Nach Skandalen um Lebensmittel

Insekten als Alternative zu Fleisch: "2000 Arten, die man essen kann"

Insekten als Alternative zu Fleisch: Krabbeltiere könnten die Zukunft der Lebensmittelindustrie bestimmen.

  • Aktuell hinterfragen viele ihren Konsum von Fleisch und denken über Alternativen nach.
  • Gleichzeitig wollen Lebensmittelhändler Gerichte mit Insekten etablieren.
  • Insgesamt gibt es über 2000 Arten von Insekten, die man essen kann.

NRW - Ein hoher Proteingehalt und eine nachhaltige Alternative zu Fleisch: Diese Vorteile versprechen Insekten als Lebensmittel, wie RUHR24.de* berichtet. Während sie in anderen Ländern schon etabliert sind, gleicht der Verzehr in Deutschland noch einer Mutprobe. Könnte sich das bald ändern?

Insekt

Heuschrecke

Wissenschaftlicher Name

Orthoptera

Stamm

Gliederfüßer (Arthropoda)

Höhere Klassifizierung

Panorthoptera

Insekten essen statt Fleisch: Lebensmittelindustrie sieht Alternative

Nicht erst seit der Corona-Krise und den Skandalen bei Unternehmen wie Tönnies und Westfleisch hinterfragen viele Verbraucher, ihren Fleischkonsum. Auch Stiftung Warentest kam noch vor dem Ausbruch der Pandemie zu dem Ergebnis, dass günstiges Fleisch* oftmals unter fragwürdigen Bedingungen hergestellt wird.

Gleichzeitig möchte nicht jeder auf wertvolle Proteine in seiner Ernährung verzichten. Könnten Insekten die Lösung für die Lebensmittelindustrie sein? Die Krabbeltiere punkten immerhin mit einem hohen Eiweißgehalt und einer umweltfreundlicheren Produktion als Fleisch.

Insekten essen: Welche Vorteile haben die Krabbeltiere gegenüber Fleisch?

Denn wie die Verbraucherzentrale berichtet, sind Insekten im Vergleich zu Fleisch klimafreundlicher: Die Krabbeltiere brauchen weniger Platz und Wasser als Rinder, Schweine oder Hühner und verursachen weniger Emissionen von Treibhausgasen. Außerdem liegt der essbare Anteil eines Insekts mit etwa 80 Prozent deutlich höher als der beim Rind (nur rund 40 Prozent). Über 2000 Arten sind genießbar, darunter:

  • Heuschrecken und die eng verwandten Grillen
  • Mehlwürmer
  • Wasserkäfer
  • Riesenwasserwanzen
  • Hundertfüßer

Auch die Lebensmittelindustrie hat das Potenzial der Insekten erkannt. Mittlerweile gibt es Insekten auch in Deutschland als Snack zu essen: etwa gesalzen oder mit Schokolade überzogen, in Proteinriegel verarbeitet oder in Mehlform, als Grundlage für Insektennudeln. Dennoch gilt ihr Verzehr oftmals noch als Mutprobe.

Deutschland: Regelungen für Lebensmittelherstellung mit Insekten noch unklar

Anderswo werden ihre Nährstoffe hingegen geschätzt. Weltweit dienen Insekten laut Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nation (FAO) bereits zwei Milliadern Menschen als Nahrungsquelle. Doch wie sicher ist ihr Verzehr?

Da Insekten in Deutschland als Lebensmittel noch relativ neu sind, fehlt es noch an einer entsprechenden Regelung in der verantwortlichen Lebensmittel-Hygiene-Verordnung. So gibt es beispielsweise keine klaren Vorgaben zur Zulassung und Identitätskennzeichnung für insektenproduzierende und -verarbeitende Betriebe (mehr Service-Artikel auf RUHR24.de)*.

Hierzulande sind sie zwar schon erhältlich, aber noch eine Seltenheit: Burger aus Insekten statt Fleisch.

Sind Insekten in Lebensmitteln vegetarisch oder gar vegan? Vorsicht bei Allergien

Dass diese Vorgaben möglich sind, zeigt sich am Beispiel von Österreich. Dort gibt es eine Leitlinie für gezüchtete Insekten als Lebensmittel. Diese legt zum Beispiel fest, dass diese nur dann in den Verkehr gebracht werden dürfen, wenn sie nach der Tötung einer Hitzebehandlung unterzogen werden. Diese Methode soll Keime verringern.

Außerdem sollten Allergiker beim Verzehr von Insekten aufpassen. Denn wer allergisch auf Krebstiere oder Hausstaubmilben reagiert, kann auch bei Insekten eine Reaktion zeigen. Übrigens: Lebensmittel, die Insekten enthalten, dürfen nicht als vegetarisch oder vegan gekennzeichnet werden.

Artgerechte Haltung von Insekten zur Lebensmittelproduktion ist kaum erforscht

Falls es auch in Deutschland und der EU bald zur Umsetzung von Vorgaben zu Insekten in der Lebensmittelverarbeitung kommt, stellen sich auch Fragen zur artgerechten Haltung der Tiere. Hier besteht allerdings noch hoher Forschungsbedarf, denn bisher existieren keine Haltungsvorschriften für Insekten in Deutschland.

Beispielsweise die Frage, welche Art wie viel Platz benötigt, muss diskutiert werden. Klärungsbedarf gibt es auch zum Einsatz von Arzneimitteln wie Antibiotika oder Fungiziden. Beide Medikamente stehen bei der Fleischproduktion allerdings auch längst in der Kritik. *RUHR24.de ist Teil des Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

Rubriklistenbild: © Saudi Press Agency/Friso Grentsch/dpa; Collage: RUHR24

Kommentare