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Energieexpertin im Interview

Moderne Heizungsanlagen und Dämmsysteme: So spart man Energie beim Neubau

Collage: Einfamilienhäuser werden am Stadtrand gebaut/Bettina Mühlbauer
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Energiesparen fängt bei der Neubau-Planung an

Das Thema Energie spielt beim Bauen und Wohnen eine immer entscheidendere Rolle. Als Kostenfaktor ebenso wie im Hinblick auf den Klimaschutz. Die wichtigsten Einsparpotenziale ergeben sich aus modernen und innovativen Heizungsanlagen und Dämmsystemen. Wir haben bei Bettina Mühlbauer, Geschäftsführerin der Energieagentur Südostbayern GmbH nachgefragt, welche Möglichkeiten beim Neubau bestehen und was finanziell gefördert wird. 

von Raphaela Kreitmeir

Die Ampelkoalition hat bei Neubauten die Förderung von Effizienzhaus-Stufe 55 gestoppt, worin sehen Sie die Gründe?

Bettina Mühlbauer: Die Effizienzhaus-55-Förderung sollte zum 31. Januar 2022 ohnehin eingestellt werden, was bereits im Sommer/Herbst 2021 angekündigt wurde. Dies liegt darin begründet, dass im Neubau das EH-55 inzwischen zum Standard geworden ist und damit in der Förderung des EH-55 Standards kein Anreiz mehr lag. Der frühzeitige Stopp zum 24. Januar 2022 lässt sich damit begründen, dass die Befristung zu einer Lawine an Förderanträgen geführt hat, was wiederum die Haushaltsmittel für diesen Bereich schneller als erwartet erschöpft hat.

Können Sie den Unterschied zwischen Niedrigenergie- und Passiv-Häuser, die weiterhin gefördert werden, kurz erklären?

Bettina Mühlbauer: Zur Beschreibung des Energiestandards von Gebäuden ist eine Vielzahl von Begriffen entstanden. Für die Förderung relevant ist das Energieeffizienzhaus. Dieses bezieht sich auf das aktuelle Neubauniveau nach GEG (Gebäudeenergiegesetz), vormals EnEV (Energieeinsparverordnung). Das aktuelle Bezugsniveau für die Effizienzhäuser stammt aus der EnEV 2014. Das Passivhaus wurde bereits zu Zeiten der Wärmeschutzverordnung in den 70er Jahren vom Passivhausinstitut festgelegt. Ein Passivhaus wird dadurch definiert, dass es zum überwiegenden Teil nicht mit einem klassischen Heizsystem beheizt wird, sondern passiv über Wärmerückgewinnung in der Lüftungsanlage, Sonneneinstrahlung und Abwärme, was nur durch die sehr hohe Wärmedämmung möglich ist.

Für ein Niedrigenergiehaus gibt es keine einheitliche Definition, die Bezeichnung wird in der Regel für effiziente Neubauten und energetisch sanierte Gebäude ab dem Effizienzhausstandard 115 und niedriger genutzt. Zur Veranschaulichung bedeutet ein Effizienzhaus 40-Standard beispielsweise, dass der Energiebedarf des Gebäudes nur noch 40 Prozent des Bedarfs eines Standardgebäudes nach GEG beträgt.

Checkliste für Neubau

1. Beratung zahlt sich aus: Vor der konkreten Planung, sich unbedingt unabhängig beraten lassen. Die Erstberatung wird von verschiedenen Stellen kostenfrei angeboten.

2. Energiebedarf minimieren: durch Wärmeschutz an der Gebäudehülle und effizientes Heizsystem

3. Graue Energie berücksichtigen: Wie viel Energie wird bereits bei der Herstellung der Materialien und dem Bau des Gebäudes verbraucht?

An welchen Punkten lässt sich beim Neubau am meisten Energie einsparen?

