Wander-Tipp: Auf den höchsten Berg der Berchtesgadener Alpen

Ein wahrhaft königliches Erlebnis

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Nicht so markant als der Watzmann (rechts) und trotzdem majestätisch: der Hochkönig vom Hochstaufen.

Mühlbach am Hochkönig – Jeden Freitag lesen Sie hier unseren Wander-Tipp. Dieses Mal geht es in die Berchtesgadener Alpen. Genauer gesagt: Auf die höchste Erhebung der gesamten Gebirgsgruppe.

Gleich zwei Könige stehen in den Berchtesgadener Alpen. Während König Watzmann unverkennbar über dem Berchtesgadener Talkessel auf bayerischer Seite thront, steht der Hochkönig als markante Mauer zwischen Dienten und Bischofshofen. Doch nicht nur seine Höhe von knapp 3.000 Metern ist beeindruckend, sondern auch seine Schartenhöhe von 2181 Metern, die im gesamten Alpenraum nur von Mont Blanc, Großglockner, Finsteraarhorn, Wildspitze und Piz Bernina übertroffen wird. Zudem ist der Hochkönig einer der höchsten Berge der Nördlichen Kalkalpen: lediglich die Parseierspitze in den Lechtaler Alpen (3036m), der Dachstein (2993m) und die Zugspitze (2962m) sind höher. Für Kletterer ist der Königsjodler-Klettersteig interessant: dieser ist einer der längsten und aufregendsten der Ostalpen.

Die Wanderung im Überblick 

  • Berg/Gipfel: Hochkönig, Berchtesgadener Alpen, 2941m 
  • Höhenmeter der Wanderung: 1550m 
  • Wanderparkplatz/Adresse fürs Navi: Arthurhaus, 1502m, gebührenpflichtig 
  • Gehzeit: 6-7 Stunden hinauf, 5-6 hinab 
  • Schwierigkeit: Technisch einfache, aber sehr lange Tour. Eine Übernachtung auf dem Matrashaus wird empfohlen.
  • Einkehrmöglichkeiten: Arthurhaus (1502m), Mitterfeldalm (1669m), Matrashaus (2941m) 
  • Wann sollte man aufpassen? Nach Mitterfeldalm eine schmale, ausgesetzte Querung; auf dem Gipfelplateau steile Abstürze gegen Süden. 
  • Ist die Wanderung für Anfänger geeignet? 2/5 Punkte: Zwar gibt es keine technischen Schwierigkeiten, aber die Länge der Tour darf nicht unterschätzt werden. Besonders bei einem Wetterumschwung kann es sehr gefährlich werden. Zumindest ein alpin erfahrener Begleiter sollte also dabei sein. Zudem sollten Grödel (leichte Steigeisen) eingepackt werden, da einige Schneefelder überquert werden müssen. 
  • Für Familien mit Kindern geeignet? 1/5: Lediglich für konditionsstarke Kinder ist diese Tour zu empfehlen, ansonsten lieber auf die Mitterfeldalm oder auf den nahen Hochkeil (1782m) ausweichen.
  • Für Hunde geeignet? 0/5: Da auf dem Matrashaus keine Hunde erlaubt sind und die Tour nur bei wirklich flotten Bergfreunden an einem Tag zu schaffen ist, ist von einer Mitnahme des vierbeinigen Freundes abzuraten! 
  • Lohnt der Gipfel-Ausblick? 5/5: Erst am Gipfel entfaltet sich das volle Panorama: nicht nur der eindrucksvolle Tiefblick ins Dientener Tal ist erwähnenswert, sondern auch die überragende Gipfelschau auf sämtliche Gebirgsgruppen der Hohen Tauern mit ihren majestätischen Dreitausendern. Zudem ergibt sich ein schöner Blick auf Dachstein, die Niederen Tauern und die restlichen Berchtesgadener Alpen. 

