Wander-Tipp: Von Pürzlbach zum Seehorn

Auf den kleinen Bruder vom Hundstod

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Links neben der Doppelspitze des Großen Hundstodes, ist unser aktuelles Ziel: das Seehorn.

Weißbach bei Lofer/Pürzlbach - Jeden Freitag lesen Sie hier unseren Wander-Tipp. Dieses Mal geht es wieder in Richtung Hundstod und zwar auf dessen kleinen Bruder, dem Seehorn.

Weitaus unspektakulärer als sein Nachbar ist das Seehorn schon. Nicht minder spektakulär ist jedoch der Ausblick, der dem Hundstod in keiner Weise nachsteht. Auch wenn das heutige Ziel mit 2321m um fast 300 Meter kleiner als sein Gegenüber ist, so hat die Tour ebenso einige Vorteile: Der Berg, der von uns Bayern noch zum Hochkaltergebirge, von den österreichischen Nachbarn bereits schon zum Steinernen Meer gezählt wird, hat einen wesentlich kürzeren Aufstieg, der zudem technisch einfacher ist. Das Naturerlebnis ist ähnlich kontrastreich, aber der Seehornsee, der nur auf dieser Tour zu erreichen ist, ist einer der Glanzpunkte der Tour, ja sogar der ganzen Gegend.

Die Wanderung im Überblick 

  • Berg/Gipfel: Seehorn, Berchtesgadener Alpen (Hochkaltergruppe/Steinernes Meer), 2321 Meter. 
  • Höhenmeter der Wanderung: 1250 Meter. 
  • Wanderparkplatz/Adresse fürs Navi: Wanderparkplatz Pürzlbach, gebührenpflichtig (2 Euro). Gehzeit: 4 – 4 1⁄2 Stunden. 
  • Schwierigkeit: Wesentlich unschwieriger als Hundstod, trotzdem längere Tour, die Trittsicherheit und gute Kondition erfordert.
  • Einkehrmöglichkeiten: Kallbrunnalm (Jausenstation, Kaser, ...) 
  • Wann sollte man aufpassen? Nach Passieren der Baumgrenze erreicht man die steile Abbruchkante zum Dießbachtal hinunter. Dort nicht allzu sehr am Rand wandern! 
  • Ist die Wanderung für Anfänger geeignet? 3/5 Punkte: Vernachlässigt man den einzig schwierigen Part der Tour, ist die Wanderung aufs Seehorn in Begleitung eines alpin erfahreneren Menschen auch für Anfänger eine tolle Tour! 
  • Für Familien mit Kindern geeignet? 3/5: Für Kinder ebenfalls großartig, wenn genügend Wasser mitgeführt wird (letzte Einkehrmöglichkeit im letzten Kaser der Kallbrunnalm, circa drei Stunden vom Gipfel.) 
  • Für Hunde geeignet? 4/5: Hundehalter kommen auch voll auf ihre Kosten, da es kaum längere Stellen gibt, bei denen größere Schritte zum Übersteigen gemacht werden müssen. Allerdings auch bei Vierbeinern an genügend Wasser denken. 
  • Lohnt der Gipfel-Ausblick? 5/5: Ein Panorama, das sich von den heimischen Bergen bis zum Alpenhauptkamm zieht. Neben der Glocknergruppe ergeben sich tolle Ausblicke in die gesamten westlichen und südlichen Berchtesgadener Alpen (Besonders auch Watzmann, Hochkalter und Hocheis), sowie auf den Zeller See.

Drei Gründe, warum sich die Wanderung lohnt 

  • Der Streckencharakter: Sieht man von der Länge der Tour ab, durchwandert man eine kontrastreiche Welt: erst durch das größte Almgebiet der Berchtesgadener Alpen, dann durch einen Urwald und schließlich an der grasigen Gipfelkante, die im Frühsommer in herrlichen Farben erblüht! 
  • Seehornsee: Klein, aber fein liegt der nahezu kreisrunde, smaragdgrüne Seehornsee auf 1779 Metern. Eingerahmt von einem Felsenkessel kann das aufmerksame Auge in diesem Schmuckstück hier sogar Fische erspähen. 
  • Kallbrunnalm: Auf der Kallbrunnalm hat man die Qual der Wahl: entweder, man lässt sich den Gaumen vom hier produzierten Käse verwöhnen, oder ein frisch gezapftes, kühles Bier an der Jausenstation schmecken. Dadurch, dass die Kallbrunnalm nicht allzu weit vom Ausgangspunkt liegt, bietet es sich an, die lange und anstrengende Tour hier ausklingen zu lassen.
Auf gut 2/3 des Weges erreichen wir den smaragdgrünen Seehornsee!

