Von der Waidringer Höhenstraße auf die Steinplatte

Unterwegs im Dreiländereck

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Erst von den gegenüberliegenden Loferer Steinbergen wird einem die ganze Breite der Kalkwand mit der Steinplatte bewusst.

Waidring – Jeden Freitag lesen Sie hier unseren Wander-Tipp. Dieses Mal geht es von der Steinplatte-Höhenstraße auf die Steinplatte.

Wie ein schroffer Sägezahn ragt die Steinplatte zwischen Waidring und Lofer auf. Dabei erscheint sie von Norden doch so sanft. So abschreckend wie die Südseite ist, so einfach und kurz ist nichtsdestotrotz der Aufstieg, der auf den aussichtsreichen und sehr gut erschlossenen Berg führt. Dabei kommt man nicht nur an Einkehrmöglichkeiten und Seilbahnstationen vorbei, nein, auch ein kleines „Dreiländereck“ zwischen Bayern,  Tirol und Salzburg wird tangiert. Außerdem erklärt der 2008 eingerichtete „Triassic-Park“ spielerisch die geologische Relevanz der Umgebung.

Die Wanderung im Überblick

Berg/Gipfel: Steinplatte, Chiemgauer Alpen, 1.869 Meter

Höhenmeter der Wanderung: Circa 500 Meter.

Wanderparkplatz/Adresse fürs Navi: Endpunkt der Steinplatte-Höhenstraße (Mautgebühr zehn Euro), Steinplatte 1, 6384 Waidring

Gehzeit: eineinhalb bis zwei Stunden

Schwierigkeit: Einfach.

Einkehrmöglichkeiten: Stallenalm, Panorama-Restaurant Kammerkör

Wann sollte man aufpasse n? Nach Süden bricht der Berg mehrere hundert Meter steil nach unten ab. Höhenängstliche sollten sich also lieber auf dem eigentlichen Gipfel der Steinplatte aufhalten.

Ist die Wanderung für Anfänger geeignet? 5/5 Punkte: Nur beim kurzen Schlussspurt auf dem Gipfel müssen die Hände benutzt werden, ansonsten ist die Steinplatte eine ideale Einsteiger-Tour!

Für Familien mit Kindern geeignet? 5/5: Umgeht man die steilen Südabstürze am Vorgipfel, ist die Tour auch äußerst familientauglich. Der großteils asphaltierte Weg lässt sogar Familien mit Kinderwagen zu. Außerdem sorgt der „Triassic Park“ für Unterhaltung bei Jung und Alt.

Für Hunde geeignet? 5/5: Wie schon erwähnt ist nur die kurze Etappe bis zum höchsten Punkt des Berges mit etwas mehr Aufwand verbunden. Andererseits gibt der befestigte Weg nach oben Hundebesitzern ein Feeling, das schon nah an den gewöhnlichen Gassigang reicht.

Lohnt der Gipfel-Ausblick? 5/5: Nicht nur die gesamten Chiemgauer Alpen sind vom Gipfel zu sehen, das Panorama reicht noch weiter: Neben den nahen Berchtesgadener Alpen und Loferer Steinberge sind die verschneiten Riesen der Hohen Tauern und der Zillertaler Alpen zu sehen. Außerdem sind bei guter Sicht auch Teile der Stadt Salzburg, besonders die Festung Hohensalzburg, zu erkennen.

Drei Gründe, warum sich die Wanderung lohnt

Die Kürze: Wer gerade aus einer längeren Pause kommt, für den ist die Steinplatte ideal. In der Regel werden unter zwei Stunden für das Gipfelglück gebraucht, sodass der Körper noch nicht zu sehr beansprucht wird.

Ein Berg für wirklich alle: Im Winter ein Ski- im Sommer ein Wanderparadies. Die vielen Bergbahnen lassen die Menschen nach oben strömen. Doch nicht nur deswegen: Durch die gute Erschließung der Steinplatte ist der Berg nicht nur für Wanderer und Skifahrer attraktiv, sondern auch für Mountainbiker, Kletterer (mehrere Klettersteige und -routen führen durch die markante Südwand), Hobby-Archäologen und viele mehr!

Viel Lohn für wenig Mühen: Muss man sich auf anderen Bergen teilweise stundenlang über Stock und Stein quälen, um eine gute Aussicht zu haben, wird man auf der Steinplatte schnell für den Aufwand belohnt. Zudem kann man sich bei den gut platzierten Einkehrmöglichkeiten auf dem Weg stärken.

