholzordnung. Sie legt fest, dass es unentgeltlich gestattet ist, sich „in Wäldern im Alleineigentum des Freistaates Bayern Leseholz für den Eigenbedarf anzueignen.“
Gesammeltes Holz weiterzuverkaufen, Äste abzuschneiden oder gleich ganze Bäume zu fällen ist hingegen deutschlandweit grundsätzlich verboten.

Leseholz im Sinne dieser Bekanntmachung ist

a) das im Walde von selbst zu Boden gefallene, dürre oder angefaulte, nicht für den Verkauf bestimmte Holz,

b) das vom Waldeigentümer oder seinen Beauftragten nach Aufarbeitung zurückgelassene und nicht für den Verkauf bestimmte Holz oder Reisig,

c) die am Boden liegende Rinde und die Zapfen.

Tatsächlich ist der Freistaat Bayern der größte Waldbesitzer in Deutschland. Daneben kann ein Wald und damit alles, was sich in ihm befindet (Pilze, Geweihe, Tannenzapfen, Totholz) auch im Privatbesitz sein, der Gemeinde, der Kirche oder einer Universität gehören. Diese Besitzverhältnisse gilt es abzuklären, bevor ihr euch mit Leseholz eindeckt. Bedenkt auch, dass Totholz durchaus ein wichtiger Bestandteil des Lebensraumes Wald ist: Ein guter Mutterboden braucht Totholz ebenso, wie Kleintiere, denen es als Lebensraum dienen kann.

Ferner gilt in Wäldern die sogenannte Handstraußregelung (§39, Abs. 3 BNatSchG): Sie besagt, dass Ihr Gräser, Kräuter, Beeren und Pflanzen in geringer Zahl sammeln dürft. Forstlich angebaute Pflanzen und Setzlinge sowie Pflanzen, die unter Naturschutz stehen, sind hiervon nicht gedeckt. Auch bei der Handstraußregelung sind Eigenbedarf und haushaltsübliche Mengen entscheidende Kriterien: ein bis zwei Hände voll. Alles, was darüber hinaus geht, benötigt eine offizielle Sammelerlaubnis.

Holzsammelschein und Selbstwerberschein beantragen

Benötigt Euer Kamin mehr Holz, als von der Leseholzordnung abgedeckt wird, habt Ihr auch die Möglichkeit einen Holzsammelschein zu beantragen. Dafür meldet Ihr Euch bei der entsprechenden Gemeinde oder dem zuständigen Forstamt. Dies erlaubt es Euch, in einem festgelegten Waldgebiet Abfallholz, welches bereits am Boden liegt, in größeren Mengen zu sammeln. Der Gebrauch einer Motorsäge ist hierbei nicht gestattet, eine Handsäge zum Zerkleinern dürft Ihr jedoch mitführen. Zum Schutz der tierischen Waldbewohner darf nur tagsüber im Wald gearbeitet werden.

Die Kosten eines Holzsammelscheines liegen, je nach Gemeinde, zwischen 5 und 30 Euro. Möglich ist auch, dass das Forstamt eine bestimmte Abnahmemenge mit Euch vereinbart und abrechnet. Das Holz wird, bevor Ihr es mit nach Hause nehmen könnt, aufgestapelt, damit ein Forstmitarbeiter prüfen kann, ob die vereinbarte Menge nicht überschritten wird.
Wer einen Motorsägenführerschein sein Eigen nennt, kann unter Umständen einen Selbstwerberschein beantragen. Damit steht es Euch frei, in einem zugewiesenen Waldstück gefällte Bäume selber zu zersägen. Die Kosten pro Raummeter Holz liegen hier bei bis zu 30 Euro, womit es günstiger ist, als Brennholz aus dem Handel.

Wer einen Baum ohne Genehmigung fällt, begeht eine Ordnungswidrigkeit, die in Bayern zwischen 50 und 5.000 Euro kostet. Den gefällten Baum dann mit nach Hause zu nehmen, gilt als Diebstahl und führt zu einer Anzeige. Eine empfindliche Geld- oder Freiheitsstrafe ist die Folge. Der jährliche Schaden von Holzklau in Deutschland nimmt zu und liegt in der Millionenhöhe. Mit GPS-Sendern an gefällten Bäumen versuchen Waldbesitzer gestohlenes Holz nach der Entwendung ausfindig zu machen.

fl

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