Wander-Tipp: Von Adlgaß zum Frillensee

Herbstliche Wanderung zum kältesten See Mitteleuropas

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Inzell/Adlgaß - Jeden Freitag lesen Sie hier unseren Wander-Tipp. Dieses Mal geht es gemütlich zu einem Gewässer, das selbst im Sommer selten Temperaturen im zweistelligen Bereich hat, nämlich zum Frillensee.

Meistens hat er schon Mitte November – also schon weit vor den meisten Seen in unserer Region eine tragfähige Eisdecke. Das liegt zum Einen daran, dass das Relikt aus der letzten Eiszeit kalte Zuflüsse hat und somit auch als der kälteste See Mitteleuropas bezeichnet wird. Den Effekt verstärkt das auf 922 Metern gelegene Gewässer die Lage direkt am Fuße des Staufenmassivs, weswegen das Wasser nur selten von der Sonne angestrahlt wird. Nichtsdestotrotz ist der Frillensee besonders jetzt im Herbst ein herrliches Schmuckstück der Natur ist – der Ein oder Andere erinnert dies vielleicht sogar an den Altweibersommer in New England, der US-amerikanischen Ostküste.

Die Wanderung im Überblick

  • Berg/Gipfel: Frillensee, 922m 
  • Höhenmeter der Wanderung: 117m 
  • Wanderparkplatz/Adresse fürs Navi: Parkplatz Adlgaß, Adlgasser Straße, 805m 
  • Gehzeit: 1 Stunde hinauf, 45 Minuten hinab. 
  • Schwierigkeit: Sehr leichte und kurze Tour, die für jedermann zu schaffen ist. 
  • Einkehrmöglichkeiten: Forsthaus Adlgaß, circa 820m 
  • Wann sollte man aufpassen? Beim Holzsteg am Nordufer den Weg bitte nicht verlassen, da das Ökosystem empfindlich auf Störungen reagiert! 
  • Ist die Wanderung für Anfänger geeignet? 5/5 Punkte: Durch die Kürze und die breiten Wege ist dieser Weg in keiner Weise gefährlich für Anfänger. Somit eine ideale Einsteigertour! 
  • Für Familien mit Kindern geeignet? 5/5: Selbst für die Kleinsten der Kleinen (oder besser gesagt für deren Eltern) ist die Wanderung zum Frillensee ein Genuss, denn Kinderwagen können auch einfach durch die leichte Steigung manövriert werden. 
  • Für Hunde geeignet? 4/5: Ebenso bei Hunden gilt: ein Erlebnis für Herrchen/Frauchen und Fifi gleichermaßen. Allerdings sollte der tierische Begleiter angeleint werden, da immer wieder andere Tiere den Weg kreuzen können und es im Extremfall in einer Jagd durch den ganzen See ausufern kann. 
  • Lohnt der Gipfel-Ausblick? 1/5: Das große Bergpanorama sucht man hier vergeblich. Lediglich das Staufenmassiv, allen voran der Zwiesel, bricht eindrucksvoll mit seiner Nordseite gen Frillensee herab.

Drei Gründe, warum sich die Wanderung lohnt 

  • Die Einfachheit: Einfach eine Tour für jeden! 
  • Das Farbenspektakel: Besonders jetzt im Herbst zeigt sich der Mischwald am Frillensee von einer fantastischen Seite: während die Nadelbäume zumeist grün bleiben, wechseln sich verschiedene Rot- und Orangetöne an den Laubbäumen ab. Herrlich! 
  • Bergwald-Erlebnispfad: Zusätzliches Entertainment für Kinder (und auch Erwachsene): Verschiedene Stationen animieren zum Ausprobieren. Und die Großen können sich von den Zitaten wie von Hermann Hesse oder Bertolt Brecht inspirieren lassen.
Von rechts kommt der Weg, der zum Forsthaus Adlgaß führt.

Über die Tour an und für sich gibt es nicht viel zu sagen: wir starten am großen Wanderparkplatz Adlgaß, gehen unter dem Forsthaus Adlgaß vorbei und sind gleich im Wald. An der Mündung des Frillenseebachs in den Großwaldbach, beide gehören zum Quellgebiet der Roten Traun, geht es in den Wald. Wir folgen dem breiten Fahrweg und bald kommen wir an eine Kreuzung: Beide Wege führen zum Frillensee, wir nehmen aber den rechten, da dieser ruhiger (Mountainbiker sind dort nicht erlaubt) und erlebnisreicher ist. Immer wieder laden uns die Holztafeln im Bergwald-Erlebnispfad zum Mitmachen oder Innehalten ein. Begleitet werden wir vom munter plätschernden Wasser des Frillenseebachs, welcher der einzige Abfluss des Sees ist. 

Am Frillenseebach geht es kontinuierlich, aber nur wenig steil hinauf.

Nach einer guten Dreiviertelstunde erreichen wir ein Hochmoor, das unter Landschaftsschutz steht. Dieses war vor der Verlandung Teil des Frillensees, der im Laufe der Jahrtausende von 800 Meter Länge auf 280 Meter geschrumpft ist. Kurz darauf erreichen wir die Gaßlalm, die aber nicht mehr bewirtschaftet wird. Nun nicht mal mehr zehn Minuten bis zum Frillensee auf 922 Metern! Ist er erreicht, haben wir einen tollen Blick auf die Staufengruppe, das östlichste Massiv der Chiemgauer Alpen. Und nicht nur das: je nach Jahreszeit erleben wir hier ein tolles Farbenspiel der Pflanzen, jetzt im Herbst sticht besonders der Mischwald in seinen prächtigen Farben hervor. Eine Umrundung des im 19. Jahrhundert genannten Forellen-Sees ist empfehlenswert, da der See mit seinen 4,3 Hektar nicht sonderlich groß ist. Für diese müsste man eine gute Dreiviertelstunde einplanen. Wissenswert über den Frillensee ist auch, dass dieser quasi die Wiege des Inzeller Eissports ist. 1960 fanden hier sogar sowohl die Bayerische als auch die Deutsche Meisterschaft im Eisschnelllauf statt! Der Rückweg ist der gleiche wie der Hinweg.

Auf zum kältesten See Mitteleuropas

Simon Schmalzgruber

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