On y va!

Endpunkt der Mautstraße, dahinter ragt die dornenartige Steinplatte auf.

Wir starten unsere Tour schon ziemlich weit oben, nämlich auf 1.376 Metern. Darum ist es wenig verwunderlich, dass wir schon einen recht freien Blick nach Süden zu den Hohen Tauern mit dem Großvenediger haben. Wir passieren die Schranke und gehen auf der Asphaltstraße mäßig steil empor. Es dauert nicht lange und nach 50 Höhenmetern haben wir schon die Stallenalm erreicht. Sich bereits hier den Bauch vollzuschlagen wäre töricht, schließlich marschiert ein voller Magen nicht gern. An einer Weggabelung können wir entscheiden, ob wir rechts länger, unwegsamer und menschenleerer oder links auf der kürzeren und stark frequentierten Asphaltstraße weitergehen. Wir entscheiden uns für links, schließlich ist dies auch die aussichtsreichere Variante. 

Nicht nur nach Süden wird der Blick freier, sondern auch auf die Chiemgauer Alpen: Jetzt sind beispielsweise Fellhorn, Hochgern und Hörndlwand zu erkennen. Nachdem wir den Scheitelpunkt einer langen Rechtskurve passiert haben, könnten wir einen Abstecher zum 1.465 Meter hohen Scheibelberg machen, an dem sich die Grenzen von Bayern, Tirol und Salzburg treffen. Dies wäre für uns aber erst auf dem Rückweg relevant, denn die Aussicht wird größer und größer. Jetzt können wir zur steil abfallenden Reiter Alm rüberschauen, hinter der sich Hochkalter, Watzmann und das Steinerne Meer anschließen. Nun geht es bereits an den ersten Bergstationen vorbei, das heißt, wir kommen gut voran. 

Kurz und knackig auf die Steinplatte

Am Gipfel hat man wiederum einen schönen Blick auf die Loferer Steinberge.

Mehrmals bietet es sich an, auf ausgetretenen, aber unmarkierte n Pfaden abzukürzen, angesichts der starken Nutzung des Berges bräuchte man auch kein schlechtes Gewissen haben, etwas an der Vegetation zu zerstören. Und dennoch ist davon reichlich vorhanden: Während Wintersportler in der kalten Jahreszeit mit ihren Schneebrettern über den Schnee brettern, wachsen in den Sommermonaten beispielsweise Krokusse, Schlüsselblumen und Enziane auf dem sanften Nordrücken des Berges. Zuerst an einer Bergkapelle vorbei, erreichen wir schließlich das Plateau, an dem sich das Berghaus Kammerkör und der „Triassic Park“ befinden: Nicht nur Hobby-Archäologen kommen hier voll auf ihre Kosten, auch an die Kinder wurde mit vielen Spielmöglichkeiten gedacht. Mehrere lebensgroße Dino-Modelle geben einen Einblick in das Leben in der Urzeit. Etwas versteckt liegt zudem am steilen Südabsturz eine Aussichtsplattform, die 70 Meter über dem Abgrund ragt und das Erlebnis Berg noch einmal etwas anders definiert. 

Nun geht es auf einer sandigen Fahrstraße weiter in Richtung Gipfel. Der Wegweiser macht uns dabei Mut: Nur noch 35 Minuten bis zum Gipfel! Auf der mittlerweile recht baumfreien und mäßig steilen Straße geht es jetzt immer schneller dem Ende zu. An mehreren Schneekanonen und der letzten Bergstation vorbei, erreichen wir ein kleines Plateau, an dem sich einige letzte, aber unproblematische Schneefelder halten können. Nun kommt der schwierigste Teil der Tour: Ein bisschen müssen wir mit den Händen arbeiten und nach nicht mal fünf Minuten stehen wir am sogenannten Belgierkreuz der 1.869 Meter hohen Steinplatte und können die tolle Rundumsicht, vor allem aber nach Süden zu den Eisriesen der Hohen Tauern und den Zillertaler Alpen genießen. Abstieg wie Aufstieg, allerdings können wir die Tour noch mit einem Abstecher zu besagtem „Dreiländereck“ verlängern.

Die passende Bekleidung und Ausrüstung zum Wandern und für andere Outdooraktivitäten, finden Sie bei McTREK im Aicherpark Rosenheim.

Simon Schmalzgruber

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