Von Kolm-Saigurn auf's Schareck

Dort, wo man zwei Täler rauschen hört

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Im Abendlicht grüßt das Schareck vom gegenüberliegenden Hohen Sonnblick.

Rauris / Kolm-Saigurn – Jeden Freitag lesen Sie hier unseren Wander-Tipp. Dieses Mal geht es vom Rauriser Talabschluss Kolm-Saigurn auf den Nachbarn des Hohen Sonnblicks, dem 3.123 Meter hohen Schareck.

Hoher Sonnblick und Schareck – wie zwei Säulen stehen sie über Kolm-Saigurn, dem Abschluss des Raurisertals. Während der Gipfel des Sonnblicks noch auf Schusters Rappen erklommen muss, kann das Schareck aus Kärntner Seite ganz einfach per Seilbahn erobert werden. Gut aber, dass wir diesen Berg von Norden angehen werden, ganz ohne technische Unterstützung. Auf uns wartet nämlich eine herrliche Gratwanderung über dem Rauriser und Gasteiner Tal zum Gipfel. Auf geht’s!

Die Wanderung im Überblick

Berg/Gipfel: Schareck, Goldberggruppe, 3.123 Meter

Höhenmeter der Wanderung: Circa 1.700 Höhenmeter.

Wanderparkplatz/Adresse fürs Navi: Parkplatz Lenzanger, Endpunkt der Mautstraße nach Kolm-Saigurn, Mautgebühr neun Euro.

Gehzeit: Fünfeinhalb bis sieben Stunden.

Schwierigkeit: Lange Tour auf einem luftigen Grat, die Kletterfertigkeiten zumeist im I. Grad erfordert (Eine Stelle II.)

Einkehrmöglichkeiten: Gasthaus Ammererhof (1.680 Meter), Niedersachsenhaus (2.471 Meter), Naturfreundehaus Neubau (2.175 Meter)

Wann sollte man aufpassen? Über mehrere Stunden befindet man sich auf dem einsamen Grat, weswegen man die ganze Zeit aufmerksam und konzentriert dem gut ausgebauten, aber schmalen Pfad folgen sollte.

Ist die Wanderung für Anfänger geeignet? 0/5 Punkte: Durch die Länge und Ausgesetztheit ist die Tour nix für Anfänger. Sie sollten also entweder die Seilbahn von Süden nehmen, oder mit Bergführer hochgehen.

Für Familien mit Kindern geeignet? 1/5: Für hochalpin-affine Familien kann die Tour zu einem wahrlichen Genuss avancieren, Familien ohne Erfahrung in den hohen Bergen sollten lieber auf die niedrigeren Berge im Rauris ausweichen.

Für Hunde geeignet? 0/5: Wie beim Ochsenhorn gibt es auch auf dem Pröllweg stellen, die für den Hund nicht erkletterbar sind. Also sollten auch Hundeliebhaber besser ausweichen.

Lohnt der Gipfel-Ausblick? 5/5: Bei besten Bedingungen ergibt sich vom Gipfel aus eine traumhafte Aussicht, die von den Chiemgauer Alpen im Norden zu den Niederen Tauern im Osten, den Karawanken und den Julischen Alpen im südlichen Nachbarland Slowenien sowie den Dolomiten im Westen reicht!

Drei Gründe, warum sich die Wanderung lohnt

Die Aussicht: Wie erwähnt ist die Aussicht traumhaft: Nicht nur Hochkönig, Dachstein und Großglockner zeigen sich von einer tollen Seite, sondern auch Triglav, Mangart und die Drei Zinnen!

Pröllweg: Je nachdem, auf welcher Seite des Grates man sich befindet, hört man entweder die Bäche des Gasteiner oder die des Rauriser Tals rauschen. Ein herrlich-meditatives Erlebnis für den Freund der Natur.

Ruhe und Einsamkeit im Nationalpark: Während im Gasteiner Tal oder am benachbarten Sonnblick der Bär steppt, hat man auf dem Pröllweg seine Ruhe. Nur mit viel Glück (oder Pech) trifft man dort auf andere Wanderer. Dadurch, dass man sich im Gegenzug aber über große Strecken in der streng geschützten Kernzone des Nationalparks Hohe Tauern bewegt, ist die Wahrscheinlichkeit, einem seiner selten zu sehenden Bewohner wie Steinbock oder Steinadler zu begegnen, deutlich höher.

Vamonos!

Wir starten unsere Tour am Parkplatz Lenzanger, der uns durch die Tour auf den Hohen Sonnblick schon bekannt ist. Erst durch den Wald, dann durch die sonnige Hochebene des Talbschlusses Kolm Saigurn gehen wir uns auf dem nur sanft ansteigenden Pfad gemütlich ein. Bald kommen wir an eine Weggabelung, an der sich die Aufstieg zu Sonnblick und Schareck trennen; diesmal gehen wir links in Richtung Gasthof Ammererhof, welchen wir nach einer guten Dreiviertelstunde ab Parkplatz erreichen. Unser nächstes Ziel, das Niedersachsenhaus sehen wir bereits von hier, wie es kühn auf dem langen Grat zum Schareck thront. 

