Hochgern - Winter Edition

Wandertipp: Von Kohlstatt auf den Hochgern

Ein keckes Felshorn grinst uns bei der Hinteralm an. Man mag kaum glauben, dass es sich hierbei um den Hochgern handelt.
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Ein keckes Felshorn grinst uns bei der Hinteralm an. Man mag kaum glauben, dass es sich hierbei um den Hochgern handelt.

Bergen/Obb. – Jeden Freitag lesen Sie hier unseren Wander-Tipp. Dieses Mal geht es vom Weiler Kohlstatt auf den Hochgern.

Der Hochgern: Zusammen mit dem Hochfelln Wächter des Chiemgaus und durch seine Exposition eine hervorragende Aussichtskanzel. Nicht nur wegen seiner Aussicht, auch durch seine großteils einfachen Wege ist der Berg Sommer wie Winter gut besucht. Dennoch führen auch Wege hinauf, die nicht von Menschentrossen überrannt werden und schwieriger sind. Einer davon wird heute vorgestellt:

Die Wanderung im Überblick

Berg/Gipfel: Hochgern, 1.748 Meter, Chiemgauer Alpen

Höhenmeter der Wanderung: Circa 1.100 Höhenmeter

Wanderparkplatz/Adresse fürs Navi: Wanderparkplatz Kohlstatt, 83346 Bergen. Endpunkt der Straße, die an der Talstation der Hochfellnbahn vorbeiführt, kostenlos.

Gehzeit: Circa dreieinhalb bis vier Stunden aufwärts, zweieinhalb abwärts

Schwierigkeit: Moderat schwere Bergwanderung, die an einigen Stellen Trittsicherheit erfordert.

Einkehrmöglichkeiten: Vorderalm, 1.140 Meter, Hinteralm, 1.145 Meter, Bischofsfellnalm, 1.381 Meter

Wann sollte man aufpassen? Besonders der mittlere Abschnitt hats in sich: Zwischen Vorder- und Hinteralm bewegt man sich auf schmalem Steig in abschüssigem Gelände. Zudem besteht an feuchten, beziehungsweise verschneiten Stellen Ausrutschgefahr!

Ist die Wanderung für Anfänger geeignet? 2/5 Punkte: Diese Route auf den Hochgern ist mit die schwierigste, die zu erwanderbar ist. Anfänger sollten lieber auf einfachere, zum Beispiel über die Westseite, ausweichen.

Für Familien mit Kindern geeignet? 2/5: Auch Familien mit Kindern sollten über einen anderen Weg nach oben gehen, da der Mittelteil durchaus gefährlich ist.

Für Hunde geeignet? 5/5: Hundebesitzern hingegen ist die Tour sehr zu empfehlen, da einerseits der Wald viel Schatten spendet, andererseits viele Quellen Erfrischung versprechen.

Lohnt der Gipfel-Ausblick? 5/5: Der Hochgern ist durch seine Exposition eine hervorragende Aussichtskanzel: Nicht nur der Chiemsee mit dem Alpenvorland bis München und weiter ist zu sehen, sondern auch die Hohen Tauern, die Zillertaler und Stubaier Alpen, Kaisergebirge, Karwendel und Zugspitze. Bei exzellenten Sichtverhältnissen sind sogar die Mittelgebirge des Böhmerwalds vom Bayerischen Wald bis zum 200 Kilometer entfernten Weinsberger Forst zu erkennen!

Drei Gründe, warum sich die Wanderung lohnt

Einsamkeit: Während am Wanderparkplatz noch der Bär steppt, hat man über weite Strecken der Tour seine Ruhe. Ideal für diejenigen, die die Einsamkeit lieben!

Als Sommertour geeignet: Die meiste Zeit bewegt man sich über schattiges Terrain, sodass die Tour auch an warmen Sommertagen weniger beschwerlich ist als anderswo.

Viele Einkehrmöglichkeiten: Gleich drei Hütten liegen auf dem Weg zum Gipfel, in denen eine zünftige Einkehr möglich ist.

Für wen die Tour nix ist

Der Mittelabschnitt birgt nicht nur Ausrutsch- und Absturzgefahren, auch kann man hier leicht die Orientierung verlieren. Wer das nicht handeln kann, sollte anderweitig den Gipfel stürmen.