Wir starten am nicht allzu großen Wanderparkplatz Pürzlbach, den man über einen Güterweg von Weißbach bei Lofer erreicht. Wir befinden uns bereits auf fast 1100 Meter und begleitet von den Kalkriesen der Leoganger und der Loferer Steinberge auf der anderen Seite können wir nach fünf Minuten entscheiden, ob wir rechts auf dem breiten Fahrweg bleiben, oder über einen kleinen Steig etwas abkürzen. Wir entscheiden uns für links und verbleiben guten zehn Minuten auf dem Weg, der von Unwettern stark in Mitleidenschaft gezogen worden ist. Fünf Minuten später führt der Weg durch den Wald; bis zur Baumgrenze werden wir nun fast durchgehend unter Bäumen sein. Vor allem in heißen Sommern eine Wohltat! Nun sind wir schon eine gute halbe Stunde unterwegs und wir werden wiederum vor die Wahl gestellt: wieder auf dem breiten Fahrweg bleiben oder den Bach über eine kleine Brücke queren. 

Wir traversieren das munter plätschernde Wässerchen, da der Weg kontrastreicher und auch ein bisschen kürzer ist. Der Blick wendet sich nun Hoch- und Kühkranz zu, die sich von dieser Seite als wuchtige Bollwerke präsentieren. Den grasenden Kuhherden, an denen wir nun immer wieder vorbeikommen, dürfte das Spektakel doch relativ egal sein. 

Schon bald ist die Baumgrenze erreicht. Wir blicken hinunter zu Dießbach-Stausee, Seehornsee und Kallbrunnalm hinüber zu dem Leoganger Steinbergen mit dem Gipfelkönig Birnhorn.

Eineinviertel Stunden später und wir haben die Kallbrunnalm erreicht! An vielen Hütten, vor allem kleinen Bergbauernhöfen geht es nun wieder auf dem breiten Fahrweg weiter in Richtung Seehorn-Fuß. Eine Viertelstunde später und der letzte Kaser ist erreicht. An der schönen Raststelle bietet sich eine Pause an, ehe es bei der Weggabelung links weiter zum Seehorn geht (rechts ginge es in Richtung Dießbach-Stausee und zum Hundstod). Gute fünf Minuten später lassen wir den Fahrweg endgültig hinter uns und stapfen über Stock und Stein durch den Urwald, in dem es nach Niederschlägen ziemlich matschig werden kann. Nach eineinhalb Stunden gelangen wir plötzlich zum Seehornsee: eingebettet in einen Felsenkessel, mit Blick zu den Steinbergen, li egt dieser wunderschön auf 2/3 des Weges. Seine smaragdgrüne Farbe ist betörend, was den See zu einem der Schmuckstücke des Unteren Saalachtals (vormals Mitterpinzgau) macht. Haben wir Glück, sehen wir sogar Fische darin! Nun geht es steiler weiter. Wir schlupfen immer mal wieder durch schmale Latschen- Fels-Kaminchen, bis wir die Baumgrenze erreicht haben. Der Ausblick wird immer umfassender auf dieser letzten, wenig schwierigen Etappe. Eine halbe Stunde vom Gipfel entfernt, bereits auf 2175 Metern, kommen wir an das Sennerinkreuz. Hier hat frühen 19. Jahrhundert eine junge Sennerin ihr Leben gelassen, als sie auf der Suche nach verlorenen Schafen im Schneesturm (der sich mitten im August ereignete!) die Orientierung verloren hat und erfror. Kurz nach dem Sennerinkreuz gelangen wir an die Kante, die eindrucksvoll ins Dießbachtal abbricht. Am Rande dieser Kante geht es weiter unschwierig entlang und schließlich ist der Gipfel erreicht! Richtung Hundstod blicken wir auf die Hochwies und die Wimbachkette hinab, letztere ist auch die Grenze zwischen Deutschland und Österreich. 

Das Steinerne Meer und Hochkönig im Hintergrund, die Zentralalpen mit dem Zeller See im Süden, die Steinberge im Osten und die Chiemgauer Alpen im Norden. Am eindrucksvollsten präsentieren sie hier jedoch Watzmann, Hochkalter und Hocheisspitze, die man noch ewig betrachten könnte! Abstieg wie Aufstieg oder hinunter auf die Hochwies und am Dießbach-Stausee entlang zur Weggabelung des letzten Kasers der Kallbrunnalm.

Die Wanderung auf das Seehorn

Simon Schmalzgruber

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