Wetterphänomen „La Niña“ soll Schuld sein

Wieder ein „Jahrhundertwinter“? - Wohl eher nicht erklärt Wetterexperte Dominik Jung

Diplom-Meteorologe Dominik Jung vom Wetterdienst Q.met (www.qmet.de) erwartet keinen besonders kalten Winter 2020
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Diplom-Meteorologe Dominik Jung vom Wetterdienst Q.met (www.qmet.de) erwartet keinen besonders kalten Winter 2020

Deutschland - „Es ist mal wieder ein Deja-vu“, sagt Diplom-Meteorologe Dominik Jung vom Wetterdienst Q.met angesichts der hartnäckigen Meldungen über einen erneuten außergewöhnlich kalten Winter.

Eine sich wiederholende Nachrichtenwelle stört den Wetterexperten Jung vom Wetterdienst Q.met sehr, wie er gegenüber dem Wetterportal wetter.net erzählt: „Exakt vor einem Jahr berichtete ich an dieser Stelle über den angeblichen Jahrhundertwinter aufgrund einer schwachen Sonnenaktivität. Schon damals widersprach diese in den Medien weit verbreitet These sämtlichen Langfristwettermodellen.“ Nun geht es in die nächste Runde. Der Diplom-Meteorologe räumt mit Mutmaßungen und drastischen Meldungen auf.

Jung bezieht sich auf bewährte Vorhersage-Methoden: „Die Langfristwettermodellen sagten alle einen zu milden Winter und lagen am Ende richtig. Dieses Jahr, fast exakt ein Jahr danach, ist der Jahrhundertwinter schon wieder in den Medien. Diesmal ist ‚La Niña‘ schuld.“ Es gebe viele Faktoren, welche das Wetter im Winter beeinflussen können und dazu zähle auch „La Niña“. Jedoch empfindet der Experte vom Wetterdienst Q.met viele reißerische Meldungen eines anstehenden extremen Winters als „unseriöses und unwissenschaftliches Gerede“.

Das Argument der schwachen Sonne, sieht Jung durchaus als bedeutungsvoll, mahnt aber im selben Atemzug an, dass auch das nur ein Faktor sei, der das Wetter beeinflusse. Voraussagen einer weißen Weihnacht im kalten Dezember sind seiner Meinung nach derzeit wissenschaftlich nicht haltbar: „Der größte Unsinn in diesem Jahr: Weihnachten soll in diesem Jahr weiß und kalt werden. Darüber kann man heute noch überhaupt keine Aussage treffen.“ Er begründet dies damit, dass „Ende Oktober eine Wetterprognose für den 25. Dezember abzugeben wissenschaftlich nicht möglich“ ist.

Im Allgemeinen ist sein Ausblick ein anderer. Jung sagt einen generell wärmeren Winter voraus: „Die Langfristmodelle vom US-Wetterdienst NOAA und vom europäischen Wetterdienst deuten alle beide auf einen eher zu warmen Winter hin. Auch der Dezember soll rund 1 bis 2 Grad zu warm ausfallen.“

„Von einem schneereichen und kalten Monat ist in diesen Prognosen weit und breit nichts zu sehen“ schließt Diplom-Meteorologe Dominik Jung vom Wetterdienst Q.met. Die Hoffnung auf eine weiße Weihnacht bleibt damit wohl genau das, was sie ist: eine Hoffnung.

mda mit Material von wetter.net.

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