Los los!

Wir starten unsere Tour am Wanderparkplatz Kohlstatt, an dem schon früh viel los sein kann. Nur wenig steil geht es die ersten Meter auf dem Fahrweg nach oben. Fünf bis zehn Minuten später erreichen wir den Menkenboden, wo verschiedene Routen abzweigen: Zur Bründlingalm, Zum Engelstein, oder in Richtung Hochgern/Hochfelln. Wir folgen dem Wegweiser in Richtung Hochgern und kommen nach knapp zehn Minuten an eine weitere Weggabelung, wo wir wiederum nach rechts abbiegen. Hier ebben die Wandererkarawanen ab und haben den Weg fast für uns alleine. Der Weg steilt an und wird etwas schmaler. Doch nicht für ewig, denn nach einer guten halben Stunde biegen wir in eine Fahrstraße ein, die zur Vorderalm führt, welche wir nach einer weiteren Viertelstunde erreichen. In Almnähe herrscht wieder mehr Betrieb, doch als wir auf den Weg 231 wechseln, haben wir wieder unsere Ruhe. Auf schmalem Steige geht es über Holzplanken, die nicht immer verhindern können, dass wir im matschigen Terrain einsinken.

Heute sind wir wahrlich nicht allein!

Eine knappe Viertelstunde später erleichtert uns eine Holzbrücke den Ausstieg aus dem Almgelände und schmeißt uns in den abenteuerlichen Mittelabschnitt. Wildromantisch geht es nun über Stock und Stein mal Höhenmeter gewinnend, mal einbüßend in Richtung Hinteralm. Wir müssen aufpassen, dass wir nicht ausrutschen, denn der geschmolzene Schnee trägt nicht sonderlich viel zur Griffigkeit der Steine bei, außerdem geht es hier ziemlich steil nach unten. Auch die Markierung ist eine andere: Anstatt Farbe an den Steinen zeigt uns hier rot-weißes Flatterband an, wo‘s weitergeht. Knapp 45 Minuten nach dem Überstieg gelangen wir an eine Kreuzung, wo uns ein Wegweiser bei der Orientierung hilft. Wir folgen dem Weg in Richtung Hinteralm, welche wir circa zehn Minuten später erreichen. Hier zeigt sich der Hochgern mit einem ganz anderen Gesicht: Anstatt eines gezogenen doppelgipfligen Bergrückens grinst uns hier ein schroffes verschneites Felshorn an! Wir folgen einem weiteren Fahrweg, aber nicht allzu lange, denn am nächsten Wegweiser biegen wir nach rechts ab. Wir wechseln wiederum auf einen Steig, der mit zunehmender Höhe immer verschneiter wird.

Ausrutschen kann böse enden!

Nach weiteren 30 Minuten betreten wir wiederum Almboden, der schon zur Bischofsfellnalm gehört. Diese ist nach zehn Minuten erreicht. Der Schnee wird immer höher, doch durch die Trittspuren kommen wir ohne größere Einschränkungen weiter nach oben. Wir tauchen wieder in den Wald ein und der Weg steilt an. Bald schon verlassen wir über ein Drehkreuz das Almgebiet und durch einen Mix aus Schnee und Matsch und kämpfen wir uns die letzten Höhenmeter nach oben. Wir verlassen den Bergwald und der Gipfel ist nun zum Greifen nah! Vorher müssen wir allerdings noch aufpassen, denn auch hier kann Unachtsamkeit böse ausgehen. Über die schmalen Trittspuren geht es noch einmal steil bergauf, ehe wir kurz unterhalb des Gipfels auf die Marquartsteiner Aufstiegsroute treffen. Nicht mal fünf Minuten später heißt es dann: Berg Heil! Für den Abstieg folgen wir erst einmal der Aufstiegsroute, bei der Hinteralm biegen wir allerdings nach rechts ab und über Eschelmoos und und Weißachental sind wir nach gut zwei Stunden wieder an unserem Ausgangspunkt!

Die passende Bekleidung und Ausrüstung zum Wandern und für andere Outdooraktivitäten, finden Sie bei McTREK im Aicherpark Rosenheim.

Simon Schmalzgruber

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