Wander-Tipp: Auf den Hochgern geht man gern hoch

Zur Aussichtskanzel des Chiemgaus

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Blick nach Osten zu Staufengruppe (von links nach rechts), Untersberg (im Hintergrund), Rauschberg, Sonntagshorn, Berchtesgadener Alpen (im Hintergrund) und Hörndlwand.

Marquartstein – Die Chiemgauer Alpen: Heimat und Identitätsstifter. Bis knapp 2.000 Meter hoch sind sie nicht zu Unrecht auch ein beliebtes Wander- und Urlaubsziel. Einen der prominentesten Gipfel stellen wir in unserem Wander-Tipp für diesen Freitag vor:

Ein prominentes Zweigestirn zwischen Achen- und Trauntal bildet er mit dem benachbarten Hochfelln: der Hochgern. Während der Hochgern seinen Nachbarn um 74 Meter überragt, zeichnet sich dieser durch seine leichtere Erreichbarkeit aus.

F ür den „Gern“ hingegen muss schon etwas mehr getan werden: Weder eine Seilbahn, noch eine hoch führende Anfahrtsstraße bringen den bequemen Wanderer hinauf, sodass man das Gipfelglück auf Schusters Rappen ersuchen muss. Dafür gibt es aber eines der tollsten Panoramen im Chiemgau sowie seltene Tierbegegnungen.

Die Wanderung im Überblick

  • Berg/Gipfel: Hochgern, 1.748m, Chiemgauer Alpen 
  • Höhenmeter der Wanderung: 1.118m 
  • Wanderparkplatz/Adresse fürs Navi: Wanderparkplatz Hochgern bei Marquartstein Gehzeit: 3 1⁄2 Stunden hinauf, 2 3⁄4 hinab 
  • Schwierigkeit: Technisch einfache, aber längere Tour, bei der eine gewisse Grundkondition vorhanden sein sollte. 
  • Einkehrmöglichkeiten: Agergschwendtalm (1.040m), Moaralm(1.400m), Enzianhütte(1.420m), Hochgernhaus (1.461m) 
  • Wann sollte man aufpassen? In der kurzen, etwas felsigeren Etappe zwischen Hochgernhaus und Gipfel ist ein bisschen Trittsicherheit gefragt. 
  • Ist die Wanderung für Anfänger geeignet? 4/5 Punkte: Fast schon die perfekte Einsteigertour. Wer sich aber auf den kurzen Stein-Etappen zu unsicher ist, sollte auf den Hochfelln ausweichen. 
  • Für Familien mit Kindern geeignet? 5/5: Ein idealer Berg für Groß und Klein. Technisch wenig anspruchsvoll und mit gleich vier Rast- und Einkehrmöglichkeiten gesegnet, wird die Tour selbst für den Nachwuchs zu keinem Zeitpunkt zu anstrengend. 
  • Für Hunde geeignet? 5/5: Gleiches gilt für Hundebesitzer: Wenig schwierig ist der Weg auch für Vierbeiner. Bonus: mehrere Bäche säumen den Weg, sodass auch der pelzige Begleiter nicht verdursten kann. 
  • Lohnt der Gipfel-Ausblick? 5/5: Chiemsee, Alpenvorland, ja sogar der Bayerische Wald ist im Norden sichtbar. Im Süden nicht anders: bereits ab dem Hochgernhaus offenbart sich der Blick bis in die weit entfernten Stubaier Alpen. Die Tauern, die Zillertaler Alpen, Zugspitze und Dachstein komplettieren die grandiose Sicht.
  • Drei Gründe, warum sich die Wanderung lohnt

    • Einfachheit: Ob Groß oder Klein: ein jeder, der sich fit für eine Bergtour sieht, kann diesen Berg dank seines einfachen Streckencharakters auch besteigen. 
    • Aufwand/Nutzen: Klar muss man auf den Hochgern etwas länger gehen als auf seine Nachbarn. Dafür wird man aber auch mit einem umso tolleren Panorama belohnt. 
    • Das Tiererlebnis: Hierzulande sind Murmeltiere scheue und daher selten zu sehende Zeitgenossen. Nicht aber beim Hochgernhaus: bis auf ein paar Metern kann man sich den Tieren nähern und ihnen beim Umhertollen zusehen.
    Grandioser Tiefblick auf den Chiemsee!