Drei Gründe, warum sich die Wanderung lohnt 

  • Das Matrashaus: Direkt auf dem Gipfel gelegen gehört das Matrashaus zu den höchsten Hütten in Österreich. Nicht nur die Sonnenauf- und Sonnenuntergänge sind hier ein Spektakel, sondern auch der Nachthimmel, der nur von wenig Lichtverschmutzung betroffen ist. 
  • Der Wegcharakter: Obwohl der Ausgangspunkt schon recht hoch gelegen ist, ist der Weg imposant: Aus alpinen Wiesen wird nach Umkurven der schroffen Mandlwand kalkige Kargheit. Immer auf einem schmalen Steig haltend, gelangt man nach dem Passieren der mächtigen Torsäule in die Welt der Übergossenen Alm, des größten Gletschers der Berchtesgadener Alpen, die auf dem Weiterweg auch überschritten wird. 
  • Das Überwinden: Sicherlich zu den längsten Touren, die jemals in den Wander-Tipps vorgestellt werden, gehört der Weg auf den Hochkönig. Da eine gewisse Überwindung, diese anzugehen, dazugehört, ist man hernach umso stolzer auf sich, wenn man auf dem Gipfel des knapp 3.000 Meter hohen Berges steht. 
Hier ist für gut 100 Meter vollste Aufmerksamkeit gefragt.

Wir starten am großen Wanderparkplatz am Arthurhaus. Diesen sollten wir schon früh erreichen, da mit fortgeschrittener Zeit der Ausgangspunkt zu einem regelrechten Rummelplatz werden kann. Auf einem breiten Wanderweg geht’s in Richtung Mitterfeldalm, wo an guten Tagen ebenso viel Betrieb herrscht. Kurz danach wird es schon ruhiger: Nach einem flachen Abschnitt steigen wir zur Kleinen Gaißnase hinab, gegebenenfalls nehmen wir dabei das Seil zur Hilfe. Immer wieder schauen wir in das Salzachtal, zu Tennengebirge und Dachstein hinüber. Die schroffe Mandlwand endlich umkurvt, geht es weiter auf einem steilen Schutthang hinauf zum Ochsenkar. 

Reste eines Korallenriffes aus längst vergangenen (Erd-)Zeiten.

Dieses begleitet uns bis zum Fuße der Torsäule, die wir mit der Passage durch den Ochsenriedel nach gut drei Stunden erreichen. Die Hälfte der Strecke ist nun geschafft! Hier bietet sich eine Brotzeit mit Blick auf den schroffen Felsturm an. Mit ein bisschen Glück können wir auch Kletterer erkennen, die geradezu winzig in der Wand erscheinen. Immer an der Torsäule entlang steigen wir schließlich ins Obere Ochsenkar ein und gelangen über steinige Serpentinen auf eine Scharte. Nicht recht viel später, in einem Wechselspiel von Auf und Ab, gelangen wir in eine weitere. Endlich wird der Gipfelaufbau unseres heutigen Zieles mit dem Matrashaus sichtbar. Allerdings werden wir schon noch ein bisschen gehen müssen, um dieses zu erreichen. Wiederum abwärts geht es, wenn wir auf die Übergossene Alm zugehen. Laut einer Sage soll dieser Plateaugletscher als Strafe für die dekadent lebenden Senner, die einen Unterschlupf suchenden, armen Wanderer fortjagten, entstanden sein. Stufenweise geht es nun mal über Eis, mal über Fels durch das größte Eisfeld der Berchtesgadener Alpen. Hierbei leisten die Markierungsstangen hervorragende Orientierungsarbeit. Endlich ist der Fuß des eigentlichen Gipfels erreicht! Einmal noch Kräfte bündeln und es geht über eine Stiege mit Eisenkette zum höchsten Punkt der Berchtesgadener Alpen. Berg Heil! Abstieg wie Aufstieg!

Bilder

Simon Schmalzgruber

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