Bettina Mühlbauer: Schon bei der Planung des Gebäudes lässt sich viel Energie sparen. Am besten ist die Energie, die gar nicht erst gebraucht wird, daher ist der größte Hebel im Neubau, den Energiebedarf des Gebäudes möglichst gering zu halten. Das heißt, mit einem guten Wärmeschutz an der Gebäudehülle bleibt die Energie lange im Haus und man spart dadurch dauerhaft Energie. Erst der nächste Schritt ist ein effizientes Heizsystem bzw. Haustechniksystem, das in der Abwärme-Nutzung, Wärmeerzeugung, Speicherung und Wärmeverteilung optimal auf das Gebäude und die Nutzer abgestimmt ist. Vorteil an dieser Reihenfolge ist zudem, dass bei einem geringen Energiebedarf durch eine gut gedämmte Gebäudehülle, der Wärmeerzeuger kleiner dimensioniert werden kann und somit wiederum Kosten gespart werden können.

Sollte man bereits bei der Planung über den Energieverbrauch nachdenken und wer hilft dem Bauherrn beim Denken bzw. Konzipieren?

Bettina Mühlbauer: Sowohl für Neubauten als auch bei der Sanierung ist es essentiell, bereits bei der Planung über den Energieverbrauch nachzudenken. Bei der zukunftsfähigen Grundrissplanung helfen Fragen wie: Lässt sich das Gebäude in mehrere Wohneinheiten aufteilen, wenn der Platzbedarf geringer wird? Und ist immer jemand zu Hause im Hinblick auf Kinderbetreuung und Homeoffice oder sind alle Bewohner außerhalb voll berufstätig?

Beim Gedanken an den Energieverbrauch schon während Planung kann auch das Thema „graue Energie“ miteinbezogen werden, das heißt, wie viel Energie wird bereits bei der Herstellung der Materialien und dem Bau des Gebäudes verbraucht. Hier kann über regionale Anbieter und den Einsatz nachhaltiger Baustoffe wie bspw. Holz schon sehr viel CO2 gespart werden. Bei der Planung darf natürlich auch nicht der Einsatz erneuerbarer Energien für die Wärme- und Stromerzeugung fehlen – Stichwort Photovoltaikanlagen.

Behilflich bei der energetischen Gesamtplanung sind die von der dena (Deutsche Energieagentur) gelisteten Energieeffizienz-Experten, die auch berechtigt sind Anträge über die Bundesförderung für effiziente Gebäude zu stellen, und natürlich die Planungsbüros, Architekten und Baubetriebe in der Region.

Und wer berät im individuellen Fall?

Im Interview: Bettina Mühlbauer, Geschäftsführerin der Energieagentur Südostbayern GmbH

Bettina Mühlbauer: Als erster Schritt lohnt es sich immer, sich unabhängig beraten zu lassen. Kostenlos wird diese Erstberatung von verschiedenen Stellen angeboten. Bürger aus Stadt und Landkreis Rosenheim können beispielsweise per Mail unter energieberatung@lra-rosenheim.de ein Einzelgespräch mit einem anerkannten und unabhängigen Energieberater vereinbaren. Unterstützt wird das Angebot von GIH Bayern e.V. und ezro Energiezukunft Rosenheim. 

Für alle Interessierten im Chiemgau lohnt sich der Gang zur Energie-Erstberatung der Energieagentur Südostbayern in Kooperation mit der Verbraucherzentrale Bayern e.V.. Getragen von den Landkreisen Berchtesgadener Land und Traunstein und gefördert vom Bund beraten die Energieexperten kostenlos und neutral zu allen Fragen rund ums energetische Bauen und Sanieren, den Einsatz erneuerbarer Energien und Energieeffizienz. Die Beratung findet regelmäßig persönlich in verschiedenen Standorten in den Landkreisen Berchtesgadener Land und Traunstein statt und natürlich telefonisch. Eine Anmeldung ist bei der aktuell sehr hohen Nachfrage unbedingt erforderlich. Mehr Informationen und Beratungszeiten unter www.energieagentur-suedost.bayern

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