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Diese Medikamente sind knapp - vor allem Kinder-Arzneien betroffen

„Wir haben große Schwierigkeiten“: Apotheker aus der Region beklagen Medikamenten-Engpässe

Traunsteiner Apotheker Benedikt Schmidt - Apotheken-Regal
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Benedikt Schmidt ist Leiter der St. Georg Apotheke in Traunstein. Auch seine Apotheke ist von Lieferengpässen bei Medikamenten betroffen.

Viele wichtige Medikamente sind derzeit nicht oder nur eingeschränkt lieferbar. Diese Engpässe machen auch vor den Apotheken in der OVB24-Region keinen Halt. Welche Medikamente in den Landkreisen derzeit nur schwer zu bekommen sind, erfahrt Ihr hier.

Der Deutsche Apothekerverband hat bereits eindrücklich vor Lieferengpässen bei wichtigen Medikamenten gewarnt, die Liste der davon betroffenen, gemeldeten Präparaten wird jeden Tag länger. Die Ursache liegt darin, dass die Herstellung von Generika-Produkten meist nicht mehr wirtschaftlich ist.

1989 wurden Festbeträge für Arzneimittel und Hilfsmittel eingeführt, die den Preisanstieg im Gesundheitswesen begrenzen sollen. Das bedeutet allerdings auch, dass erhöhte Produktionskosten, z.B. durch höhere Energie- und Lieferkosten, nicht an die Verbraucher weitergegeben werden können. Immer mehr Medikamenten-Hersteller haben sich daher vom Markt zurückgezogen, und die verbliebenen Unternehmen können die Produktion nicht schnell genug erhöhen.

Das sorgt für Probleme in ganz Deutschland - und auch die Apotheken in der OVB24-Region sind davon betroffen. Apothekerinnen und Apotheker haben uns im Gespräch erzählt, mit welchen Schwierigkeiten sie derzeit zu kämpfen haben:

Sie alle hoffen, „dass unsere Bestände ausreichen!“

Annette Reindl, Apotheke im Bahnhof Rosenheim

Annette Reindl leitet die Apotheke im Bahnhof Rosenheim. Sie hofft, dass ihre Vorräte an Fiebersäften noch bis zur nächsten Lieferung ausreichen, denn langsam wird es knapp.

„Ja, auch wir sind von den Lieferschwierigkeiten betroffen. Im Moment sind die Wirkstoffe Ibuprofen und Paracetamol knapp, vor allem die Darreichungsformen für Säuglinge und Kleinkinder, also Fiebersäfte und Zäpfchen. Aber das ist nicht das einzige: Insulin war vor kurzem für ein, zwei Tage nicht lieferbar, und erst am Montag habe ich festgestellt, dass Penicillin wohl derzeit nicht in allen Stärken und Stückzahlen so verfügbar ist, wie wir das sonst gewöhnt sind.

Bei Fiebersäften habe ich glücklicherweise noch einiges an Lagerbeständen da, aber man weiß nie, wann eine neue Lieferung kommt. Ich hoffe, dass unsere Bestände bis dahin ausreichen! Für den Notfall hätten wir auch die Möglichkeit, selbst Präparate herzustellen, das ist aber akut noch nicht notwendig. Wann die Lieferschwierigkeiten behoben sind, weiß ich noch nicht. Was ich aber weiß: Es gibt eine Glucose-Elektrolyt-Mischung, die ebenfalls speziell für Säuglinge und Kleinkinder geeignet ist, und die seit Monaten nicht lieferbar ist. Diese wird vermutlich erst wieder im nächsten Jahr verfügbar sein.“

Thomas Leitermann, Inn-Apotheke Mühldorf am Inn

Thomas Leitermann, Leiter der Inn-Apotheke Mühldorf, kann nicht abschätzen, wie lange die Lieferschwierigkeiten noch andauern werden.

„Natürlich haben wir damit derzeit auch unseren Spaß – es geht gerade wirklich quer durch alle Wirkstoffe und Hersteller. Eigentlich haben wir ja genug damit zu tun, die Kunden gut zu beraten. Aber im Moment geht ein Großteil des Beratungsgesprächs dafür drauf, dass wir schauen, welche Hersteller und Präparate überhaupt lieferbar sind. Am häufigsten sind Fiebersäfte und Zäpfchen für Kinder nicht erhältlich, was natürlich sehr viele Patienten trifft - nur tröpfchenweise bekommen wir da etwas rein, aber bei weitem nicht in der Menge, die wir benötigen. Auch Blutdruckmedikamente sind immer mal wieder knapp. Und unsere Liste geht noch weiter: Von Hustenlösern über Schlafmittel bis hin zu Antibiotika und dem klassischen Aspirin ist wirklich alles mit dabei. In vielen Fällen gibt es aber Alternativen, die gegebenenfalls nach Rücksprache mit dem behandelnden Arzt auch in Frage kommen.