    Wir starten beim Wanderparkplatz Hochgern bei Marquartstein. Auf einem schmalen Weg erreichen wir nach fünf Minuten eine Verzweigung. Links ginge es zur Schnappenkirche, aber wir halten uns geradeaus. Kurz darauf überqueren wir eine Forststraße. Gute zehn Minuten später mündet unser Pfad in eine Forststraße, auf der wir nun laufen. Um den Fuß des Berges herum folgen wir jetzt länger der doch recht eintönigen, breiten Straße. Mehrere Verzweigungen passierend, die wir zweimal rechts und einmal links liegen lassen, erreichen wir nach einer guten Stunde die Agergschwendtalm, die knapp über 1.000 Meter liegt

    Ein erster Vorgeschmack

    Hier werden bereits die ersten Blicke in Richtung Unterberghorn und Großvenediger frei! Diese umgehen wir links und nehmen den, nun ansteilenden Weg in Richtung Hochgernhaus durch den Wald. Besonders an heißen Sommertagen dürfte der Wanderer froh sein, dass die Bäume viel Schatten spenden! 

    Bald erreichen wir eine Bergwachthütte, die wir wiederum links umgehen. Serpentine für Serpentine gewinnen wir an Höhe und sehen darum umso mehr von den umliegenden Bergen: nicht nur Unterberghorn und Venediger sind mittlerweile zu erkennen, sondern auch der Kaiser und der Geigelstein. 

    Nun sind wir bereits an der Moaralm, ein paar Höhenmeter weiter erreichen wir die Enzianhütte und wiederum nur wenig später schließlich das Hochgernhaus. Bereits auf 1.461 Metern gelegen, könnten wir hier schon die Tour beenden, denn die Aussicht ist von dieser Stelle aus schon bärig: An einer Tafel, die an der sonnenverwöhnten Terrasse hängt, wird erklärt, dass man schon bis in die Stubaier Alpen sehen kann. 

    Da diese erst hinter Innsbruck losgehen, können wir bereits ab hier Berge betrachten, die über 100 Kilometer entfernt sind! Doch nicht nur die Aussicht ist bärig: sondern auch die männlichen Vertreter der Murmeltiere, die Bären genannt werden, tummeln sich unweit der Berghütte. 

    Doch freilich haben die „Mankein“ keine reine Männer-WG auf der „Gern“-Südseite gegründet: Katzen (Weiblein) und Affen (Jungtiere) können ebenfalls beim Umhertollen und Raufen beobachtet werden. Auf der Südseite gehen wir nach rechts weiter. Während der Abenteurer sich einen Abstecher nach links in Richtung Zwölferspitz und Hochlerch auf weglosem Terrain gönnen kann, bleiben wir jedoch auf dem Weg zum Gerngipfel. 

    Blick zu Loferer Steinberge, Hohe Tauern und Wilder Kaiser.

    Auf dem Grat angekommen, pfeift auf einmal der Wind, der Lärm der Autobahn ist zu hören und plötzlich liegt er da: der Chiemsee in all seiner Pracht! Im weiteren Verlauf einmal nach rechts und eine Kurve nach links, geht es bereits in die Gipfelflanke. Diese queren wir und können nach links gehen. Dort kämen wir aber nicht am Gipfel an, sondern würden wiederum an der Schnappenkirche rauskommen. Das könnte man sich für den Abstieg überlegen. Geradeaus geht es aber auf den Gipfel, der nun nicht mehr weit ist. 

    Eine Kehre folgt und wir befinden uns bereits auf dem Gipfelrücken. Nun nach links und bei der nächsten Gabelung nach rechts und wir kommen alsbald zu einem Schilderbaum. Nur noch wenige Meter und es ist vollbracht! Auf 1.748 Metern liegt uns der Chiemgau zu Füßen. 

    Das Panorama auf unsere Heimat, den Bayerischen Wald, unseren höchsten Berg, den Dachstein bis zu den verschneiten Eisriesen Salzburgs, Kärntens und Tirols raubt uns schier den Atem. H ier ist es ratsam, zu rasten und diese Szenerie zu genießen, ehe der Abstieg angegangen wird. Diesen können wir auf der Aufstiegsroute vornehmen, oder - wie vorher schon angeklungen - über die Staudacher Alm und Schnappenkriche. Da dieser aber etwas anspruchsvoller ist, sollte dieser nicht von Anfängern begangen werden.

    So schön ist die Wanderung auf den Hochgern!

    Simon Schmalzgruber

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