Ab dem Niedersachsenhaus beginnt der Genuss!

Auf dem Hermann-Bahlsen-Weg (der gleiche, wie der Erfinder der weltbekannten Butterkekse) geht es weiter hinauf. Stück für Stück kekseln wir uns weiter in Richtung Baumgrenze, die wir bald erreichen. Noch ist der Weg breit und gut beschildert,sodass ein Verlaufen unmöglich ist. Nach gut dreieinhalb Stunden erreichen wir das Niedersachsenhaus, das sich auf der Riffelscharte befindet. Nach einer kurzen Rast mit Blick auf Rauriser und Gasteiner Tal beginnt nun der Genuss: Der Weg wird schmaler, aber ist dennoch sehr gut instand gehalten. Bei steileren Stellen wird uns ein Drahtseil helfen. Doch all die Anstrengungen treten in den Hintergrund, hört man nur das Wasserrauschen der beiden Täler und die eigenen Schritte. Denn selbst an hochsommerlichen Tagen herrscht hier wenig Betrieb. Und das ist auch gut so. 

Auch hier gehen wir uns erst gemütlich ein, erst vor der 2.696 Meter hohen Riffelhöhe müssen wir eine Steilstufe überwinden. Ist dies erledigt, wenden wir uns dem Neunerkogel (2.827 Meter) zu, der schon vom Niedersachsenhaus sehr markant ins Auge fällt. Auch vor diesem haben wir eine steilere Passage, die bei Trittsicherheit und Schwindelfreiheit nicht sonderlich ins Gewicht fällt. Am Gipfel selbst haben wir einen herrlichen Ausblick ins Rauriser Tal und zu den Nachbarbergen Sonnblick und Hocharn (3.254 Meter). Doch auch hier möchten wir uns nicht lange aufhalten, denn unser heutiges Hauptziel wartet auf unsere Ersteigung! Vom Neunerkogel geht es erst einmal wieder recht steil runter und fast ebenso steil wieder hinauf, bis der 2.933 Meter hohe Herzog Ernst, ein unscheinbares Kupperl im Gratverlauf, erreicht ist. Nun wird auch ein erster Blick nach Süden, zu den Mölltaler und den Julischen Alpen dahinter, frei. So unwichtig der Herzog Ernst auch erscheinen mag, wir befinden uns jetzt genau auf der Grenze zwischen Salzburg und Kärnten und bleiben es auch: Auf dem weiteren Verlauf der Tour werden wir immer wieder zwischen den beiden Bundesländern wechseln. 

Über den Pröllweg auf's Schareck

Die Schlüsselstelle im IIer-Grad ist schnell überwunden!

Gleich nach dem Herzog Ernst geht’s steil hinauf: Erst an einem Seil, dann über die Stifte (UIAA II) und schon ist die Schlüsselstelle überwunden. Der Gipfel kommt immer näher und aller Optimismus ist angebracht: In nicht mal mehr einer Stunde sind wir oben! Den wuchtigen Gipfelaufbau umgehen wir erst einmal links und nach leichter Kraxelei stehen wir schließlich auf dem 3.123 Meter hohen Grenzgipfel. Bis ungefähr 16 Uhr herrscht hier durch die Seilbahn starker Betrieb, doch sind alle Bergtouristen unten, wird es hier still. Sehr still. Bei einer fantastischen Aussicht, die sich von den Chiemgauer Alpen im Norden bis zu den Julischen Alpen im Süden erstreckt, möchte man schier ewig verweilen. Doch irgendwann müssen auch wir wieder absteigen und dafür bieten sich zweieinhalb Optionen: Entweder wir folgen der Aufstiegsroute und klettern über die IIer-Stelle wieder zum Herzog Ernst hinab, oder wir machen einen Abstecher nach Kärnten und gehen über das Skigebiet Mölltaler Gletscher fast bis zum Hochwurtenspeicher hinunter. Beide Wege treffen sich an der Fraganter Scharte, allerdings sollte man für Option 2 Wegfindungsqualitäten mitbringen, denn der Aufstiegsweg ist von Kärntner Seite recht schwierig zu finden. 

An der Fraganter Scharte (2.753 Meter) betreten wir nun wieder endgültig Salzburger Boden. Über Kehren geht es steil hinab in Richtung Naturfreundehaus-Neubau, das in weiteren zwei Stunden erreicht wird. Bis dahin erklären uns mehrere Schautafeln das ehemalige Goldbergbaugebiet in der Goldberggruppe, die Ruinen des großen Knappenhauses sind wohl das eindrucksvollste Zeugnis der damaligen Zeit. Ist der Neubau erreicht, geht es weiter in Richtung Kolm-Saigurn. Am Barbarafall vorbei und durch den Urwald hindurch ist unser Ausgangspunkt, der Parkplatz Lenzanger, in weiteren zweieinhalb Stunden erreicht!

Die passende Bekleidung und Ausrüstung zum Wandern und für andere Outdooraktivitäten, finden Sie bei McTREK im Aicherpark Rosenheim.

Simon Schmalzgruber

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