Die Lieferschwierigkeiten sind immer sehr tagesabhängig. Mal gibt’s zwei Wochen nix, dann bekommt man auf einmal wieder etwas, dann muss man wieder warten... meistens wissen wir einfach nicht, warum die Sachen nicht lieferbar sind. Ich bekomme von meinem Lieferanten nur die Nachricht, dass ein Präparat derzeit nicht verfügbar ist. Wenn man dann nachfragt, wie es wegen Lieferterminen aussieht, bekommt man entsprechende Termine in 80 Prozent der Fälle ohne Gewähr. Oder der Liefertermin verstreicht, ohne dass Ware kommt. Der Lieferant teilt einem dann nur mit, dass sie zwar eine entsprechende Menge beim Hersteller geordert hätten, aber nur ein Bruchteil wirklich kam. Grundsätzlich haben wir schon die Möglichkeit, Sachen selbst herzustellen, allerdings sind die Krankenkassen davon gar nicht begeistert: Eigenproduktion kostet schließlich meistens erheblich mehr. Dementsprechend sind wir auf Lieferungen angewiesen. Wir achten natürlich darauf, dass unsere Qualitätsansprüche nach wie vor erfüllt sind, aber im Prinzip müssen wir derzeit fast nehmen, was wir bekommen – wir sind einfach froh, wenn überhaupt etwas lieferbar ist und tun natürlich alles in unserer Macht stehende dafür, dass die Patienten ihre dringend benötigten Arzneimittel bekommen.“

Petra Fendt, St. Antonius Apotheke Berchtesgaden

„Ja, wir haben große Schwierigkeiten. Ein gutes Beispiel sind die Nurofen Fiebersäfte oder auch Fieberzäpfchen für Kinder, die sind derzeit nicht erhältlich. Bei den Fiebersäften hatten wir mal zwanzig Stück da, jetzt ist davon nichts mehr übrig, und wir bekommen auch keine neue Lieferungen. Auch manche Cholesterinmittel bekommen wir fast nicht mehr her.

Aktuell müssen wir Menschen, die nach diesen Mitteln fragen, leider wieder nachhause schicken, ohne dass wir ihnen genauer sagen könnten, wann diese Medikamente wieder erhältlich sind. Wenn wir die Möglichkeit haben, Lagerbestände aufzukaufen, dann schauen wir natürlich, dass wir dort etwas bekommen, aber das gelingt uns nicht immer. Medikamente selbst zu produzieren ist bei uns ein sehr großer Aufwand, und die Lieferprobleme machen schließlich auch nicht vor den Hilfsstoffen Halt. Ein Ende der Lieferschwierigkeiten? Dazu können wir gar nichts sagen. In der Corona-Pandemie haben viele Händler einfach weniger produziert als früher. Dadurch sind die Lagerbestände runtergegangen. Und jetzt kommen sie mit der Produktion nicht mehr nach.“

Benedikt Schmidt, St. Georg Apotheke Traunstein

„Früher haben wir Apotheker einfach bestellt, da hat man sich höchstens mal überlegt, in welchen Stückzahlen man ordert, damit man den größten Rabatt bekommt. Das hat sich im vergangenen Jahr extrem geändert: Jetzt redet keiner mehr von Rabatt, wir sind einfach nur froh, wenn wir etwas bekommen. Ich muss eigentlich ständig dahinter sein, ich habe sogar WhatsApp-Gruppen mit anderen Apothekern. Wenn dann jemand sieht, dass Produkte auf offiziellen Internetplattformen wieder erhältlich sind, benachrichtigen wir uns gegenseitig. Und dann gilt es schnell zu sein: Oft werden nämlich nur die ersten hundert Bestellungen beliefert, und der Rest geht leer aus.

Fiebersäfte sind zum Beispiel seit Monaten quasi nicht mehr lieferbar. Für mich war dieser Mangel vorhersehbar. Deshalb habe ich bereits zu Jahresbeginn den Vorrat an Fiebersäften für ein ganzes Jahr bei uns einlagern lassen. So waren diese bei uns nie knapp - zu mir kamen sogar Leute aus Rosenheim, weil wir die einzigen in der ganzen Region waren, die die Produkte noch vorrätig hatten. Aber wir haben auch Probleme mit Fieberzäpfchen. Weil das Kinderprodukte sind, macht das die Lage noch prekärer: Manche Kinder nehmen die Säfte einfach nicht ein, und da bleibt den Eltern nichts anderes übrig, als ein Zäpfchen zu geben. Wenn man dann als Apotheker einer verzweifelten Mutter sagen muss, dass man das Medikament nicht hat, ist das eine wirklich ungute Situation.

Dass vor allem Kinderprodukte betroffen sind, liegt daran, dass diese meist besonders günstig sind. Weil der Markt daher nicht sonderlich lukrativ ist, gibt es nicht viele Hersteller, die solche Präparate herstellen. Und wenn dann einer ausfällt, wird es direkt schwierig. Was das nächste große Problem wird, sind Kindernasensprays, das hat mir am Dienstag die Ratiopharm-Vertreterin gesagt. Da fehlen die Filter. Aktuell kann ich da also keine mehr bestellen.

Aber auch im verschreibungspflichtigen Bereich gibt es Engpässe, zum Beispiel bei Blutdruckmedikamenten, bei dem Magenschutz Pantoprazol, bei manchen Antibiotika und bei einem Cholesterinsenker. Gerade bei verschreibungspflichtigen Präparaten ist es extrem auffällig, dass in den anderen EU-Ländern diese Medikamente noch verfügbar sind. Es ist ein Fakt, dass die Großhändler die Sachen kaum mehr in den deutschen Markt verkaufen, der für seine günstigen Medikamentenpreise bekannt ist, sondern lieber in das europäische Ausland, weil sie dort mehr Geld dafür bekommen. Und somit schauen wir in die Röhre.“

fso

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